Thomas Lipinski, Gelsenkirchen

Der rasende Holländer Arjen Robben genoss nach seinem Traumtor die Huldigungen noch in vollen Zügen, da ging das überlange Pokalduell zwischen Schalke 04 und Bayern München noch einmal in die Verlängerung. Der holprige Rasen in der Schalker Arena sei «Mittel zum Zweck, um die spielerischen Defizite auszugleichen», warf Bayern-Präsident Uli Hoeness nach dem hart umkämpften 1:0 (0:0) nach Verlängerung im Cup-Halbfinal Schalke-Trainer Felix Magath vor.

Der starke Mann der Königsblauen, der neben Coach, Manager und Vorstandsmitglied plötzlich auch noch Greenkeeper sein sollte, konterte süffisant: «Es gibt Unterschiede in der Liga, was das Finanzielle angeht. Das hat nicht nur Einfluss auf die Mannschaft, sondern auch auf die Spielfläche.» Hoeness rief angesichts der miserablen Qualität des Grüns, das auch Bundestrainer Joachim Löw kritisiert hatte («Bälle verspringen, Bälle holpern»), sogar die Deutsche Fussball Liga (DFL) und den Deutschen Fussball-Bund (DFB) zu Hilfe: «Die müssen entscheiden, wie man verfährt.»

Schafe auf dem Rasen der Arena

DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus kündigte auch prompt an, mit den Schalkern über den «Rasen, der diesen Namen ja kaum verdient», zu reden und mahnte angemessene Wettbewerbsbedingungen an. Magath verwies auf den «harten Winter», in dem die Spielfläche wegen des Dauerfrostes meist in der Arena und nicht – wie sonst üblich – draussen lag. Kapitän Heiko Westermann reagierte mit Humor auf den Hoeness-Vorwurf: «Vielleicht haben wir ja ein paar Schafe draufgeschickt, damit sie da ein bisschen rumwühlen.» Während Hoeness und auch Bastian Schweinsteiger («extrem schwierig») über den schlechten Rasen lamentierten, bewies Matchwinner Robben, dass der Untergrund für Glanzleistungen nicht hinderlich war.

Bei seinem Hochgeschwindigkeitssolo über das halbe Feld, bei dem er nacheinander drei Schalker ausspielte und dann den starken Torwart Manuel Neuer überwand (112.), liess er sich auch von Unebenheiten nicht aufhalten. «Ich habe noch einmal alle Kraft zusammengenommen», sagte der Niederländer, der im 26. Pflichtspiel sein 14. Saisontor erzielte, «vielleicht habe ich in der Verlängerung mein zweites Leben gefunden».

Für seinen Geniestreich erntete Robben, der das Tor seiner Frau Bernadien und dem neun Tage zuvor geborenen Töchterchen Lynn widmete, überschwängliches Lob von allen Seiten. «Er hatte zu diesem Zeitpunkt schon viele Dribblings gemacht, und dann entscheidet er so das Spiel», sagte sein Trainer Louis van Gaal: «Das war super.» Auch Magath sprach von einem «Weltklassetor». Seine erste Reise nach Berlin, wo der Rekordcupsieger in seinem 17. Final am 15. Mai auf Cup-Verteidiger Werder Bremen trifft, erfüllte Robben zwar mit Vorfreude. «Ich habe schon viel von der Atmosphäre dort gehört», sagte der Aussenstürmer und erinnerte sich an ein ähnliches Erlebnis 2007: «Ich habe mit Chelsea in Wembley den FA-Cup-Final gewonnen.»