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Amerikanisches Debakel am Beispiel Tiger Woods

Schöne Geste: Europas Ryder-Cup-Captain Thomas Björn schenkt dem schwer geschlagenen Tiger Woods Trost

Schöne Geste: Europas Ryder-Cup-Captain Thomas Björn schenkt dem schwer geschlagenen Tiger Woods Trost

Ein renommierter Golfjournalist fordert, dass die US-Superstars Tiger Woods und Phil Mickelson, zusammen 90 Jahre alt, nach dem Debakel in Paris nie mehr im Ryder Cup antreten sollen.

Europas Golfprofis, wie jedes Mal als Aussenseiter angetreten, fügten den übermächtig scheinenden Amerikanern eine weitere schmachvolle Niederlage zu. Woods und Mickelson holten für ihr Team, das 10,5:17,5 verlor, keinen einzigen Punkt.

1997, als Tiger Woods' unvergleichliche (Einzel-)Karriere richtig in Schwung kam, verloren die Amerikaner im Ryder Cup zum zweiten Mal in Folge. Woods unterlag im Einzel dem Lebemann Costantino Rocca. Hätte er den Aussenseiter aus Italien besiegt, hätten die Amerikaner gewonnen. Auch in allen folgenden Kontinentalwettkämpfen war Woods eher ein Mitläufer als die erhoffte Teamstütze. Bis heute haben sich in der Bilanz des Übergolfers 21 Niederlagen angesammelt. Nur 13 Partien konnte er - allein oder in den Doppeln - für sich entscheiden. Drei Matches gingen unentschieden aus. Woods' Anteil an Siegen beträgt 35 Prozent. Diese Unterbilanz steht im kompletten Widerspruch zu den zahlreichen und riesigen Erfolgen, die er über Jahrzehnte an den Einzelturnieren errang.

Woods hat den Zugang zum Ryder Cup, der - jeweils auch schon weit voraus - einen grösseren medialen Rummel bewirkt als jeder andere Golfanlass, bis heute nicht gefunden, obwohl er seine Einstellung dazu in 20 Jahren um 180 Grad geändert hat.

In seinen jungen Jahren machte Woods nie einen Hehl daraus, dass er den Ryder Cup lediglich als notwendiges Übel betrachtete. Im Ryder Cup konnte er persönlich nicht triumphieren, es gab nur das Zwölf-Mann-Team und den Captain. Nur das Einzel war eine messbare individuelle Leistung. In den Doppeln, ganz besonders im Foursome-Format, war er direkt von der Leistung seines jeweiligen Mitspielers abhängig.

Woods aber war immer der Golfer, der alles selber kontrollieren wollte. Er ging in jenen Jahren so weit, dass er für seinen Einsatz im Ryder Cup eine namhafte finanzielle Entschädigung verlangte. Er ignorierte, dass die Golfer in diesem Wettkampf - wie die Tennisprofis im Davis Cup - für ihr Land (USA) respektive für ihren Kontinent (Europa) Frondienst zu leisten haben. Während es für die meisten Golfer die höchste Ehre war, ins Team zu kommen, rümpfte Woods die Nase. Er sprach nie offen von einer Lustlosigkeit. Aber wenn ein Match gegen ihn lief, war sie ihm nicht selten anzumerken.

In späteren Jahren bedeutete der Ryder Cup dem Superstar immer mehr. Heute ist er für ihn das Höchste. 2016, als er wegen Verletzungen nicht mitspielen konnte, unternahm er alles, um wenigstens als einer der Vizecaptains, als Helfer von Captain Davis Love, in die Mannschaft zu kommen. Er hielt sich entgegen seinen früheren Gewohnheiten im Hintergrund und stellte sich in den Dienst der Spieler. Und das US-Team siegte ausnahmsweise.

Der geläuterte Woods ist jedoch kein erfolgreicher Woods, wie die Ergebnisse vom Golf National in Paris zeigen. Alle drei Doppel verloren, das Einzel verloren - für Woods ist es nicht die erste persönliche Schmach im Ryder Cup. Es ergeht ihm jetzt so wie vielen US-Golfern, die aufgrund ihrer Erfolge in den Einzelkonkurrenzen und aufgrund ihrer Stellung in der Weltrangliste die Europäer grundsätzlich dominieren müssten. Der Übereifer kann beim Favoriten zu einer Verkrampfung führen, die sich während den drei Wettkampftagen nicht löst. Woods kämpfte in Paris verbissen um jeden Lochgewinn, das war zu erkennen. Aber es reichte nicht gegen die Europäer, die vor jedem Match wissen, dass sie nicht viel zu verlieren haben und dass eine Niederlage als normal bezeichnet würde.

Woods' Darbietung in Paris war immerhin nicht ganz so schlecht wie jene von Phil Mickelson. Der berühmte Linkshänder spielte in seinem Foursome-Doppel vom Freitag derart miserabel, dass er von Captain Jim Furyk für die restlichen Doppel nicht mehr aufgeboten wurde.

Für Paul Newberry, angesehener Kolumnist der amerikanischen Nachrichtenagentur AP, ist der Fall klar: "Tiger Woods und Phil Mickelson können dem Golf noch viel geben. Aber für beide ist es Zeit, die Bühne des Ryder Cup zu verlassen."

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