Der Albtraum von Ciriaco Sforza

Die Aufbruchstimmung bei den Grasshoppers erlitt mit der 0:1-Niederlage gegen den FC Aarau einen ersten, gehörigen Dämpfer.

Von Ruedi Kuhn

Es war am 9. August 2008. Ciriaco Sforza kam mit dem FC Luzern ins Brügglifeld. Der Druck auf dem erfolglosen Cheftrainer war enorm. Die Aarauer gewannen dank einem Tor von Cristian Ianu 1:0. Kurz darauf wurde Sforza entlassen. Gut elf Monate später kommt Sforza wieder ins Brügglifeld. Diesmal mit GC. Und mit ihm finden mehr als 2000 begeisterte Fans der Zürcher den Weg zum Provinzklub. Beim Nobelklub war vor dem Start zur neuen Saison eine regelrechte Aufbruchstimmung auszumachen. Nach den Abgängen von Trainer Hanspeter Latour und Sportchef Erich Vogel hatten sich alle lieb. Vor dem Anpfiff zur Meisterschaft feierte man sich selbst. Und Sforza wurde über den grünen Klee hinaus gelobt.

Bei den Grasshoppers schien der Meister also tatsächlich vom Himmel gefallen. Und der Spielplan meinte es ebenfalls gut mit GC. Der kleine FC Aarau, von vielen Experten als Abstiegskandidat Nummer eins gehandelt, sollte nun wirklich kein echter Prüfstein sein. Dann schoss Sandro Burki den Aussenseiter nach 21 Minuten 1:0 in Führung. GC wankte, fiel aber noch nicht. Dass es schliesslich beim Tor des Aarauer Captains blieb, war in erster Linie Torhüter Ivan Benito zu verdanken. Der kleine Hexer rettete drei-, viermal in extremis und sorgte dafür, dass die erste Überraschung in der neuen Saison auch schon gleich in der ersten Partie Tatsache wurde.

Das Brügglifeld als Albtraum für Sforza? Es scheint so. Noch ist der Wohler nicht entlassen. So schnell schiessen die Preussen auch wieder nicht. Den ersten Schuss vor den Bug hat der Jungtrainer aber bereits erhalten. Sforza wäre aber nicht Sforza, wenn er diesen Dämpfer nicht auf selbstbewusste, ja geradezu elegante Art und Weise weggesteckt hätte. «Natürlich bin ich enttäuscht», sagte er. «Wir hatten aber vor allem nach der Pause genügend Chancen, um wenigstens ein 1:1 zu erreichen. Benito hatte aber wohl etwas dagegen.»

Sforza machte gute Miene zum bösen Spiel. Warum aber war er während der 93 Minuten kaum in der Coachingzone anzutreffen und gab erst gegen Ende des Spiels Anweisungen an die Spieler? «Nun», erklärt GCs Neutrainer, «meine Mannschaft braucht noch Zeit. Sie ist auf gutem Weg, muss sich aber noch weiterentwickeln.» Trotzdem, Ciriaco Sforza, fehlte es Ihnen zum Saisonauftakt nicht an Power? «Nein, nein», entgegnet er, «glauben Sie mir, ich habe genug Power. Es ist doch selbstverständlich, dass es in den ersten drei, vier Runden Überraschungen gibt.» Na ja. Eine Niederlage kann man auch so erklären.

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