Bronze im Staffel-Krimi

Daniel Hubmann, 3. v. r. waehrend der Staffel am Sonntag, 15. August 2010, an den Orientierungslauf Weltmeisterschaften in Trondheim, Norwegen. Die Schweizer erreichten den 3. Platz.

Bronze im Staffel-Krimi

Daniel Hubmann, 3. v. r. waehrend der Staffel am Sonntag, 15. August 2010, an den Orientierungslauf Weltmeisterschaften in Trondheim, Norwegen. Die Schweizer erreichten den 3. Platz.

Im hochstehendsten Staffelrennen der OL-Geschichte liefen die Schweizer Männer auf den dritten Platz. Das Frauen-Trio hingegen landete zum vierten Mal in Serie auf Platz 4. Die Schweizer Delegation reist mit sieben Medaillen von OL-WM nach Hause.

Rainer Sommerhalder, Trondheim

Noch nie kamen bei Hälfte der Schlussstrecke neun Teams für den Weltmeistertitel in der Staffel infrage. Neben den drei skandinavischen Nationen, der Schweiz, Frankreich und Russland hielten etwas überraschend auch England, die Ukraine und Tschechien bis beinahe zuletzt mit. Dass Matthias Merz, der von seinem Aargauer Teamkollegen Matthias Müller mit der Spitzengruppe ins Rennen geschickt wurde, am Schluss «nur» um Bronze und nicht um Gold lief, lag weniger an Fehlern oder einer mangelnden Laufleistung, sondern vielmehr an den unterschiedlich langen Gabelungen unterwegs.

Die Schweizer Männer hatten auf der dritten Teilstrecke die etwas schwierigeren Posten als zum Beispiel die neuen Weltmeister Russland oder die zweitplatzierten Norweger anzusteuern. Bei zwei dieser gegabelten Posten, die das Nachlaufen erschweren sollen, verlor Merz den Kontakt zur Spitze und damit die Möglichkeit, für die Schweiz um Gold zu spurten.

Auf Schritt und Tritt verfolgt

Einen «treuen Anhänger» musste aber auch Merz auf dem letzten Kilometer noch loswerden, um die siebte Schweizer Medaille dieser WM definitiv ins Trockene zu bringen. «Der englische Schlussläufer Scott Fraser ist mir während des ganzen Rennens auf Schritt und Tritt gefolgt», sagte Merz. «Es hätte mich enorm gewurmt, wenn er uns im Spurt um die Medaille gebracht hätte.» So weit kam es nicht. Merz, der unterwegs nie ganz die Übersicht behielt, auf welcher Position er gerade lief, zog drei Posten vor dem Ziel um wenige Meter davon und liess im lang gezogenen Schlussspurt nichts mehr anbrennen. Zu Gold fehlte letztlich eine gute Minute.

Definitiv ein Staffel-Trauma dürfte der siebenfache französische Weltmeister Thierry Gueorgiou haben. Vor zwei Jahren verschluckte er als Führender auf der Schlussstrecke eine Biene, vor einem Jahr stoppten er und drei Gegner kurz vor dem Ziel, um den verletzten schwedischen Läufer zu versorgen, und gestern liess er auf dem Weg zum WM-Titel wegen eines Blackouts einen Posten aus.

Weiter Weg für Niggli

Eine nicht ganz so dramatische Negativserie verfolgt die Schweizerinnen. Trotz der unerwartet starken Leistung von Caroline Cejka auf der Startstrecke verpasste das Trio mit Vroni König Salmi und Simone Niggli das Podest zum vierten Mal in Folge. König Salmi verlor in ihrem allerletzten WM-Rennen zu viel Zeit und Niggli hatte wie Merz am Schluss die ungünstigsten Postengabelungen. «Zumindest habe ich mir heute nichts vorzuwerfen», sagte die Doppelweltmeisterin von Trondheim in Erinnerung an ihre schwache Staffelleistung im Vorjahr.

Nichts vorzuwerfen hat sich auch das Schweizer OL-Team als Ganzes. Fünf Medaillen wollte man, sieben sind es geworden. «Wir haben unseren Teil erledigt», sagte Cheftrainer Matthias Niggli in Anspielung darauf, dass Hauptsponsor PostFinance den Vertrag noch nicht verlängert hat. Derweil beginnt für die Athleten bald die Vorbereitung auf die WM 2011 in Frankreich.

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