Herr Nause, am Montag kommt die Tour de France nach Bern. Macht Ihnen das nach der Amokfahrt von Nizza Angst?

Reto Nause: Angst habe ich nicht. Die Anspannung ist aber grösser, als das unter völlig normalen Vorzeichen der Fall gewesen wäre.

Gehen Sie nochmals über die Bücher, was die Sicherheit betrifft?

Wir gehen in Sachen Sicherheit permanent über die Bücher. Über die Kantonspolizei stehen wir in ständigem Austausch mit den zuständigen Bundesbehörden, welche die Situation analysieren. Im Moment verfügen wir über keine konkreten Gefahren-Hinweise. Ändert sich dies bis zum Montag nicht grundlegend, wird das Programm der Tour de France wie geplant durchgeführt. Das hat uns auch die Rennleitung so kommuniziert. Dasselbe ist mit den Feierlichkeiten zum 1. August der Fall. Was wir uns jedoch überlegen: Ob und in welcher Form wir in Bern ein Zeichen des Mitgefühls mit den Menschen in Frankreich setzen wollen, wird zurzeit abgeklärt. Auf der Homepage der Stadt Bern drücken wir bereits unsere Solidarität mit Nizza aus.

Die Tour de France ist ein globales Mega-Ereignis. Gilt – spätestens nach Nizza – höchste Sicherheitsstufe?

Die Sicherheitseinschätzung hat sich nicht grundsätzlich verändert seit dem Tag, als bekannt wurde, dass die Tour nach Bern kommt. Schon vor einem halben Jahr wussten wir, dass die Tour ein Mega-Ereignis ist mit weltweiter Medienpräsenz. Die Sicherheitsaspekte standen von Beginn an sehr weit oben.

Wie viele Polizisten stehen im Einsatz?

Da es im Kanton Bern keine Stadtpolizeien mehr gibt, ist die Kantonspolizei für die Einsatzplanung verantwortlich. Detaillierte Angaben zur Grösse und Art des Dispositivs werden nicht gemacht.

Auch die französische Garde républicaine ist präsent. Sie macht mit 35 Polizisten auf Motorrädern den Verkehrsdienst. Dürfen Sie Leute festnehmen?

Nein. Sie regeln den Verkehr innerhalb des Trosses. Sie haben keinerlei polizeihoheitlichen Aufgaben und Kompetenzen.

Tragen sie Waffen?

Es ist nicht an mir, Angaben zu deren Ausrüstung zu machen.

Auch die französische Antiterroreinheit GIGN ist im Einsatz. Sie hält sich offenbar im grenznahen Gebiet auf. Kommt sie im Ernstfall zum Einsatz?

Im Falle eines Attentats ist die Kantonspolizei Bern im Lead. Sie nimmt sofort Rücksprache mit den Bundesbehörden und mobilisiert die nötigen Kräfte.

Die Sicherheitslage in Bern ist generell nicht einfach. Wegen der Ereignisse um die Reithalle. Verkompliziert das die Situation?

Wir haben Kenntnis von Aufrufen linksautonomer Kreise der Reithalle zu Protestaktionen gegen die Tour de France. Ich hoffe aber, dass derartige Aktionen im Sinne des Mitgefühls mit den Opfern von Nizza unterbleiben.

Störaktionen wären für Sie nach Nizza schwer verständlich?

Das wäre pietätslos.

Bleibt die Reithalle während der Tour de France geschlossen?

Das müssen Sie die Reithalle-Betreiber fragen. Wir wissen nur, was Sie auch wissen. Die Reithalle-Betreiber nahmen keine Rücksprache mit der Stadt Bern.

Die Vorfälle mit sexuellen Übergriffen sind aber happig.

Das ist es tatsächlich. Ich hoffe, dass es den Betroffenen, wie etwa der Frau vom letzten Wochenende bald besser geht und der Täter gefasst wird. Die Situation im Umfeld der Reithalle ist seit längerer Zeit nicht gut. Das sagte ich schon im Vorfeld der Diskussionen um den Leistungsvertrag. Und sogar die Betreiber der Reitschule selbst zeigten sich vergangenen März in den Medien besorgt über die Sicherheit ihrer Besucher und die Entwicklungen in ihrer unmittelbaren Umgebung, auf dem Vorplatz und der Schützenmatte.

Sie sind nicht unglücklich, wenn die Reithalle während der Tour de France geschlossen bleibt?

Ich habe die Schliessung bisher nicht kommentiert, sondern einfach zur Kenntnis genommen. Bei dieser Haltung möchte ich bleiben.

Bern freute sich sehr auf die Tour de France. Was erhoffen Sie sich nach Nizza?

Ein Stück «Normalität». Grosse Events gehören zu Bern. Ich erhoffe mir, dass die Tour de France mit wunderschönen Bildern der Altstadtkulisse friktionslos über die Bühne geht.