Fabian Kern, London

«Keep The Faith». Wenn man Pascal Zuberbühler auf seinem Handy anruft, wird man von Bon Jovi beschallt. Den Glauben behalten, wie der Titel dieses Songs auf deutsch heisst, könnte man auch als das Motto von Zubi verstehen. Sein bisher einziges Spiel für den FC Fulham hat der ehrgeizige Torhüter nämlich in der letzten Saison im Ligacup bestritten. Mit anderen Worten: Zuberbühler hatte seinen vorletzten Ernstkampf beim 2:0 gegen Portugal an der Euro 08. Eine Ewigkeit im Fussball.

«Ja, jetzt bin ich schon über ein Jahr bei Fulham, das ist doch verrückt, nicht?», kommentiert der blendend gelaunte 38-Jährige diese Tatsache. Zubi versteht es, auch dieser für die meisten anderen Spieler frustrierenden Einsatzstatistik etwas Positives abzugewinnen. Eigentlich war sein Engagement nur für ein Jahr gedacht, aber dann offerierte ihm der Verein noch ein zweites - und er musste nicht lange überlegen. «Der Verein ist super organisiert und die Premier League ist einfach das Grösste für einen Fussballer», schwärmt der Thurgauer. Sein grosser Fürsprecher beim ältesten noch aktiven Profifussballklub in London ist Roy Hodgson. Mit ihm und dem Goalietrainer Mike Kelly schliesst sich für Zuberbühler ein Kreis. Denn Hodgson war es gewesen, der vor 15 Jahren Zubis Nationalmannschaftskarriere lanciert hatte - mit Kelly als Goaliecoach.

Zuberbühler musste sich in London daran gewöhnen, auf der Bank zu sitzen. Damit tat sich der langjährige Torhüter des FC Basel anfangs sehr schwer. «Es ist schon brutal, wenn du die ganze Woche trainierst wie ein Verrückter, und du dann am Wochenende die Energie nicht rauslassen darfst», gesteht der 51-fache Internationale. Doch nach ein paar Monaten habe er sich daran gewöhnt. Denn am Stammkeeper Mark Schwarzer gibt es kein Vorbeikommen. Der Australier wurde in der vergangenen Saison zu Fulhams Spieler des Jahres gewählt. «Für mich war er der beste Torhüter in der Premier League», sagt Zubi, «Und das ist auch ein wenig mein Verdienst.» Zwischen den beiden Goalies habe sich eine Freundschaft entwickelt, die für Schwarzers Leistungen äusserst förderlich sei.

Doch obwohl Zuberbühler «so fit wie noch nie in meiner Karriere» ist, besteht keine Hoffnung auf einen Einsatz heute gegen seinen Ex-Klub. Immerhin wird Zubi das Spiel im Craven Cottage nicht von der Tribüne aus verfolgen müssen, sondern erbt den Platz von David Stockdale auf der Bank. Der 24-jährige Engländer, der als Schwarzers Nachfolger aufgebaut werden soll, hat sich am Dienstag verletzt. So kann Zuberbühler am Ende des Spiels das Dress mit Reto Zanni tauschen, mit welchem ihn seit seiner Basler Zeit eine Freundschaft verbindet. Doch bis zum Schlusspfiff gibt Zubi alles für seinen aktuellen Arbeitgeber. In jener Rolle, für die er geholt wurde: als «Pusher» und Stimmungsmacher. «Ich werde im Verein enorm geschätzt. Das spüre ich jeden Tag», erzählt Zubi.

Heute gilt es aber ernst für Zuberbühler und sein Team. Fulham darf sich gegen den FCB keinen Ausrutscher leisten. Zwar legt Hodgson das Hauptaugenmerk auf die Meisterschaft, aber nach einem schlechten Saisonstart würde sich eine Heimniederlage gegen den FCB nicht gut machen. «Es ist unglaublich, wie wenig die Engländer über die Schweiz wissen», sagt Zuberbühler. Vielleicht liegt darin die grosse Chance für die Basler.