Daniel Albrecht: Der Skistar kehrt zurück
Daniel Albrecht: Der Skistar kehrt zurück

364 Tage sind seit seinem schrecklichen Sturz in Kitzbühel vergangen. Er hat fleissig gearbeitet und ein mögliches Comeback rückt näher. Heute um 12 Uhr informiert der Skistar Daniel Albrecht über seine Zukunftspläne.

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Morgen, 22. Januar ist es genau ein Jahr her. Ein Jahr seit seinem verheerenden Sturz am Hahnenkamm in Kitzbühel. Heute kehrt Daniel Albrecht an den Ort zurück, der sein Leben veränderte - den erfolgreichen Sportler aus der Bahn warf.

Daniel Albrecht informiert heute über seine Pläne: Zwei Varianten stehen derzeit zur Auswahl. Entweder wagt er Ende Januar in Kranjska Gora ein Comeback oder er verlegt seinen Start auf den Oktober in Sölden.
Hinter vorgehaltener Hand zweifeln einige aber sicherlich immer noch sehr an einem möglichen Comeback.

Eigentlich fuhr er im Training immer vorsichtiger

Blick zurück: Daniel Albrecht absolvierte damals das Abfahrtstraining. Er ist schnell unterwegs: 138 km/h. Vor dem Zielsprung geht er zu früh in die Hocke und übersieht eine Bodenwelle. Albrecht hebt ab. Über 70 Meter fliegt der 26-Jährige durch die Luft und knallt danach mit voller Wucht auf den Rücken. Regungslos bleibt er liegen. Die Rettungskräfte befürchten das Schlimmste.

Seine Mutter Beatrice Albrecht erinnert sich genau an diesen Moment: «Er fuhr mit der Startnummer 5.» Sie kann sich immer noch nicht recht erklären, wie es zum Sturz kam. «Eigentlich fuhr Daniel im Training immer vorsichtiger als beim Rennen.» Und auch für seinen Vater ist der 22. Januar zu einem Tag geworden, den er nie wieder vergessen wird.

Eine riesige Solidaritätswelle wurde ausgelöst. Unzählige Genesungswünsche trafen bei der Familie Albrecht in Fiesch ein. Daniel war landesweit Nummer 1.

Sein Kopf bereitete ihm viel Arbeit

Drei Wochen lag er im künstlichen Tiefschlaf. Diagnose: Schädel-Hirn-Trauma. Lange Tage des Bangens und Hoffens. Den Ärzten bereitete vor allem seine geprellte Lunge Sorgen. Die feinen Einblutungen aufgrund der Quetschung führten zu mehreren Folgeerscheinungen, was die Aufwachphase des Athleten lange verzögerte.
Am 13. Februar 2009 öffnete er dann seine Augen und zwei Tage später wurde er von der Innsbrucker Universitätsklinik nach Bern überstellt. Seine aussergewöhnlich gute körperliche Kondition half ihm den Sturz ohne Frakturen und den Umständen entsprechend gut zu überstehen.

So gut wie sein Körper auch den Sturz überstanden hatte - so viel Arbeit machte ihm sein Kopf. «Mein Gehirn wurde durchgeschüttelt, alles ist irgendwo und ich musste es wieder an den richtigen Ort einräumen», beschrieb der Kombinationsweltmeister 2007 und vierfache Weltcupsieger seinen Zustand. Albrecht erinnert sich nicht an den Sturz. Sein Kopf ist leer. Als er sich die Unfallbilder ansah, sah er nicht sich selbst durch die Luft fliegen.

Zwei Jahre gibt er sich Zeit

Alles musste er neu erlernen: «Meine Sprache war stark angeschlagen.» Es sei oft vorgekommen, dass er Wörter vergessen oder verwechselt habe. «Einmal beim Essen habe ich dreimal hintereinander gesagt, ich hätte gerne noch etwas Audi, dabei meinte ich eigentlich Fleisch.»

Doch Albrecht ist ein Kämpfer und er machte schnelle Fortschritte. Er wollte zurück an die Spitze. Ende April 2009 konnte er das Spital verlassen.

Zwei Jahre gibt sich Daniel Albrecht Zeit, um wieder ganz nach oben zu kommen. Mit dem Training läuft es schon ganz gut. Körperlich wäre er wohl für das Comeback bereit. Im Kopf weniger.
Den verhängnisvollen Zielsprung in Kitzbühel gibt es heute nicht mehr. Er wurde aus Sicherheitsgründen abgetragen.