Rallye
«Da steckt ganz viel Arbeit dahinter»

Sébastien Loeb wurde zum siebten Mal Weltmeister im Rallye. Von den dreizehn WM-Läufen, die heuer ausgetragen wurden, hat er sieben gewonnen. Dazu stand er noch viermal auf dem Podest. Ans Aufhören denkt der Familenvater nicht.

Peter Ruch, Cardiff
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Rallye-Weltemeister Sébastien Loeb in Aktion
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Loeb mit Co-Pilot Daniel Elia und Siegertrophäe
Sébastien Loeb in Aktion
Sébastien Loeb
Loeb und Elia in voller Fahrt

Rallye-Weltemeister Sébastien Loeb in Aktion

Er kann nicht still sitzen. Seine Hände sind dauernd in Bewegung, er fuchtelt herum, er schaut links, rechts, gelangweilt zur Decke. Interviews gehören nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen von Sébastien Loeb. Wer will es ihm verdenken. Als Rallye-Fahrer ist er viel näher beim Publikum als die hermetisch abgeschirmten Formel-1-Rennfahrer. Zwar gehört Loeb zu den erfolgreichsten Motorsportlern aller Zeiten – er hat inzwischen sieben Weltmeistertitel in Folge herausgefahren und 62 WM-Läufe gewonnen. Er wurde 2009 von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zum Ritter der Ehrenlegion geschlagen – doch im Gegensatz etwa zu Michael Schumacher oder Valentino Rossi ist «Super Séb», wie ihn die französische Presse betitelt, am Boden geblieben.

Loebs Dominanz ist erschreckend: Von den dreizehn WM-Läufen, die heuer ausgetragen wurden, hat er sieben gewonnen. Dazu stand er noch viermal auf dem Podest. Timo Mäkinen hatte zwischen 1996 und 1999 vier WM-Titel gewonnen. Markus Grönholm hat mit insgesamt 30 Siegen (aber nur zwei WM-Titeln) das zweitbeste Palmarès. Eine andere schöne Zahl: Loeb hat 45 Prozent der Rallyes, bei denen er angetreten ist, für sich entschieden.

Im nächsten Februar wird der im elsässischen Haguenau geborene
Loeb 36 Jahre alt. Er ist seit 2005 verheiratet mit Séverine. Am 19. November 2007 wurde seine Tochter Valentine geboren. Loeb wohnt seit vielen Jahren in der Schweiz. Früher im Baselbiet, in Biel-Benken. Jetzt in Bougy-Villars am Genfersee.

Beeindruckender Fuhrpark

Zu seinem beeindruckenden Fuhrpark gehört ein Düsenjet und auch ein Helikopter. Die er natürlich beide selbst pilotiert. In seiner Garage stehen neben seinem Dienstwagen, einem Citroën C5, noch ein paar nette Spielzeuge wie ein Porsche 911 Turbo. Und wohl ein Dutzend Motorräder, fast alles Ducati. Loeb kann sich das leisten. Citroën zahlt ihm ein Honorar von rund sechs Millionen Euro pro Jahr. Dazu kommen die Werbeeinnahmen.

Loeb fährt seit Beginn seiner Karriere für Citroën. Das gesamte Team ist rund um ihn aufgebaut, die Techniker lesen ihm sämtliche Wünsche von den Augen ab. Wenn er sein Auto im Fahrerlager abstellt, dann sind seine Kommentare kurz und knapp, alle wissen, was zu tun ist. Loeb, 1,71 Meter gross, 68 Kilo schwer, war bis 20 ein ausgezeichneter Kunstturner – das sieht man auch heute noch. Seine Oberarme haben einen beeindruckenden Umfang. Und noch eine körperliche Spezialität zeichnet ihn aus: seine Augen. Die sind nicht nur von einem sehr tiefen Blau, sondern haben eine abnorme Sehstärke von 140 Prozent. Das ist wohl der Grund, weshalb Loeb als der präziseste aller Rennfahrer gilt, er fährt näher an Hindernisse, seine Linie ist flüssiger.

Wir treffen «Super Séb» in seinem Hotel in Cardiff, wenige Stunden vor dem Start zur Rallye Wales, dem letzten Lauf der diesjährigen WM. Der Weltmeistertitel ist ihm seit Anfang Oktober nicht mehr zu nehmen. Die Marken-Weltmeisterschaft hat er für das Citroën-Team quasi im Alleingang gewonnen.

Wie schwierig ist es, sich für so ein Rennen noch zu motivieren?

Sébastien Loeb: Es ist mein Job, dafür bin ich angestellt. Wenn ich keine Freude mehr daran hätte, dann würde ich es nicht mehr machen.

Was ist denn ihr Erfolgsgeheimnis?

Das gibt es nicht. Hinter meinen Erfolgen steckt ganz viel Arbeit. Wir trainieren sehr hart, wir arbeiten viel an unserem Auto, wir können uns ständig verbessern.

Wie lange werden Sie noch weiterfahren?

Das weiss ich noch nicht. Nächstes Jahr haben wir ein neues Reglement und ein komplett neues Auto. Es reizt mich, noch einmal all meine Energie in dieses Projekt zu investieren.

Sie sind verheiratet, Sie haben eine dreijährige Tochter. Hat das einen Einfluss auf Ihren Fahrstil?

Ich war nie ein Fahrer, der übermässige Risiken eingegangen ist. Das hat sich mit der Heirat und der Geburt meiner Tochter nicht geändert. Was anders ist als früher: Ich will so viel Zeit wie möglich daheim verbringen.

Machen Sie sich Gedanken, was Sie nach Ihrem Rücktritt tun wollen?

Das ist noch nicht so sehr ein Thema. Für die Formel 1 bin ich zu alt, genau wie für Motorradrennen. Aber vielleicht sind Langstreckenrennen eine Möglichkeit. Tourenwagen eher nicht, die Dinger sind mir zu langsam, das macht keinen Spass.