Unihockey-WM

Der Deutsche Riese schlummert noch vor sich hin

Auf der Überholspur: Joel Gysin (l.) und das deutsche Team tasten sich an die Viertelfinals heran.

Auf der Überholspur: Joel Gysin (l.) und das deutsche Team tasten sich an die Viertelfinals heran.

Deutschland spielt an der Unihockey-WM sportlich eine Nebenrolle – das könnte sich bald ändern. Das wirtschaftliche Potenzial ist enorm und Besserung in Sicht.

Tempelhof Berlin, Floor Fighters Chemnitz, Igels Dresden, Sparkasse Weissenfels. In der obersten Spielklasse geben die Mannschaften aus dem Osten des Landes sportlich und zahlenmässig den Ton an. Unihockey ist in Deutschland eine regionale und grösstenteils anonyme Angelegenheit. Stefan Erkelenz ist jedoch zuversichtlich, dass sich das in naher Zukunft ändern wird. Der Ressortleiter Sport des nationalen Verbandes Floorball Deutschland stellt eine flächenmässige Ausdehnung in alle Himmelsrichtungen fest. Bei genauerer Betrachtung allerdings auf eher bescheidenem Niveau.

Gegenüber anderen Sporarten weit zurück

Im Vergleich zu den Konkurrenz-Sporarten hinkt Unihockey in Deutschland nach wie vor meilenweit hinterher. Vor kurzem wurde das zehntausendste Mitglied registriert. Handball (847000), Volleyball (485000) oder auch Basketball (190000) sind dem vor 20 Jahren gegründeten Verband um Lichtjahre voraus.

Deutschland im Unhockey-Hoch

Deutschland im Unhockey-Hoch

Das könnte sich indes bald ändern. Floorball Deutschland wirbt um die Aufnahme in den Deutschen Olympischen Sportbund (DSOB). Das Gesuch liegt bereit. Im kommenden Sommer wird über den Antrag entschieden. Die Chancen stehen gut, dass der Verband mit Sitz in Leipzig in den Kreis der olympischen Familie aufgenommen wird. «Für uns hätte dies wegweisenden Charakter», sagt Stefan Erkelenz. Als Mitglied beim DSOB käme Floorball Deutschland in den Genuss der lang ersehnten Fördergelder.

Neue Perspektiven

Die zu erwartende Geldspritze würde nicht nur die Basis stärken, sondern hätte auch Signalwirkung für die heimische Meisterschaft. Professionellere Strukturen könnten potente Sponsoren aus dem riesigen deutschen Markt anlocken, die bisher einen weiten Bogen um die Sportart gemacht haben. Liga-Hauptsponsor MaXxPrint steuert einen Beitrag im niedrigen fünfstelligen Bereich bei.

Das ist weniger als ein Tropfen auf den heissen Stein. Damit lassen sich nicht einmal die Spesen der Vorstandsmitglieder decken, die allesamt ehrenamtlich tätig sind. Ob Deutschland dereinst international eine tragende Rolle spielen wird, lässt sich gemäss Stefan Erkelenz zum jetzigen Zeitpunkt schwer abschätzen. «Das Potenzial ist zweifellos vorhanden, gegenüber der Schweiz liegen wir aber noch mehrere Jahre zurück.»

Immerhin: Die deutsche Mannschaft, trainiert vom Schweizer Philippe Soutter, macht das Beste aus den schwierigen Rahmenbedingungen. Die Chancen auf ein Weiterkommen im WM-Turnier sind nach dem gestrigen 10:2-Sieg gegen Kanada intakt. Im letzten Gruppenspiel gegen Russland wird heute der zweite Viertelfinalist neben Finnland ermittelt. Joel Gysin, einer von sieben Schweizer Legionären im Team, sagt: «Die Russen sind stark, aber wir werden gewinnen.»

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