Maria Scharapowa
Das süsse Leben reicht ihr nicht

Maria Scharapowa zieht die Tennistour dem Faulenzen am Swimmingpool vor: Zehn Monate fehlte sie verletzt. Nun verleiht Maria Scharapowa dem Frauentennis wieder Glanz.

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Maria Scharapowa

Maria Scharapowa

Keystone

Michael Wehrle, Paris

Die einen lieben sie, andere können die blonde Russin mit den langen Beinen nicht ausstehen. Sie ärgern sich über ihr lautes Stöhnen auf dem Platz, über ihre extravaganten Auftritte. Doch der tristen Frauentour tut die Rückkehr der ehemaligen Nummer eins gut. Vor einer Woche in Warschau erreichte sie bei ihrem Comeback die Viertelfinals, nun steht sie in Roland Garros in der zweiten Runde. Im flatternden Kleidchen, türkis und dunkelblau, natürlich mit den langen Ohrringen, zelebrierte sie ihren ersten Auftritt auf dem Centre-Court. Sie hatte Mühe, setzte sich aber gegen die Weissrussin Anastasia Yakjmowa in drei Sätzen durch. Die nächste Hürde ist allerdings bedeutend höher, es wartet Landsfrau Nadja Petrowa, die Nummer elf der Welt und überhaupt keine Freundin von Scharapowa. Die ist inzwischen auf Platz 102 der Weltrangliste abgerutscht. Doch das spiele für sie im Moment überhaupt keine Rolle.

Sie weiss, sie gehört da nicht hin, und sie wird dort auch nicht lange bleiben. Die Probleme mit der Schulter, sie musste sie operieren lassen, scheinen behoben. «Die Ärzte sagen, es ist alles in Ordnung», betont sie. Und nun beginne für sie eine Art zweite Karriere. «Noch nie in meinem Leben habe ich so lange nicht trainiert, ich habe drei Monate lang überhaupt keinen Schläger in der Hand gehabt», erzählt sie. «Das war verrückt, da fehlte ein Teil meines Lebens.» Es sei auf der einen Seite unheimlich ruhig, gleichzeitig aber auch Stress gewesen. Sie habe nicht gewusst, wie es weitergehe, ob sie überhaupt noch einmal eine Chance bekomme. Sie habe so viele Empfehlungen und Ratschläge bekommen. «Da war es nicht einfach, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen.» Zum Glück habe sie ein so tolles Team, das ihr in dieser Hinsicht sehr geholfen habe.

«Da sitzt du zu Hause und denkst jeden Tag darüber nach, ein normales Leben zu führen», blickt sie zurück. Über all die kleinen Dinge, die das Leben prägten. Und dabei sei das Wichtigste die Familie. Dann falle ihr auf, wie viele Möglichkeiten sie dank ihrer Tenniskarriere habe: «Tennis prägt bei mir alles. Du bereitest dich auf das Match vor, bist in der Garderobe und willst raus, weil da 20 000 Menschen auf die warten.» Das habe sie wirklich sehr vermisst. Immer wieder habe sie sich vorgestellt, wann sie auf die Tour zurückkomme. Und immer wieder habe eine Enttäuschung die andere gejagt, das Ziel wieder nicht erreicht zu haben.

Selbst die grössten Kritiker rühmen den Kampfgeist von Maria Scharapowa. «Der hat mir sehr geholfen, wäre ich eine schwache Person, wäre ich jetzt nicht hier», betont die 22-Jährige. «Ich wäre vielleicht auf einer Insel, das tönt ja gar nicht schlecht, mit einer kalten Piña Colada und einem eisgekühlten Handtuch am Swimmingpool liegen», sagt sie. Das wäre ja auch für andere Leute nicht schlecht, doch ihr Leben sei das nicht. «Ich möchte hier sein, es gibt kein besseres Gefühl, als nach einem Sieg der Menge zuzuwinken. Oder du kommst auf den Platz, sie rufen deinen Namen und du weisst, nun musst du da draussen deinen Job verrichten.»

Sie sei ein Wettkämpfer, so wie jede andere im Feld. Unglücklicherweise könne nur eine gewinnen, gerade das mache aber das Tennis so aufregend. «Du willst diejenige sein, die gewinnt. Und wenn du das nicht bist, dann denkst du die ganze Zeit daran, wie du es werden kannst.» Nun blicke sie voraus, nicht fünf oder sechs Monate, sondern die ganze Strasse hinunter. «Ich will noch so lange spielen, wie es mein Körper zu- lässt, und ich tue alles dafür, dass er noch lange durchhält», lautet die Kampfansage an ihre Gegnerinnen.

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