Rudern
Athleten stehen im Mittelpunkt: Kommentar zu den Uneinigkeiten zwischen Jeannine Gmelin und dem Verband

Jeannine Gmelins Trainer Robin Dowell wurde entlassen. Das sorgt für Zwist zwischen der Ruderin und dem Verband.

Rainer Sommerhalder
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Jeannine Gmelin.

Jeannine Gmelin.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Konflikte zwischen erfolgreichen Athleten und ihrem Verband wie jetzt bei Weltcupsiegerin Jeannine Gmelin und Swiss Rowing sind keine Seltenheit. Man erinnere sich nur an Lara Gut und Swiss Ski oder an Mujinga Kambundji und den Schweizer Staffeltrainer. Auch Ruder-Olympiasieger Xeno Müller war kein einfacher Zeitgenosse. Spitzensportler sind egoistisch, gradlinig und kompromisslos. Das gehört zur Erfolgs-DNA.

Im Fall von Jeannine Gmelin überrascht der Schweizerische Ruderverband, indem er sich den Gesetzen des Sports widersetzt. In der Regel steht der Athlet im alleinigen Mittelpunkt, wird das Umfeld ganz auf ihn ausgerichtet. Ein eigenes Team für Lara Gut, ein persönlicher Trainer für Simon Ammann. Auch Dario Cologna, Nino Schurter oder Fabian Cancellara feierten Erfolge, weil sie ihre Extrawürste vehement einforderten.

Jeannin Gmelin hingegen soll sich dem Umfeld anpassen. Seit Jahren ein Erfolgssystem zwar, aber vielleicht nicht bei jeder Gelegenheit für jeden Sportler. Der Ruderverband ist als Organisation sehr traditionell unterwegs. Er entscheidet letztlich, welcher Athlet im Wettkampf als Einzelner (Skiff) oder im Vierer an den Start geht. Selbst wer am Schluss allein im Boot unterwegs ist, wird als Mannschaftssportler betrachtet. Jeannine Gmelin sagt, dass sie dieses System stets akzeptiert habe.

Trotzdem ist es nun zu einem temporären Bruch mit ihrem Verband gekommen. Das Vertrauensverhältnis ist beschädigt, weil Gmelin nicht erlaubt wurde, eigenen Trainingsplänen zu folgen. Ein Athlet brauche Vertrauen, um sein Leistungsvermögen auszuschöpfen, sagt ein bekannter Schweizer Sportpsychologe. Die Beteiligten müssten sich zur Lösung des Konflikts fragen, wo und wie genau Vertrauen entstehe. Ein Patentrezept dazu existiere nicht, er hoffe aber auf eine Lösung, welche den Bedürfnissen der Athletin entspricht.

Jeder Tag, an dem der Zwist weiter gärt, hilft Gmelins Konkurrentinnen. Swiss Olympic investiert viel Energie und Geld, um nächstes Jahr in Tokio Erfolge zu feiern. Jeannine Gmelin ist eine Kandidatin für Olympia-Gold. Dessen sollte sich der Ruderverband bewusst sein.