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Chef der Springreiter tritt zurück: «Ich bin gesund, aber ziemlich ausgebrannt»

Urs Grünig, Equipenchef der Schweizer Springreiter, spricht Klartext. Und deshalb legt der 60-Jährige sein Amt nach knapp vier Jahren zum 30. April nieder. Drei Gründe bewegten Grünig zum Rücktritt.

Michael Wehrle
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Tritt nach knapp vier Jahren ab: Der Schweizer Equipenchef Urs Grünig.

Tritt nach knapp vier Jahren ab: Der Schweizer Equipenchef Urs Grünig.

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«Es hat Spass gemacht», sagt er. Er habe das Umfeld genossen, die Kontakte mit Reitern, Besitzern, Veranstaltern und Medien. Auf der anderen Seite aber sei der Aufwand enorm.

«Aufs Jahr gesehen ist das sicher ein Pensum von 50 Prozent, im Sommer ist es sogar wesentlich intensiver», sagt er. Dazu führe er fünf Bauunternehmen und sei Geschäftsführer einer Holding.

Drei Gründe nennt Grünig für seinen Rücktritt:

«Da sind die persönlichen Gründe, und die bleiben persönlich.»

«Diese Funktion ist enorm wichtig und nimmt so viel Raum ein, dass sie viel Zeit, Energie und emotionalen Aufwand erfordert.»

«Ich will berufliche und private Anforderungen sauber und zu hundert Prozent erfüllen und allen Ansprüchen weiter gerecht werden.»

Job braucht neben Freude auch Kraft und Energie

Ein Problem des Equipenchefs sei es, all die Interessen unter einen Hut zu bringen. Da seien die Reiter als Individualsportler, aus allen Schichten, mit allen Ausprägungen. Vom Schicki-Micki-Typ bis zum einfachen Landwirt reiche die Palette.

Und genauso vielfältig seien die Persönlichkeiten der Besitzer, der weiteren Personen im Umfeld eines Reiters mit Einfluss. «Für mich war es Stress, die richtige Auswahl zu treffen, damit ein Team Erfolg hat», betont Grünig.

Doch in den knapp vier Jahren sei ihm das gelungen, den Teamgedanken und -spirit zu fördern, Vertrauen zu schaffen. «Es braucht Sozialkompetenz, Führungserfahrung und Managementqualitäten, um das zu erreichen», sagt Grünig.

Bei aller Freude an der Arbeit, ohne die es nicht gehe, brauche es viel Kraft und Energie, alle Interessen unter einen Hut zu bringen, ein schwer führbares Team und Umfeld zusammenzuschweissen.

Alle Ziele erreicht

Dabei sei es am Ende doch wie im Fussball. Jeder wisse wer Stammspieler oder Ersatzspieler sei, wer der Star sei. Und so kämen schliesslich doch immer wieder dieselben vier, fünf Reiter infrage, obwohl andere versuchten, in diesen Kreis einzudringen.

«Ich habe alle meine Ziele erreicht», sagt Grünig. Höhepunkt seien die Olympischen Spiele in London gewesen mit der hauchdünn verpassten Mannschaftsmedaille und dem Gold für Steve Guerdat. «Auch der Triumph kam auf dem Fundament eines super Teams zustande», sagt Grünig. Zweieinhalb Wochen sei das Team auf engstem Raum zusammen gewesen, nicht einmal sei ein böses Wort gefallen.

Ende der Wintersaison höre er nun auf und übergebe dieses Amt seinem Nachfolger Andy Kistler. «Dem stehe ich noch zwei Monate lang eng mit Rat und Tat zu Seite», sagt er. Und wünscht sich: «Der Equipenchef soll ein vollamtlicher Job werden bei einer guten Bezahlung.» Er selbst habe nur ein eher kleines Fixum und die üblichen Spesen.