Marcel Suter

Die Bezirksschule Zelgli in Aarau war für die Sportvereine schon immer eine gute Quelle. In den Sechziger- und Siebzigerjahren hatten die Handballer der Bezirksschule schweizweit an den Kadettenwettkämpfen kaum Gegner und der BTV Aarau schöpfte mit Namen wie Müller, Ott, Näf, Brüderlin, Krüttli oder Zubler jene Kräfte aus der Zelgli-Talentschmiede, die schliesslich mit dem Stadtverein in der höchsten Liga des Hallenhandballs Erfolge feierten.

Ein anderes Beispiel in der Volleyball-Hochburg Schönenwerd zeigt dasselbe Bild. Im Schulsport wurde Volleyball gespielt und die Sportart von der Lehrerschaft gezielt gefördert. Die Niederämter waren über Jahre sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern in der höchsten Volleyball-Spielklasse vertreten. Dass diese Fäden bis heute nicht rissen, beweist der vor zwei Wochen erreichte Aufstieg des Schönenwerder Männerteams in die Nationalliga A.

Die Lehrer für Bewegung und Sport an der Bezirksschule Aarau fanden, dass ihre Arbeit im Sport über die Schulzeit hinaus erhalten werden sollte. «Oft ist nach dem Schulaustritt mit dem regelmässig betriebenen Sport Schluss», stellt Lehrer Martin Ernst fest.

«Der Übertritt in die Vereine findet meistens aus verschiedenen Gründen nicht statt.» Deshalb wurde 2005 der BSC Zelgli Aarau gegründet und Volleyball sowie Fussball für Frauen angeboten. Und dies erfolgreich: In der Saison 2007/08 wurden die Zelgli-Kickerinnen bei den Juniorinnen Aargauer Herbst- und Sommermeister. Im Cupwettbewerb holten die Aarauer Girls sogar den kantonalen und den nationalen Titel.

Gleich im Startjahr wurde eine Abteilung Volleyball mit einem Damen- und einem Herrenteam in der 5. Liga und einer Juniorinnenmannschaft in der Kategorie A3 gegründet. Alle Equipen schafften gleich in der ersten Saison den Aufstieg in die nächsthöhere Liga. Heute, im fünften Jahr, ist der BSC Zelgli Aarau bei den Frauen und Männern in der 3. Liga vertreten und die Juniorinnen spielen in der höchsten Kategorie A1.

Nicht genug. Die leidenschaftlich am Projekt arbeitenden Lehrer für Bewegung und Sport wissen, dass Erfolg das beste Rezept für begeisterte junge Sportlerinnen und Sportler ist. Zusammen mit der Volleyball-Abteilung des BTV Aarau sollte ein Förderprogramm «Volleyemotion» für Talente, vorerst für Spielerinnen, aus der Grossregion Aarau aufgegleist werden.

Der BTV-Vorstand zog es allerdings vor, eine Zusammenarbeit mit den Volleyballerinnen von Kölliken-Safenwil einzugehen. «Weil ich alleine den Trainingsbetrieb für mehrere Teams nicht mehr aufrechterhalten konnte, musste eine Zusammenarbeit mit einem Verein gefunden werden», führt Ernst aus. Mit dem TV Schönenwerd wurde dieser Partner und mit Daniel Lauber und Petra Kupferschmid die Trainer-Unterstützung gefunden.

Seit nunmehr einem halben Jahr läuft das spezielle Volleyball-Training, mit welchem Talente kontinuierlich in den nationalen Leistungsbereich geführt werden sollen. Die Projekt-Struktur soll grundsätzlich vereinsungebunden bleiben und den Talenten, die zum Beispiel aus der Schule kommen, auch ohne Vereinsverpflichtung offen stehen.

«Die Spielerinnen werden niveaugerecht in ihren technischen und individual-taktischen Skills gefördert und gefordert», erklärt Martin Ernst. Sie sollen, ihren Fähigkeiten entsprechend, die Gelegenheit bekommen, in Trainingsgruppen höheren Niveaus mittrainieren zu können. «Zudem werden die Volleyballerinnen gezielt und altersgerecht präventiv in der Grundkräftigung der Muskulatur und in den koordinativen Fähigkeiten ausgebildet und zur Verletzungsprävention muskulär aufgebaut», präzisiert Ernst.

Heute gehören gegen 20 Spielerinnen zur Fördergruppe und bereits wird in zwei Gruppen verschiedener Stärkeklassen trainiert. Über 20 Interessentinnen haben sich bereits für das nächste Probetraining am 29. März, 20 Uhr in der Schanzmättelihalle der Bezirksschule Aarau angemeldet (Infos dazu unter www.bsczelgli.ch).

Kein Zufall ist, dass es im August in Aarau eine Talentschule Volleyball geben wird. Diese bietet den Volleyballerinnen und Volleyballern in diversen Sportklassen die Möglichkeit an, unter professioneller Leitung wöchentlich 15 bis 20 Stunden zu trainieren.

Die Talent School wird an der Alten Kantonsschule Aarau geführt und von der Abteilung Sport des Departementes Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau unterstützt. Leiter der Talent School Aarau wird der Schweizer Spitzen-Beach-Volleyballer Markus Egger. «Damit ist die Fortsetzung des Weges für talentierte Volleyballerinnen und Volleyballer in der Grossregion Aarau gesichert», freut sich Martin Ernst. Ein neuer Sportstern könnte bald über der Kantonshauptstadt leuchten.