Wer an der Abgeordneten-Versammlung des Eidgenössischen Schwingverbandes (ESV) vor fünf Jahren aufgestanden wäre und einen Beitritt zu Swiss Olympic gefordert hätte, wäre wohl «churz-lätz» in hohem Bogen platt vor der Tür gelandet. «Selbst letztes Jahr», ist Obmann Paul Vogel überzeugt, «wäre so ein Geschäft hoch verworfen worden.» Damals notabene unmittelbar nachdem Bruno Gisler am Eidgenössischen in Burgdorf des Dopings überführt worden war.

Vogel und seinen Kollegen vom Zentralvorstand gebührt darum der Oscar für die «Lobbyarbeit des Jahres». Von den 196 Stimmberechtigten sprachen sich an der Abgeordnetenversammlung in Basel deren 183 für einen Beitritt zu Swiss Olympic aus. Viele Workshops und Infoveranstaltungen habe man organisiert und rudelweise persönliche Gespräche mit Vertretern der Teilverbände geführt, sagt Vogel, um vor allem auch die Ehrenmitglieder, die im Schwingverband eine Grossmacht punkto Stimmvolk darstellen, ins Boot zu holen. Vogel freut sich, dass «es uns gelungen ist, fast allen die Angst vor dem Verlust von Selbstständigkeit zu nehmen.»

Grund zur Panik bestand freilich nie, denn Schwinger sind bauernschlauer als es viele, auf sämtlichen Info-Kanälen voll upgedatete Trendy-Typen glauben mögen. Ehe man es sich versieht, fühlt man sich als Sieger und merkt erst später, dass man mit abgesägten Hosen dasteht. Insofern darf man davon ausgehen, dass die Führung des ESV wie ein Schiesshund darauf aufpasst, nur so viel Selbstbestimmung abzugeben, wie verkraftbar ist. Dies, um dann bei genauerem Hinsehen festzustellen, dass man sogar mehr bekommen als gegeben hat.

Deutlich mehr Doping-Proben

Finanziell geht die Rechnung sowieso auf: Durch den Beitritt zu Swiss Olympic erhalten die Schwinger wie alle Mitgliedverbände fortan jährliche Fördergelder. Spitzenschwinger ihrerseits dürfen wie EM- und WM-Finalisten aus anderen Sportarten mit Athletensupport rechnen. Selbst beim Thema Doping passt es buchhalterisch. Bisher musste der ESV Antidoping Schweiz für die Durchführung von Proben bezahlen.

Im Gegenzug konnten die Hosenlupf-Päpste selbst bestimmen, wann und wo Proben stattfinden und welche Sanktionen gegen Sünder verhängt werden. «Wir hätten mit dieser Praxis gut weiterfahren können», sagt der ESV-Obmann. Aber: «Für Aussenstehende wurde diese Gepflogenheit immer schwieriger nachzuvollziehen, und wir kamen in Erklärungsnotstände.»

Darum gibt man nun Antidoping Schweiz mit dem Beitritt zu Swiss Olympic das Zepter gänzlich in die Hand. Die Zahl von rund 20 Proben pro Jahr dürfte damit drastisch steigen. Vogel: «Selbst wenn es so sein sollte, habe ich null Bedenken, dass die Zahl positiver Befunde steigt.» Schliesslich wollten alle sauberen Sport. In dem Sinne werde sich die bisherige ESV-Dopingkommission vermehrt mit Präventation befassen.

Ab 2017 tatsächlich Mitglied?

Die Saisons 2015 und 2016 werden noch nach den alten Doping-Regeln des ESV stattfinden. Dank der Zweidrittels-Mehrheit der Versammlung von Basel müssen nun nämlich vorerst die Statuen überarbeitet werden – das ist so vorgeschrieben. Insofern werden die Delegierten des ESV an der Abgeordnetenversammlung in einem Jahr in St. Gallen über eine Statutenrevision abstimmen, die im Wesentlichen den Beitritt zu Swiss Olympic; sprich all die damit verbundenen Rechte und Pflichten, regelt.

Bei einem Ja wäre man frühestens ab 2017 richtig und tatsächlich Mitglied von Swiss Olympic. Erst ab dann flössen die Fördergelder und erst ab dann könnte Antidoping Schweiz autonom wirken. Bei einem Nein indes wäre das Bekenntnis zum nationalen Dachverband wieder vom Tisch. Ein ziemlich bauernschlaues Ja also …