«Armstrong wird es erwischen, da bin ich sicher»

Der ehemalige Tour-de-France-Sieger Greg LeMond belastet seinen Landsmann Lance Armstrong in einem Interview schwer. Kann Armstrong den Kopf überhaupt noch aus der Doping-Schlinge ziehen?

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«Armstrong wird es erwischen, da bin ich sicher»

«Armstrong wird es erwischen, da bin ich sicher»

Schwerwiegende Korruptions- und Bestechungsvorwürfe von Chefkritiker Greg LeMond bringen den siebenmaligen Toursieger zunehmend in die Bredouille – und mit ihm auch den Radsport-Weltverband (UCI).

«Es wird Zeit, dass er geht. Er und seine Leute waren meiner Meinung nach mit das Schlimmste, was dem Radsport passiert ist», beschreibt LeMond in der «Süddeutschen Zeitung» die Ära Armstrong und prophezeit dem Texaner die Enttarnung seiner dunklen Machenschaften vor Gericht: «Armstrong wird es erwischen, da bin ich mir sicher, er ist Geschichte.»

Bevor der Justiz-Marathon in den USA beginnt, erhob LeMond schwere Vorwürfe gegen seinen Landsmann. Der Kalifornier bezichtigt Armstrong der versuchten Bestechung. «Ich weiss, dass er jemanden bezahlen wollte. Ich kann nicht sagen, wer es ist, weil derjenige heute noch im Feld arbeitet. Aber er bekam letztes Jahr 300000 Dollar dafür geboten, um zu behaupten, dass ich Epo nahm. Er hat abgelehnt. Weil es nicht stimmt.»

Diese und weitere Anschuldigungen wird LeMond am 30. Juli konkretisieren. An diesem Tag ist der dreimalige Toursieger vor der Grand Jury in Los Angeles vorgeladen. Aber LeMond ist nicht der Einzige. Weitere Ex-Fahrer sollen unter Eid aussagen, ob es systematisches Doping im früheren US-Postal-Team – so wie es Floyd Landis in seinem Doping-Geständnis Mitte Mai behauptete – gegeben habe, und damit zur Klärung beitragen, ob der Tatbestand «Betrug und Verschwörung» zutrifft.

Für LeMond gibt es dafür keinen Zweifel. Der siebenmalige Toursieger sei 2001 in sein Leben gerast, nachdem er einen Kommentar über die Zusammenarbeit Armstrongs mit dem verurteilten Dopingarzt Michele Ferrari gemacht habe.

Armstrong habe sie alle in der Hand, die Veranstalter, die Organisation dahinter. «Es ist ja nicht nur seine Art, die kontrovers ist: Er hat positive Dopingproben abgeliefert wie 1999.» Doch der Radsport schweige. Insbesondere mit der UCI geht der Kalifornier hart ins Gericht.

«Ich weiss nicht, ob ich den Vergleich benutzen sollte, aber es erinnert mich schon an die katholische Kirche und ihre Missbrauchsopfer. Auch dort müsste die Spitze ersetzt werden, denn sie hatten Kenntnisse von alledem – und haben nichts unternommen. Das Gleiche ist im Radsport passiert: Jeder war Teil des dreckigen Spiels, und niemand sagt: ‹Lasst uns das Haus durchkehren!›», monierte LeMond.

Nach Informationen von LeMond habe Armstrong sogar 500000 Dollar an die UCI gezahlt. Zuletzt hatte Präsident Pat McQuaid zwei Spenden in Höhe von 125000 Dollar einräumen müssen. «Wenn das keine Korruption ist, was sonst? Schweigen, zahlen – es ist fast wie bei der Mafia», so LeMond weiter. Die UCI wollte zu den massiven Anschuldigungen keine Stellungnahme abgeben. Dafür hatte aber LeMond Einiges zu sagen. Er habe bereits drei Briefe von McQuaid mit Klage-Androhungen bekommen, weil er die UCI korrupt genannt habe.

LeMond verknüpft grosse Hoffnungen mit den Ermittlungen in den USA gegen Armstrong und weitere Mitglieder des früheren US-Postal-Teams im Zuge der Doping-Anschuldigungen von Floyd Landis. Und wenn es auch die UCI betreffe, werde es noch interessanter, so der Amerikaner. LeMond glaubt zu wissen, dass Landis durchaus Beweise für die Anschuldigungen gegen Armstrong habe.

Er habe ausserdem gehört, dass viele aussagen werden, «obwohl sie sicher Angst haben werden, dass er sie aus dem Geschäft drängt. Aber lügen ist jetzt nicht mehr möglich. Denn es ist die Bundespolizei», ergänzte LeMond, der Landis einen Rechtsbeistand besorgt habe. Das sei nötig, wenn man Lance Armstrong als Gegner habe. (sid)

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