FC Aarau
Der FC Aarau lebt doch noch

Der Tabellenletzte lanciert mit einem 6:3-Sieg gegen Bellinzona das Fussballjahr 2010: Was für ein Spektakel im Brügglifeld: Der FC Aarau gewinnt das im Abstiegskampf wegweisende Spiel gegen die AC Bellinzona und hat nur noch fünf Punkte Rückstand auf den Barrageplatz.

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Der FC Aarau lebt doch noch

Der FC Aarau lebt doch noch

Ruedi Kuhn

Ist es ein Traum? Ist es Wirklichkeit? Hat da jemand beim FC Aarau die Handbremse gelöst? Oder war der
Gegner so schwach? Elf Tore hat der FC Aarau in den 18 Spielen der Vorrunde erzielt. In der ersten Rückrundenpartie schaffte der Tabellenletzte der Super League gleich sechs Treffer und bezwang ein allerdings erschreckend harmloses Bellinzona 6:3. «Einmal mussten wir ja erwachen», sagte Präsident Alfred Schmid schon beinahe trotzig. «Noch haben wir allerdings nichts gewonnen, aber die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt.»

Erwacht ist der FC Aarau tatsächlich. In offensiver Hinsicht gelang zumindest in der ersten Halbzeit fast alles. Zwar kassierte die Mannschaft von Trainer Martin Andermatt nach dem 1:0 und dem 2:1 jeweils postwendend den Ausgleichstreffer, blieb aber trotz den Rückschlägen cool und sorgte mit zwei weiteren Toren vor der Pause für die Entscheidung.

Ein Blick auf die Aarauer Torschützen in der ersten Hälfte führt Erstaunliches zutage. Mit den beiden Innenverteidigern Giuseppe Aquaro und Martin Stoll sowie Patrick Bengondo und Steven Lang trafen vier Spieler ins Schwarze, die in der Vorrunde überhaupt nicht auf Touren kamen. Und mit Sergio Bastida und Orhan Mustafi kamen nach dem Seitenwechsel zwei weitere Skorer hinzu, die das Toreschiessen nun wirklich nicht erfunden haben.

Chefcoach Andermatt freute sich zwar auch über das muntere Scheibenschiessen, lobte sein Team aber in erster Linie für die Abgeklärtheit in schwierigen Situationen: «Die Spieler haben sich vor allem ein Kompliment für die Nervenstärke verdient. Wie sie das 1:1 und das 2:2 weggesteckt haben, ist eindrücklich. Entscheidend», so Andermatt weiter, «waren die zwei Tore zum 4:2 kurz vor der Pause.»

Benitos Glanzparaden

Einzelne Spieler hervorzuheben, ist nach dem zweiten Sieg in dieser Meisterschaft schwierig. Das Team überzeugte als Einheit, auch wenn der Viererabwehrkette einige grobe Patzer unterliefen. Hätte Torhüter Ivan Benito nicht dreimal in extremis gerettet, wären die Aarauer Mitte der zweiten Halbzeit vielleicht nochmals ins Zittern gekommen.

Eine starke Leistung zeigte Captain und Regisseur Sandro Burki, der trotz Kreuzbandanriss und kaputtem Meniskus im rechten Knie von Beginn an zum Einsatz kam. Nach Ablauf einer Stunde klagte der Mittelfeldspieler über muskuläre Probleme und musste sich auswechseln lassen. «Unsere Leistung kann man nicht hoch genug einschätzen, denn der Druck war riesengross. Im Gegensatz zu vielen Leuten im Umfeld des Klubs», sagt Burki, «haben wir Spieler immer an uns geglaubt. Jetzt wollen wir auch gegen GC und Basel bestehen.»

Bleibt zu guter Letzt ein Lob für alle Aarauer Junioren, die das Spielfeld im Brügglifeld in den vergangenen Tagen vom Schnee und Eis befreit haben. Ohne sie hätte das Spiel wohl verschoben werden müssen. Und ohne sie hätte der FC Aarau auch nicht 6:3 gewonnen.

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