„Tee to Green“, wie die Golfer sagen, war André Bosserts Spiel in den drei Runden auf dem Par-70-Kurs in Bad Ragaz hervorragend. Er traf mit seinen Abschlägen nahezu alle Fairways und am Wochenende mit den Annäherungsschlägen 31 von 36 Greens. Das wiederum bedeutete, dass er sich viele Möglichkeiten für Birdies eröffnete. Die Chancenauswertung jedoch missriet dem 50-Jährigen bei seinem ersten Start am traditionsreichen, mit 280‘000 Euro dotierten Bad Ragazer Turnier fast durchwegs.

„Es ist so ein tolles Turnier hier und der Platz ist in einem so hervorragenden Zustand. Ich kann nicht begreifen, wieso mein Putten so schlecht war“, sagte Bossert. Er kam denn auch nicht auf die Rundenergebnisse, die es ihm ermöglicht hätten, so gut abzuschneiden wie an seinen ersten beiden Turnieren auf der europäischen Profi-Tour der Senioren. Er war bei seinem ersten Start auf der Ü50-Tour in 13. in Taiwan geworden und erspielte sich vor kurzen im englischen Colchester den 10. Platz.

André Bossert hat nur ein paar Tage Zeit, um seine Arbeit auf der Greens markant zu verbessern, denn bereits ab übernächstem Donnerstag folgt für ihn der Höhepunkt der Saison, die erstmalige Teilnahme an der Senior Open Championship in Wales. Dieses British Open der Senioren ist eines der vier Major-Turniere und wird auch von allen Cracks der amerikanischen Senioren-Tour wie Fred Couples, Bernhard Langer oder Tom Watson besucht.

Rick Gibson, der 52-jährige Kanadier aus Calgary, war in Bad Ragaz eine Klasse für sich. Er sprach zwar nach jeder Runde davon, wie nervös er sei, dennoch baute er seinen Vorsprung mit seinem sehr ruhigen Spiel kontinuierlich aus. Zuletzt liess er den zweitplatzierten Iren Denis O’Sullivan um sechs Schläge hinter sich. Im Kampf um den Siegercheck über 42‘000 Euro konnte nie Spannung aufkommen. Mit seiner grandiosen Leistung verewigte sich Gibson in den Rekordlisten des Turniers. In den 18 Austragungen seit 1997 war es bislang nur dem dreifachen Sieger Carl Mason aus England gelungen, die Konkurrenz um sechs Schläge abzuhängen; das war 2007. Ebenfalls in jenem Jahr spielte Mason den heute noch gültigen Turnierrekord von 194 Schlägen. Diesen Wert (16 unter Par) verpasste Gibson nur um einen Schlag.

Am Ende des Turniers brach Rick Gibson in Tränen aus. Vor drei Monaten war seine Mutter gestorben. Ihr widmete er denn auch seinen ersten Sieg auf dem europäischen Senioren-Circuit. Eine lange Spanne seiner Karriere hatte er auf der Japan-Tour und auf der Asian-Tour verbracht. Dort glückten ihm insgesamt vier Turniersiege.

Der Waliser Ian Woosnam, als früherer US-Masters-Sieger und ehemaliger Weltranglisten-Erster der Stargast in Bad Ragaz, konnte sich nach zähem Start mit einer guten Schlussrunde von 66 Schlägen auf den 19. Platz verbessern.