Als Rookie unter den Profis versuchte Koepka sein Glück im Jahr 2012, indem er von Palm Beach Gardens in Florida nach Europa zog, auf die untergeordnete Tour in Europa, die Challenge Tour. Sein erstes Turnier war die Swiss Challenge auf Golf Sempachersee in Hildisrieden. Turnierdirektor Daniel Weber hatte von Koepkas Talent gehört, er lud ihn ein. Koepka wurde 27. unter 156 Golfern, schlaggleich mit dem Engadiner Martin Rominger und einen Schlag hinter dem Zuger Damian Ulrich.

Im Juli 2013 startete Koepka im Luzernischen nicht mehr. Denn er hatte kurz vorher in rascher Folge drei Turniere der Challenge Tour gewonnen. Wer in einer Saison dreimal siegt, steigt augenblicklich auf den grossen Circuit, die PGA European Tour, auf. In den letzten zwölf Jahren ist ein solcher Durchmarsch nur dem Schweden Kristoffer Broberg ebenfalls gelungen. Aber Broberg schaffte den richtigen Durchbruch nie. Vor zwei Jahren verlor er das Spielrecht auf der Europa-Tour, während Koepka in Windeseile über die europäische auf die amerikanische Tour kam. Mit dem Triumph am US Open im Juni 2017 begann Koepka die Turniere auf Grand-Slam-Stufe, die sogenannten Majorturniere, auf eine noch nie dagewesene Weise zu dominieren. Beim vierten Majortitel, den er am Wochenende an der US PGA Championship in Bethpage bei New York errang, langte Koepka in weniger als zwei Jahren an. Tiger Woods beispielsweise liess seinerzeit vom ersten bis zum vierten grossen Triumph über drei Jahre verstreichen.

Alles wäre zum Besten bestellt, wäre da nicht Koepkas zur Schau gestellte, despektierliche Haltung gegenüber dem Golf. Er wird nicht müde zu sagen, dass er eigentlich bei einem anderen Sport gelandet wäre. Aber nach einem Autounfall, in den er als Kind geraten war, habe ihm der Arzt quasi vorgeschrieben, jeden Sport mit Körperkontakt zu meiden. Koepka ist ein Muskelpaket. Man könnte ihn sich tatsächlich im American Football oder im Baseball, seiner liebsten Sportart, vorstellen. Im Golf kann er den Ball weiter schlagen als die meisten seiner Kollegen.

Eigenartige Ansichten

Koepka kommt bisweilen mit abstrusen Ideen und Meinungen daher. Eine Runde dauere viel zu lange, man müsste sie um ein paar Löcher verkürzen. Auch sei das Ganze furchtbar langweilig. Es sei für den Profi eine Zumutung, bis zu fünf Stunden ohne richtige Action auf dem Platz stehen zu müssen.

Er beisst die Hand, die ihn füttert. Er zeigt eine Geringschätzung gegenüber dem Sport, der ihn längst schon zum Multimillionär gemacht hat. Ob Koepka alles wirklich ernst meint, weiss man nicht. Vielleicht nicht. Vielleicht ist alles nur eine mentale List. Vielleicht soll ihn die demonstrative Unlust davor bewahren, auf der Runde nervös zu werden. Man weiss es nicht, und er wird es nie sagen.

In der Öffentlichkeit zählen in jedem Fall die skurrilen Äusserungen, die Koepka zum Besten gibt. Mit dem Golfpublikum von New York ist er am letzten Wochenende an den Falschen geraten. Das Publikum rund um den Big Apple ist nicht kulturbewusst, wohlerzogen, fair und geniessend wie das britische. Es ist ungezogen, grobschlächtig und zeigt Sympathien und Antipathien unverhohlen. Es mischt sich ein. Ungeliebte Spieler bekommen bisweilen in heiklen Sekunden beim Schwung sehr störende Zwischenrufe zu hören.

Koepka widersteht dem Druck

Einer unter den Zehntausenden von Zuschauern rief Koepka in der Schlussrunde zu: "Hey, ich habe mein Geld auf D.J. gesetzt, mach mir das Vergnügen." D.J. stand für Dustin Johnson, Koepkas einzigen verbliebenen Rivalen. Und Koepka sollte dem Zuschauer das Vergnügen machen, indem er aus einer schwierigen Lage einen schlechten Schlag zeigen würde. Koepka hielt den Anfeindungen und dem ganzen Druck bis zuletzt Stand. Vielleicht auch dank seinem mentalen Trick der scheinbaren Gleichgültigkeit.