FC Aarau
Bengondo, der tragische «Held»

In einer weitgehend zerfahrenen und emotionslosen Begegnung trotzt der FC Aarau den Grasshoppers ein 1:1 ab. Im Kampf um Platz vier behält GC die klare Pole-Position. Die Geschichte des Abends schrieb Patrick Bengondo.

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Felix Bingesser, Adrian Hunziker

Afrikaner sind emotionale Zeitgenossen. Man schrieb die 66. Minute im Zürcher Letzigrund, Aarau-Stürmer Patrick Bengondo nahm einen Ball «mit der Brust an», wie er hinterher betonte. Schiedsrichter und Namensvetter Patrick Graf sah ein Handspiel und zeigte Bengondo die gelbe Karte. Der Bestrafte fiel schon fast flehend auf die Knie, um diese für ihn himmelschreiende Ungerechtigkeit vielleicht rückgängig zu machen. Doch das Schicksal hatte noch eine Steigerung für ihn bereit. Denn ihm, der allein auf weiter Flur im Angriffszentrum rackerte, gelang nach 75 Minuten auf Flanke von Paulo Menezes per wuchtigem Kopfball der 1:1-Ausgleich, nachdem David Callà die Gastgeber bereits nach 27 Minuten in Führung gebracht hatte.

Es war eine Erlösung für Bengondo und Lohn für eine engagierte Leistung. Er jubelte, er zog sich kurz das Trikot über den Kopf und fiel danach erneut auf die Knie. Denn Schiedsrichter Graf musste den umstrittenen Direktiven der fussballerischen Gesetzeshüter folgend die gelb-rote Karte zücken. «Emotionen gehören doch zum Fussball. Ich kann das nicht verstehen. Ich habe instinktiv gejubelt und nicht gewusst, dass man das Trikot nicht einmal über das Gesicht ziehen darf», schüttelte Bengondo den Kopf. Zeigte sich aber lernfähig: «Von jetzt an ziehe ich mein Trikot nicht einmal mehr aus der Hose.»

Auf weitere Tore von Bengondo wird Aarau angewiesen sein, will man im Kampf um Platz vier weiter ein Wort mitreden. Denn mit diesem 1:1 hat GC den Fünf-Punkte-Vorsprung auf Aarau gewahrt. «War das eine Runde für GC, Herr Latour?» «Für GC und für Aarau. Denn Bellinzona hat verloren. Aber Aarau wird uns weiter im Nacken sitzen.» Zumal die Aarauer mit den Heimspielen gegen YB und Vaduz und dem Auswärtsspiel bei Xamax gewiss das «leichtere» Restprogramm haben als GC, das in Luzern antreten muss, danach aber noch gegen die Titelaspiranten Basel und FCZ zu spielen hat.

So oder anders: Steigern müssen sich im Vergleich zum gestrigen zähen Auftritt beide. Abgesehen von den beiden Toren und einem fulminanten Lattenschuss von Dos Santos (84.) wurde den spärlich aufmarschierten Zuschauern fussballerische Magerkost geboten. «Uns hat der Rhythmus gefehlt, nach dem Exploit gegen den FC Basel war es nicht einfach, die Spannung hoch zu halten», analysierte Aarau-Trainer Ryszard Komornicki. Er machte seiner Mannschaft aber doch ein Kompliment, «weil wir über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner waren. Und weil es schwierig war, nochmals alle Kräfte zu mobilisieren.»

Auch GC-Trainer Hanspeter Latour fand viele Ansatzpunkte zur Kritik. «Wir waren nie zwingend», so Latour, der erneut auf ein halbes Dutzend Stammspieler verzichten musste. «Was dieser Punkt wert ist, werden wir Ende Saison sehen.» Diese Fussballweisheit des «Bergdoktors» beschloss einen Abend, an dem einzig Patrick Bengondo eine Geschichte schrieb.

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