Marco Steller

Aus dem Jungspund ist ein Star geworden

Ein Phänomen: FCB-Stürmer Marco Streller.

Marco Streller

Ein Phänomen: FCB-Stürmer Marco Streller.

Vor zehn Jahren machte FCB-Goalgetter Marco Streller erstmals öffentlich auf sich aufmerksam: durch ein Porträt in der «Basellandschaftlichen Zeitung». Tore am Fliessband schoss er schon damals – allerdings nur in der 2. Liga beim FC Arlesheim.

Von Bojan Stula

Dieser Mann ist ein Phänomen. Nachwehen wegen seines schweren Schien- und Wadenbeinbruchs von 2004? Keine. Nachwirkungen wegen der grösstenteils verpassten Euro08? Fehlanzeige. Nebenwirkungen wegen des Ärgers über die Pfiffe aus des Gegners Fanblock? Im Gegenteil.

Marco Streller ist so gut wie nie zuvor. Und der FCB-Stürmer schiesst Tore wie nie zuvor. 19 sind es nach drei Vierteln der Super-League-Saison 2009/2010; seine bisherigen Bestmarken standen bei 13 Treffern in der FCB-Meistersaison 2003/2004, 16 Toren beim B-Ligisten FC Concordia 2001/2002 und 13 Treffern in seiner letzten Spielzeit als Amateurfussballer, im Jahr 2000 beim FC Arlesheim. Damals erschien auch der erste grössere Zeitungsbericht über den hoffnungsvollen Jungspund: ein Porträt in der Basellandschaftlichen Zeitung unter dem Titel «Auf den Spuren von Benjamin Huggel.» Zu diesem Zeitpunkt absolvierte der Banklehrling bereits drei wöchentliche Zusatztrainings im Nachwuchs des FC Basel.

Der heutige Chefscout Ruedi Zbinden überwachte als damaliger FCB-Nachwuchstrainer Strellers erste Gehversuche im Profimetier. «Ja, Ruedi Zbinden ist einer meiner grossen Förderer und Mentoren. Er hat stets an mich geglaubt und sich bei Christian Gross für mich eingesetzt», sagt Streller noch heute voller Dankbarkeit. An seinen ersten Einsatz im rotblauen Trikot vermag er sich hingegen nicht mehr so recht zu erinnern. «Ich glaube, es war irgendein Testspiel auf dem Rankhof.» Richtig: Am 2.Mai 2000 war es, als Streller beim 2:0-Testspielerfolg über den damaligen Erstligisten FC Concordia eine halbe Stunde lang mittun durfte. Gegen jenen Klub also, bei dem er sich ein Jahr später als Leihspieler seine Nationalliga-Reife holen sollte. Der damalige «BaZ»-Berichterstatter und heutige FCB-Vereinsberater Georg Heitz attestierte dem 18-Jährigen an der «Seite von Kickern wie Oliver Kreuzer oder Agent Sawu» eine «ordentliche» Leistung. Die «bz» hielt sein «Kopfballspiel für verbesserungsfähig».

In den Fokus spielte sich aber gegen die «Congeli» ein anderer: der damals 20-jährige togolesische Testspieler Yao Aziawonou, der auch gleich das 2:0 schoss. Aziawonou sollte in den folgenden beiden Jahren durch Trainer Christian Gross eine besondere Förderung erfahren. Viel genutzt hat es nicht. Heute spielt Yao beim FC Grenchen in der 1.Liga, während der 32-fache Nationalspieler Marco Streller der zweitbeste Torschütze der Super League ist.

Wie schnell alles gehen kann,hat Marco Streller am eigenen Leib erfahren. Den Abschluss seiner Lehrzeit bei der Bank Sarasin, die im Frühjahr 2000 «eh absolute Priorität» vor allen sportlichen Ambitionen hatte, schaffte er mit der Durchschnittsnote von 4,5. «So schlecht war das nicht, denn ich hatte damals im Prüfungsjahr viele andere Dinge im Kopf», urteilt der heutige Familienvater rückblickend über den 18-jährigen Streller. Und logisch: «Fussballprofi zu werden war während der ganzen Jugendzeit mein grosser Traum.» Zu diesem Zeitpunkt glaubte er allerdings schon nicht mehr so recht daran, dass es mit der ganz grossen Karriere beim FCB noch etwas werden könnte. Als er dennoch beim FCB seinen ersten Profivertrag erhielt, kam der Stein ins Rollen. Innerhalb der nächsten drei Jahre, und Abstechern als Leihspieler zu «Congeli» und dem FC Thun, spielte sich Streller in die FCB-Stammelf und ins Nationalteam.

Nach Benjamin Huggel ist Marco Streller bis heute der letzte FCB-Spieler geblieben, dem ein solcher Sprung aus einer Amateurliga in den Profibereich in derart «fortgeschrittenem Alter» geglückt ist. Zwar stiess der heutige Leverkusen-Profi Eren Derdiyok 2006 ebenfalls aus der 2.Liga zum FCB, doch war er bereits davor im FCB-Nachwuchs professionell betreut worden. Streller hingegen war lupenreiner Amateur, als er sich erstmals das rotblaue Dress überstreifen durfte. Dass sich in absehbarer Zeit wieder einmal bei einem 18-jährigen Amateurfussballer ein solcher Karrieresprung ergeben könnte, hält der frühere FCB-Ausbildungschef Peter Knäbel für unwahrscheinlich, wenn nicht sogar für unmöglich. Zu stark hat sich die Nachwuchsausbildung in den letzten zehn Jahren in der Schweiz, und speziell beim FCB, professionalisiert. Marco Streller bleibt also ein Phänomen. In jeder Hinsicht.

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