Canepa redet Cheftrainer Fischer stark

Der 44-jährige Urs Fischer hat erstmals als Cheftrainer eine Saisonvorbereitung in der Super League geleitet. Er ist überzeugt, dass der FC Zürich gut gerüstet ist. Nach der verpatzten letzten Saison will der FC Zürich heuer wieder angreifen.

Markus Brütsch, Zürich

Urs Fischer hat sich nichts anmerken lassen. Ist weder rot geworden noch hat er verlegen gelacht. Grund dafür hätte er durchaus gehabt, denn noch selten ist ein Coach mit so vielen Vorschusslorbeeren in eine Saison geschickt worden. «Ich bin mir noch nie so sicher gewesen, mit einem Trainer die richtige Wahl getroffen zu haben, wie mit Urs Fischer», sagt Ancillo Canepa. Und der Präsident setzt noch einen drauf: «Nach dieser Vorbereitungsphase bin ich zu 200 Prozent von Fischer überzeugt.»

Schön für Fischer, so viel Rückendeckung zu erhalten. Ein bisschen erstaunlich sind Canepas Aussagen gleichwohl. Oder will sich dieser vielleicht selber Mut machen? Denn Fischer hat in den letzten Wochen der vergangenen Saison nicht mehr viel bewirkt, nachdem er am 19.April Meistertrainer Bernard Challandes abgelöst hatte. Zum Start war Fischer in Luzern 1:4 untergegangen, hatte dann zu Hause gegen YB 0:2 verloren, um darauf im Derby von GC eine 0:4-Klatsche einzufangen! In den letzten Spielen gab es zwar noch ein 2:0 und ein 3:3 gegen die ambitionslosen Teams von Sion und Xamax, doch ein überzeugender Einstand sieht anders aus.

Chikhaoui und das Knie

Nichtsdestotrotz verbreitet auch Fischer viel Zuversicht vor der neuen Saison. «Wir haben in vier Wochen vierzig Trainingseinheiten absolviert und die Mannschaft hat hervorragend mitgezogen», sagt Fischer. «Ich habe von ihr einen fantastischen Eindruck erhalten. Und wir haben keine verletzten Spieler.»

Was insofern nicht ganz stimmt, als Verteidiger Heinz Barmettler nach seiner Operation noch nicht zur Verfügung steht und Yassine Chikhaoui auch mal wieder ein verletztes Knie spürt. «Diesmal ist es aber das andere», versucht Fischer die Befürchtung zu zerstreuen, der Tunesier könnte ein weiteres Mal länger ausfallen.

Auch wenn Fischer nun seine erste Saison als Cheftrainer eines Super-League-Klubs in Angriff nimmt, weiss er ganz genau, wie der Hase läuft in der höchsten Schweizer Liga. Schliesslich hat er nicht weniger als 496-mal auf dieser Ebene gespielt, elf Jahre für den FCZ, deren acht für St.Gallen. Dazu hat er sich auch viermal das Trikot der Schweizer Nati übergestreift.

Gelingt es Fischer, die Youngsters zu führen?

Seine Trainerkarriere hatte der 44-Jährige im Nachwuchsbereich des FC Zürich lanciert. Er erwies sich bald als gewiefter Ausbildner und brach immer wieder eine Lanze für die jungen Spieler. Es wird interessant zu beobachten sein, ob es ihm auch auf höchstem Niveau gelingt, die Youngsters zu fördern und in die Mannschaft einzubauen.

Ob zum Beispiel U17-Weltmeister Ricardo Rodriguez eine Chance erhält, sich als Linksverteidiger gegen Ludovic Magnin zu behaupten. Oder U17-Champion Oliver Buff im Mittelfeld seine Einsatzmöglichkeiten kriegt. «Für mich gibt es keine alten und jungen Spieler, sondern nur gute und weniger gute», sagt Fischer. «Die Jungen werden ihre Chance bekommen, müssen sie dann aber auch nützen.»

Fischer ist sich bewusst, dass seine Schonfrist beim FCZ eng begrenzt ist. «Wir sind erfolgsorientiert», sagt Fischer, «wir setzen alles daran, um den ersten Platz zu erreichen. Auf der anderen Seite aber gibt es neun Mannschaften, die ebenfalls mit hohen Ambitionen in die Saison gehen.» Zum Beispiel der FC Basel. Der Meister ist am 20.Juli im St.-Jakob-Park der erste Gegner des FC Zürich.

Meistgesehen

Artboard 1