Von Ruedi Kuhn

Ivan Benito als einzige Aarauer Integrationsfigur? Und das bei so vielen Profis? Ist das etwa der Grund für den Abstieg? Auch, ja, doch den meisten Akteuren fehlt es an der nötigen Klasse, um in der Super League bestehen zu können. Benito selbst ist ein Typ, ein Typ mit Ecken und Kanten. Vielleicht war das Spiel gegen die Grasshoppers sein letztes für Aarau. In Bellinzona muss der 33-jährige Goalie eine Sperre absitzen - und dann? Bleibt er oder geht er? In der Winterpause hätte er zu Energie Cottbus wechseln können. Tat es aus Liebe zum FC Aarau aber nicht.

Energie? Das passt zu Benito. Alternativen wären Klubs wie Lokomotive Leipzig, Wolfsburg, Red Bull Salzburg, Sturm Graz, Dornbirn oder Wacker Wien. Doch ohne Nestwärme läuft bei Benito nicht viel. Dann könnten wir ihm Eintracht Frankfurt, Union Berlin oder Wismut Aue empfehlen.

Eine Frage des Lohns

Spass beiseite. Der Aarauer Sport-Koordinator Urs Bachmann sagt: «Benito ist ein Aarauer Urgestein, ein Leadertyp und ein Vorbild für die Jungen. Wir wollen ihn behalten.» Behalten, ja, aber nicht um jeden Preis. Und da sind wir schon beim Hauptproblem. Der FC Aarau wird in nächster Zeit zum Rappenspalter. Er muss es. Die Lohnkosten für die erste Mannschaft werden in der nächsten Saison nämlich von mehr als 4,5 Millionen Franken auf knapp 2 Millionen reduziert.

Wie will man sich da einen bestandenen Berufsfussballer wie Benito leisten? Ausgerechnet jetzt aber läuft dessen Vertrag aus. 2007 hat er für drei Jahre unterschrieben. Und dabei in finanzieller Hinsicht nach eigener Aussage auf einiges verzichtet. Die Aarauer wollen ihm erneut einen langfristigen Vertrag anbieten. Das mit der Möglichkeit, nach der aktiven Karriere weiterhin beim Verein tätig zu sein. Bachmann sagt: «Wir möchten Benito einen fliessenden Übergang ermöglichen. Und zwar in der Funktion als Ausbildner der Torhüter.»

Abstimmung abwarten

Und Benito? Er lässt sich Zeit. Mindestens bis zum 13. Juni. Dann entscheiden die Aarauer Stimmbürger bezüglich des neuen Stadions im Torfeld Süd über Sein oder Nichtsein. Eines aber steht fest. Benito lässt sich von den Vereinsverantwortlichen nicht mehr über den Tisch ziehen. «Es kann sein», sagt er, «dass die Vertragsverhandlungen am Respekt gegenüber meiner Person scheitern. Ich habe in den vergangenen Jahren zum Wohl von andern Spielern auf vieles verzichtet und Lohnkürzungen in Kauf genommen. Jetzt wird sich zeigen, ob die Aarauer mich wirklich wollen oder nicht.»

Benito hat im Verlauf seiner Karriere also die gleichen Erfahrungen gemacht wie Mario Eggimann und Frédéric Page. Will heissen, dass die Klubbosse bei Eigengewächsen während Lohnverhandlungen an die Ehre und an den Stolz appelliert haben.

So musste Benito immer und immer wieder hören, dass er doch zur FCA-Familie gehöre, also «einer von uns» sei. Diesmal will Benito hart bleiben, für einmal nicht mit dem Herzen oder dem Bauch, sondern einzig und allein mit dem Verstand entscheiden. Und der Verstand sagt ihm, dass er bezüglich Salär keine Kompromisse eingehen darf.