Dem Schweizer unterliefen zum Ende der Partie einige Fehler zuviel. Nach 4:09 Stunden liess sich der Basler zum zweiten Mal im Entscheidungssatz den Aufschlag abnehmen und ersparte so Del Potro die Nervenprobe, mit eigenem Aufschlag den 16. Grand-Slam-Titel von Federer zu verhindern. Insgesamt konnte sich der Schweizer nicht wie gewohnt auf seinen Aufschlag verlassen.

Auch vor sechs Jahren war Federer an einem Argentinier gescheitert, im Achtelfinal an David Nalbandian. Diesmal bewies sein Widersacher eine erstaunliche Reife für einen Spieler von gerade einmal 20 Jahren. Del Potro hatte absolut keine Angst vor dem Gewinnen und suchte mit Urgewalt von der Grundlinie aus sein Heil. Er ist der erste nicht-europäische Major-Sieger nach 21 Turnieren, zuletzt hatte 2004 in Paris Gaston Gaudio triumphiert, ebenfalls ein Argentinier. Für seinen Triumph erhält Del Potro 1,85 Millionen Dollar. Er verbessert sich zudem im Ranking auf Rang 5.

Zunächst legte Federer furios los und schien nach dem 6:3 und einem Breakvorsprung im 2. Satz der Vorentscheidung nahe. Allerdings nur bis zum Stande von 5:4, 30:30 und eigenem Aufschlag. Ein Vorhand-Passierball Del Potros wurde vom Linienrichter out gegeben, dann aber vom "Hawk Eye" korrigiert. Federer regte sich darüber ziemlich auf und geriet leicht aus dem Konzept. Er verlor sieben der nächsten acht Punkte, konnte sich aber immerhin ins Tiebreak retten, dort verwertete der 20-Jährige aber seinen dritten Satzball zum Ausgleich.

Auch im dritten Satz schenkten sich die Kontrahenten nichts. Del Potro leistete dem Schweizer dann allerdings Schützenhilfe. Beim Stande von 30:30 schenkte er Federer den Satz mit zwei aufeinanderfolgenden Doppelfehlern.

Del Potro brach dann aber nicht, wie man es von einem Grand-Slam-Finaldebütanten nach einem solchen Missgeschick hätte erwarten können, auseinander. Vielmehr schaffte er erneut den ersten Servicedurchbruch zum 3:2 und holte sich dann auch den vierten Satz im Tiebraek, nachdem Federer nochmals herangekommen war. Federer, der zu Beginn des Satzes mehrere Breakschancen zur Vorentscheidung ausgelassen hatte, begann die Kurzentscheidung mit einem Doppelfehler. In den entscheidenden Momenten konnte er sich an diesem Abend nicht auf den Aufschlag verlassen.