Robert Höpoltseder

Dass der BMW-Vorstand sein Engagement in der Formel 1 nach dem letzten Saisonrennen am 1. November in Abu Dhabi im erst vierten Jahr mit Sauber beendet, ist aus einer Vielzahl von Gründen (der ökologische Weg der Firma lasse sich nicht mit der Formel 1 vereinbaren) noch nachvollziehbar.

Nicht wirklich erklärbar ist das, was der Weltkonzern aus München ab 2010 mit der Formel-1-Fabrik samt 80-Millionen-Franken-Windkanal wirklich vorhat. Derzeit könnte man den Eindruck gewinnen, als würde aus dem Formel-1-Standort ein Bürokomplex mit Windkanal-Museum oder eine Industrie-Ruine.

Aus heutiger Sicht ist es nur schwer zu erklären, warum der BMW-Vorstand Peter Saubers ersten - in aller Eile gemachten - Rettungsversuch am Mittwochabend nicht angenommen hat. Geht in München etwa die Sorge um, dass Sauber im nächsten Jahr wieder auf die Siegerstrasse zurückkehren könnte? Die Sorge, dass dann BWM mit ähnlich abgesägten Hosen dastünde wie in diesem Jahr Honda (das nach dem Rückzug von Ross Brawn übernommen und zum Erfolg geführt wurde)?

Der exorbitant hohe Preis

Gut möglich ist auch, dass BMW-Boss Norbert Reithofer und seine für die Formel 1 zuständige Crew finanziell ganz andere Vorstellungen haben, als sie Peter Sauber samt seinen Investoren zu leisten imstande ist. Wie hoch der Preis für die Übernahme des Formel-1-Teams ist, wissen nur die Involvierten - der Preis muss sehr hoch sein.

Peter Sauber sprach davon, dass die BMW-Forderungen «für mich ganz einfach viel zu hoch waren». Vier Tage und drei Nächte lang hatte der 65-Jährige mit Investoren und Sponsoren, die er in kurzer Zeit finden konnte, an einem Deal gearbeitet. Dabei hatte er sich eine grosse Last auf seine schmalen Schultern geladen. Mit dem Nein hat sich der BMW-Vorstand nun diese Last selber aufgebürdet. Warum er das tat, bleibt unklar.

Alles versucht - nichts gelungen

Aus München gab es eine Stellungnahme von Mario Theissen, dem BMW-Motorsportdirektor, der gerne in der Formel 1 weitergefahren wäre, aber dem BMW-Vorstand unterstellt ist: «Wir haben alles versucht, um eine schnelle Einigung über einen Verkauf des Teams am Standort Hinwil zu erzielen. Dies ist trotz allen Anstrengungen erfolglos geblieben. Der uns vorgegebene enge Zeitrahmen hat nicht ausgereicht, um eine Lösung für solch eine komplexe Transaktion zu finden.» Die Suche nach einer Lösung geht in den kommenden Wochen weiter - der Leidtragende: Peter Sauber.

Sauber ist nun auf BMW verständlicherweise schlecht zu sprechen. Denn als Folge des Neins aus München «konnte ich auch das Concorde Agreement nicht unterschreiben, was Zahlungen in Millionenhöhe garantiert und die Zukunft des Teams gesichert hätte». Daraus kann man schliessen, dass es auch hier um hohe Beträge ging - existenziell wichtige eben. Kein Wunder also, dass Sauber, der aus seiner Sicht den perfekten Deal angeboten hatte, niedergeschlagen sagte: «Das ist für mich der bitterste Tag in meiner 40-jährigen Motorsport-Karriere. Es ist auch ein herber Rückschlag fürs Team. Selbstverständlich bin ich nach wie vor bereit, eine Lösung zu suchen.»

Helfen will auch die Teamvereinigung Fota, die «jede Initiative unterstützen will, die es der BMW-Sauber AG ermöglichen würde, sich wieder für eine vollwertige Teilnahme im Rahmen des neuen Concorde Agreement zu bewerben». Wahre, barmherzige Worte oder nur ein Lippenbekenntnis?