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Das WM-Abenteuer in Calgary naht

Guten Mutes: Lukas Gutknecht an der Arbeit. Bruno Kissling

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Guten Mutes: Lukas Gutknecht an der Arbeit. Bruno Kissling

In 14 Tagen wird der Balsthaler Plattenleger Lukas Gutknecht im Flieger nach Calgary sitzen. Bis dahin tut der 21-Jährige nur eines: üben, üben, üben.

Adriana Gubler

Was so berauschend klingt - Weltmeisterschaft, Kanada, Tenue des Schweizer Teams - ist für Lukas Gutknecht im Moment noch harte Arbeit. Seit drei Monaten ist er von seiner Arbeitsstelle bei der Sommer AG in Murgenthal freigestellt. Montags bis freitags tut Gutknecht im Bildungszentrum des Schweizer Plattenleger Verbandes in Dagmersellen derzeit nur eines: üben, üben, üben. Will heissen: Zuschneiden, plätteln, fugen (siehe Kontext). Kaum fertig, spitzt er das Werk runter und beginnt von vorne. Gutknecht will sich - und der Schweiz - an der WM keine Blösse geben. Das WM-Ticket hatte Gutknecht im vergangenen Dezember an den Schweizer Meisterschaften der Plattenleger mit einem Sieg gelöst (wir berichteten). Seine Konkurrenz an der WM kommt etwa aus Brasilien, Japan, Korea oder Deutschland. «Von afrikanischen Teilnehmern ist mir nichts bekannt», sagt Gutknecht.

Trotz vieler Übungsstunden und einem grossen Verschleiss an Keramikplatten ist der Thaler nicht so ganz im Fahrplan mit seinen Vorbereitungen: «Ich brauche noch zehn Stunden mehr Zeit, als ich an der WM zur Verfügung haben werde.»

Zeit scheint ein Problem zu sein

Anscheinend ist er aber nicht der Einzige, der mit Zeitproblemen zu kämpfen hat: «Auf der offiziellen Internetseite des Veranstalters haben andere Teilnehmer geschrieben, dass für sie die Zeit auch sehr knapp ist», sagt Gutknecht. Eine Hoffnung hat er aber noch: Der Jury bleibt es vorbehalten, bis zu einer halben Stunde vor Beginn des Wettkampfes 30 Prozent des Prüfungsobjekts zu verändern (siehe Text unten). Gutknecht geht davon aus, dass dies so eintreffen wird. Gutknechts Ziele sind hoch gesteckt. Denn er will einen Podestplatz. «Die Schweiz war in den letzten Jahren immer unter den ersten drei. Der vierte Rang ist das schlechteste Ergebnis der Schweizer Plattenleger an einer WM.»

Nach Ankunft in Calgary geht es sofort los für das Schweizer Team mit gemeinsamem Akklimatisieren und mentaler Vorbereitung. Am 1. September steht die pompöse Eröffnungsfeier auf dem Programm. Rund 900 Teilnehmer werden für ihr Land einlaufen, so auch Lukas Gutknecht und die 39 weiteren Teilnehmer aus der Schweiz, selbstverständlich in einheitlichem Tenue. Anderntags geht es los: Als Erstes kann Gutknecht seinen Arbeitsplatz einrichten und sich mit dem kanadischen Material vertraut machen. Am zweiten Tag ist Wettkampfbeginn: 22 Stunden an vier Tagen stehen den rund 20 Plattenlegern zur Verfügung, um ihr Prüfungsobjekt auszuführen. Dem Balsthaler werden seine Eltern vor Ort die Daumen drücken. Besonders der Vater, Peter Gutknecht, ist an den Plattenleger-Künsten seines Sohnes interessiert, da er selber in diesem Geschäft tätig ist.

Das mit dem mentalen Training

Körperlich ist der viertägige Wettkampf keine grosse Herausforderung, wie Gutknecht sagt. Schwierig sei es jedoch, die Konzentration bis zum Schluss aufrechtzuerhalten. An einem von drei Trainingsweekends, das von der Stiftung «Swiss Skills» (siehe nebenstehenden Text) organisiert worden ist, haben die Schweizer Teilnehmer sich auch mit dem mentalen Training beschäftigt. «Ich kann es anwenden», sagt Gutknecht. Allerdings habe er nicht so viel mentales Training gemacht, wie es ihm empfohlen worden ist. «Es fehlt die Zeit», sagt er und lacht verschmitzt.

Ohne seinen Lehrmeister Ueli Baumgartner von der Baumgartner AG in Derendingen wäre der Balsthaler jetzt bestimmt nicht mit Gedanken an Kanada, die Weltmeisterschaft und mentalem Training beschäftigt. Denn sein Chef hat ihn auf die WM aufmerksam gemacht. Gutknecht hat nichts von einer Schweizer Meisterschaft, geschweige denn von einer Weltmeisterschaft gewusst. Aber er war nicht abgeneigt. Zu diesem Zeitpunkt ging er davon aus, dass er für eine Teilnahme einen Notendurchschnitt an den Lehrabschlussprüfungen von mindestens 5,0 haben muss. Also hat er sich ins Zeug gelegt und den praktischen Teil der LAP mit 5,4 abgeschlossen, das war 2007. Damit hat ein langes Abenteuer begonnen, das mit dem Flug nach Kanada in knapp zwei Wochen in seine heisse, finale Phase gehen wird.

Lukas Gutknechts Trainer Roger Dähler berichtet in einem Blog über die WM
www.rogernz.blogspot.com

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