YB
Champions-League-Qualifikation: Im Namen des Vaters

Für die Berner Young Boys ist es das Spiel des Jahres. Die Berner empfangen heute Abend zuhause Fenerbahce Istanbul und spielen im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation um die bestmögliche Ausgangslage für einen Platz in der höchsten Spielklasse Europas. Dabei wird YB-Golie Roman Bürki eine zentrale Rolle zuteil.

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Roman Bürki

Roman Bürki

Keystone

François Schmid-Bechtel

Vor vier Wochen deutete nichts darauf hin, dass Roman Bürki schon bald das Interesse der nationalen Medien auf sich ziehen würde. Der 19-jährige Keeper bereitete sich beim FC Schaffhausen auf die Saison vor und ging davon aus, sich in der Challenge League zu bewähren.

Als vor zwei Wochen Paolo Collaviti seinen Rücktritt als Nummer 2 erklärte, ging alles sehr schnell. Peter Kobel, der Torhütertrainer der Young Boys, kontaktierte Bürki telefonisch und fragte ihn, ob er als Ersatzmann zurückkehren wolle. Bürki musste nicht lange überlegen, weil es für einen «Berner Giel» wie ihn nichts zu überlegen gibt, wenn YB ruft.

Bürki ist in Münsingen aufgewachsen. Der Vater, Martin Bürki, war Goalie beim lokalen Erstligisten. «Mein erstes grosses Vorbild», sagt Roman Bürki. Ausserdem hat ihn die Position des hintersten Mannes gereizt, weil «die Torhüter ein anderes Trikot tragen als die Feldspieler». Lauffaulheit, wie bei vielen anderen Keepern, sei indes kein Grund gewesen, sich für diese exponierte Position zu entscheiden.

Seinem Vater, heute 47-jährig, attestiert Bürki einiges Talent. Warum hat es dann mit der grossen Karriere nicht geklappt? «Als von YB ein Angebot kam, war er noch in der Lehre als Heizungsmonteur. Seine Eltern haben ihm verboten, vor dem Lehrabschluss in den Profifussball zu wechseln.»

Heute ist Martin Bürki der härteste Kritiker seines Sohnes. Dieser wiederum lebt den Traum seines Vater und fühlt sich dabei keineswegs unbehaglich. Ziemlich abgeklärt stellte er sich gestern, vor dem «grössten Spiel» seiner bisherigen Karriere, den Journalisten. Von Nervosität kaum eine Spur. Ebenso routiniert reagierte er auf seinen Fauxpas beim Einstand in Thun.

Fauxpas in Thun
Erst eine Woche im YB-Training, durfte Bürki bereits zum Saisonauftakt gegen Thun ins Tor. Marco Wölfli, die unbestrittene Nummer 1, musste eine Sperre aus der letzten Saison absitzen. Doch viel schlechter hätte das Debüt von Bürki nicht beginnen können. Nach 50 Sekunden führte Thun bereits mit 1:0. Bürki hatte dabei nicht «bella figura» gemacht.

Andere junge Torhüter haut ein solch kapitaler Fehler um. Nicht aber Bürki. Er hing nicht lange seinem Fehler nach, sondern konzentrierte sich auf seine Leistung und hielt sein Team mit einigen starken Paraden im Spiel. Heute denkt er nicht mehr an seinen zwiespältigen Auftritt in Thun. Schon beim nächsten Einsatz, am Uhren-Cup gegen Stuttgart (1:2), verdiente er sich gute Noten.

Sorgen macht man sich bei YB nicht, Bürki würde der Herkules-Aufgabe gegen Fenerbahce nicht gewachsen sein. Trotzdem ist Trainer Vladimir Petkovic bestrebt, den U20-Internationalen von jeglichem Druck zu befreien. «Ich habe keine speziellen Erwartungen an ihn. Er soll einfach das machen, was er im täglichen Training macht. Dann sehe ich keine Probleme.»

Auch Bürki selbst versucht den Ball vor der Partie gegen Fenerbahce möglichst flach zu halten. «Ich habe mit meinem Mentaltrainer darüber gesprochen. Ich will dieses Spiel nicht überbewerten. Sonst laufe ich Gefahr, übermotiviert zu agieren», sagt Bürki, der vor dieser Saison erst 13 Mal in der Challenge League gespielt hat.

Die Parallelen zu Marwin Hitz, der Nummer 2 beim Bundesligisten Wolfsburg, sind offensichtlich. Dieser wurde nach nur 15 Einsätzen in der Challenge League im Sommer 2008 vom VW-Klub verpflichtet. Als Diego Benaglio im letzten Frühling verletzt ausfiel, hatte das beschauliche Dasein für Hitz ein plötzliches Ende.

Fünf Bundesliga-Spiele absolvierte Hitz, viermal ging er als Sieger vom Platz. Und zwar so, als sei es die grösste Selbstverständlichkeit, im grellen Scheinwerferlicht zu brillieren. «Hitz finde ich gut», sagt Bürki nur.

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