Den Mai verbringt Ernst Bromeis in seinem liebsten Element: dem Wasser. Als erster Mensch wird er den Rhein auf seiner ganzen Länge durchschwimmen. Start ist am 2.Mai an der Quelle am Tomasee, die 1232 Kilometer entfernte Mündung will der Dauerschwimmer am 31. Mai erreichen. Immer mit dabei: ein Fläschchen Wasser aus dem Tomasee.

«Nein, ich bin nicht lebensmüde», sagt der dreifache Familienvater. «Ich mache etwas, das ich kann.» Der studierte Sportlehrer hat jahrzehntelange Erfahrung im Ausdauersport, war Triathlontrainer des Schweizer Nationalteams. Vor vier Jahren durchschwamm er alle Bündner Seen, vor zwei Jahren die grössten Seen aller Kantone. Nun bereitet er sich mit allen erdenklichen Ausdauersportarten auf Teil drei seiner Wassertrilogie vor, die er «Das Blaue Wunder» nennt. «Seit einem Vierteljahr bin ich hauptberuflich Sportler», sagt Bromeis.

Warum tut er das?

Doch warum tut sich einer so etwas an? «Es geht mir nicht um einen Rekord», sagt der selbst ernannte Wasserbotschafter, «sondern ich habe eine pädagogische Mission». Und die lautet: Wasser ist endlich, die Menschen sollen einen massvollen Umgang mit dem vermeintlichen Überfluss lernen, und Trinkwasser ist ein Menschenrecht. «Man verändert die Welt zwar nicht, indem man den Rhein hinabschwimmt», weiss Bromeis. «Aber wichtig ist die Aufmerksamkeit, die ich für diese Themen schaffen kann.»

Sicherheit schreibt der 43-Jährige, der mit seiner Familie in Davos lebt, gross. Die gefährlichste Stelle, den Rheinfall bei Schaffhausen, wird er nicht schwimmen, sondern an einem Seil gesichert durchschreiten. Bis zum Bodensee begleitet ihn ein Wildwasserfahrer, danach ein Kajakfahrer und ein Sicherheitsboot. «Sonst wäre es zu gefährlich, wegen dem Schiffsverkehr», sagt Bromeis. Mit zum Team gehören zudem ein Physiotherapeut, ein Fotograf, eine Bloggerin, eine Filmcrew und ein Teamchef, der den Empfang an den Etappenorten koordiniert.

Schweiz Tourismus unterstützt die Aktion

Gratis ist das alles nicht. Bromeis wird aber von Schweiz Tourismus finanziell unterstützt, mit fast einer halben Million Franken. Dafür darf die Marketingorganisation seinen Schwimm-Marathon für ihre grosse Sommerkampagne nutzen. Diese läuft unter dem Titel «Schweiz – Land des Wassers». Geplant sind Fernsehspots, Zeitungsbeilagen, Begleitanlässe, Medieninterviews und eine Wanderausstellung in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden, die praktischerweise zu den Hauptzielmärkten von Schweiz Tourismus gehören.

Ernst Bromeis denkt derweil bereits über seine nächste Schwimmstrecke nach. Genaueres will er noch nicht verraten. Nur so viel: «Vielleicht geht es über Europa hinaus.»