Als einzige Frau hatte es Diniz vor lediglich 4500 Zuschauern in der St. Jakobshalle, 1400 weniger als vor einem Jahr, ohne Fehler in den zweiten Umlauf geschafft. Auch dort blieb sie fehlerfrei und kämpfte somit gegen vier Männer im Stechen um die Siegprämie von 100 000 Franken. Der Brite Scott Brash legte mit einem weiteren Nuller vor. Piergiorgio Bucci, der Freund von Janika Sprunger, räumte dagegen ab. Mit 12 Fehlerpunkten beendete der Italiener das Stechen als Letzter.

Schneller als Brash war der Brasilianer Marlon Modolo Zanotelli. Doch Diniz unterbot dessen Zeit und zitterte. Der Belgier Gregory Wathelet jagte seinen Hengst Conrad de Hus wie der Teufel durch den Parcours. Knapp eine Sekunde schneller war er als Diniz, doch am letzten Hindernis ging der Husarenritt nicht mehr auf. Eine Stange fiel, Wathelet hatte ein wenig zu viel riskiert.

Und so jubelte die in São Paulo geborene Brasilianerin zum zweiten Mal in der St. Jakobshalle. Vor zwei Jahren hatte sie auf Lennox gewonnen, dieses Mal triumphierte sie auf der elfjährigen Stute Fit For Fun. «Das ist wie ein Traum», sagte sie strahlend und nahm auch noch eine Uhr des Hauptsponsors als Siegespreis entgegen.

Diniz ist eine Weltreisende in Sachen Reitsport. Sie kam nach Europa, um in Belgien bei ihrem berühmten Landsmann Nelson Pessoa zu trainieren. Schon ein Jahr später tauchte sie in Deutschland auf, bei Alwin Schockemöhle. Dann lebte sie einige Zeit in den USA, bevor sie sich in Deutschland selbstständig machte. Sie heiratete den deutschen Springreiter Andreas Knippling. Vom Vater ihrer Zwillinge Pedro und Paulo ist sie inzwischen geschieden, und seit 2006 startet sie für Portugal.

«Meine Kinder machen mir immer Mut und unterstützen mich», sagte die Nummer 34 der Welt. Sie lebt in Deutschland in Bonn, trainiert alleine. «Ich mache alles mit meinem Team und mit viel Liebe», erklärte sie. Zum Team gehörten unter anderem ihre 13-jährigen Kinder, Pferdepfleger, Besitzer, Tierarzt und ihr Osteopath. «Wenn man etwas mit Liebe macht, stellt sich oft der Erfolg ein», sagte Diniz, die sich in Basel auch immer wieder durch Besuche in Museen inspirieren lässt. «Das ist für mich wichtig, dass ich neben dem Reiten auch immer wieder etwas Neues erlebe», erklärte sie.

Enttäuschende Schweizer

Als beste Schweizerin landete Claudia Gisler ohne Springfehler auf dem achten Platz. Sie erreichte den zweiten Umlauf mit einem Zeitfehler und war deshalb chancenlos im Kampf um die Teilnahme am Stechen. Steve Guerdat und Werner Muff leisteten sich im zweiten Umlauf zu ihrem Zeitfehler je noch einen Abwurf. Und Martin Fuchs verspielte seine Chancen schon am ersten Sprung. Als Einziger riss er dort, damit war sein Traum bereits zu Ende.

Zufrieden zeigte sich CSI-Präsident Willy Bürgin: «Ich bin sehr glücklich mit dem CSI, wir hatten keinen Unfall, das ist das Wichtigste. Er freue sich, dass die Gesamtzuschauerzahl erneut gestiegen sei, und versprach: «Ich garantiere, dass wir im nächsten Jahr das Niveau halten.»