Carmen Küng
Auf der Zielgeraden

Carmen Küng aus Feldbrunnen spielt leidenschaftlich gern und erfolgreich Curling. Von den Europameisterschaften in Schottland brachte sie dieses Jahr mit dem Team «Davos» eine Silbermedaille nach Hause. Nun bereitet sie sich für die Olympischen Spiele in Vancouver vor.

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Carmen Küng

Carmen Küng

Solothurner Zeitung

Ursula Grütter

Sie kommt aus Feldbrunnen und ihr Name ist in Sportkreisen bekannt: Carmen Küng erkämpfte sich im Curlingteam «Davos» bereits sechs internationale Medaillen. Die vier Frauen unter der Leitung von Skip Mirjam Ott mischen regelmässig ganz vorne mit und holen sich für die Schweiz jeweils die begehrten Wintersport-Medaillen. «Mit der Zeit hat ein gewisser Gewöhnungseffekt stattgefunden», sagt die 31-Jährige und lacht. Es sei einfach so, dass jede Medaille kurz einen grossen Applaus und viel Aufmerksamkeit mit sich bringe, dann verschwinde der Curlingsport aber rasch wieder im kollektiven Gedächtnis der Nation.

Wie Schach auf dem Eis

Küng kann damit leben. Für sie ist Curlingspielen eine Leidenschaft. Keine Mühe hat sie auch damit, dass jeweils Skip Mirjam Ott im Mittelpunkt des Interesses steht. «Ich bin eine Teamplayerin», sagt Küng von sich. Ohne das gehe es im Curling nicht. Doch was zeichnet die lebhafte Frau sonst noch aus? «Der Sport ist schon der zentrale Teil meines Lebens», antwortet Küng. Sie sprintet regelmässig durch die Wälder rund um Solothurn, trainiert im Fitnesszentrum und ist im Winter täglich in Bern auf dem Eis anzutreffen. Zumindest, wenn sie nicht gerade an einem Wettkampf im Ausland oder beim Training in Kanada teilnimmt.

In ihrer Familie sei Sport immer wichtig gewesen, sagt Küng. Ihr Vater war Radrennfahrer. Heute begleitet er sie regelmässig an die Wettkämpfe. Ihre Schwester wiederum war die Wegbereiterin für die Karriere der damals 11-Jährigen. «Sie nahm mich zu einem Training mit in die Curlinghalle Nennigkofen», erinnert sich Küng. Sie habe sich beim Geräteturnen beide Bänder gerissen und Curling zu spielen, sei eine gute Alternative gewesen. «Ich musste mir damals allerdings viel anhören; vom Bettflaschenwerfen bis Altherrensport.»

Doch die Leidenschaft für das Curling ist bis heute geblieben. «Es ist ein Zusammenspiel von Gleichgewicht, Konzentration und Beweglichkeit», umschreibt die 31-Jährige das Spiel mit den Steinen. Irgendwie sei Curling wie Schach auf dem Eis. Noch etwas schätzt sie an dieser Sportart: «Die Sommerpausen kommen mir sehr gelegen. Sie schützen auch davor, dass dieser Sport zur Sucht wird.» Sie brauche diese Pausen, um dann wieder richtig Spass an der Wintersaison zu haben.

«Ich bin ein Familienmensch»

Dieses Jahr hat die gelernte Krankenschwester einen unbezahlten Urlaub genommen. Seit dem Oktober bereitet sie sich intensiv auf die Olympischen Spiele in Vancouver vor. «Dieser unbezahlte Urlaub war uns sehr wichtig», erklärt Küng. So könne das Team «Davos» sagen, dass sie wirklich alles getan hätten, um gut zu sein. Ein kanadischer Trainer wird die Frauen auf das grosse Ereignis vorbereiten und auch ein Sportpsychologe unterstützt sie.

Trotz der intensiven Trainingszeit mag Küng nicht auf gemütliche Stunden zusammen mit ihrer Familie verzichten: «Ich bin ein Familienmensch und mag es, alle um mich zu haben.» Dazu gehört für die Sportlerin auch das Zusammensein mit dem Patenkind.

Irgendwie bringt die energiegeladene Frau den Familienmenschen, die Krankenschwester und die Sportlerin immer unter einen Hut. Wenn sie nach Vancouver reist, kommen ihr Vater und der Lebenspartner mit. Auch der medizinische Notfallkoffer wird nicht fehlen. «Wenn sich jemand von uns verletzt, drückt die Krankenschwester in mir durch.»