Velomarathon
Den inneren Schweinehund verjagen

Die dichte Wolkendecke riss kurz auf. Der Ausdauersportler Martin Siegenthaler mobilisierte am 24-Stunden-Velomarathon in Lupfig nochmals sämtliche Kräfte, bevor er die Fahrt beendete, die er exakt 24 Stunden zuvor begonnen hatte.

Merken
Drucken
Teilen
Velomarathon

Velomarathon

Aargauer Zeitung

Ursula Burgherr

Nach 640 zurückgelegten Kilometern stieg Martin «Sigi» Siegenthaler vom Rad, verzog kurz das Gesicht, als er die strapazierten Glieder streckte. Dann lachte er die Fangemeinde an, die ihn vor dem Windrosenhof Lupfig euphorisch feierte. «Richtig weh tut alles erst am Tag danach», weiss der 52-Jährige aus seiner Langstrecken-Erfahrung zu berichten. Denn dieser Velomarathon ist nicht der erste, den er für einen guten Zweck fährt. 2007 kamen anlässlich des 24-Stunden-Rennens in Schötz LU rund 4500 Franken für die Kinderspitex Nordwestschweiz zusammen.

Der Betrag aus den 356 gefahrenen Runden in Lupfig soll der Behindertenwerkstatt Brugg-Windisch zufliessen. «Erschöpft fühle ich mich überhaupt nicht», verkündete Siegenthaler nach seiner gewaltigen Leistung - verspritzt von Schlamm und Dreck und mit geröteten, aber strahlenden Augen. «Ohne Unterstützung hätte ich diese Aktion nicht geschafft», betonte er. Liz Gruber vom Restaurant Frohsinn in Birr hielt die 24-Stunden-Festwirtschaft in Betrieb, mitfahrende Kollegen vom Veloclub Möriken-Wildegg sorgten immer wieder für energiesparenden Windschatten. «Auch in stockfinsterster Nacht war ich nie allein, ständig spornte mich jemand an.»

Zur Erholung wieder aufs Rad

Mit seinem drahtigen Körperbau bringt der Athlet ideale Voraussetzungen für den Langstreckensport mit. «Am wichtigsten ist aber die mentale Stärke. Man muss den inneren Schweinehund nicht nur überwinden, sondern verjagen.» Eine einzige Krise habe er auf der Strecke in Lupfig gehabt. «Als es hell wurde, fühlte ich mich plötzlich brutal leer - nichts ging mehr.» Nach kurzem Halt, kleiner Stärkung und aufmunternden Worten hatte sich Martin Siegenthaler jedoch wieder gefasst und fuhr weiter.

Am Morgen nach seinem «Triumph» ging er bereits wieder seiner Arbeit als Restaurant-Koch in Unterkulm nach. Und meinte: «Wahrscheinlich werde ich mich nach Feierabend noch etwas aufs Fahrrad schwingen - für mich ist das die beste Erholung.»