Schwingen
Abderhalden weiss, was Gisler bei seiner Rückkehr ins Sägemehl erwartet

Bruno Gisler kehrt nach abgesessener Dopingsperre am Donnerstag im Rahmen des Baselstädtischen Schwingertags in den Sägemehlring zurück. Beat Abderhalden erinnert sich an seine Rückkehr, nachdem er gesperrt worden war.

Michael Schenk
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Beide wurden gesperrt: Beat Abderhalden und Bruno Gisler.

Beide wurden gesperrt: Beat Abderhalden und Bruno Gisler.

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«Keiner möchte sicher ihm tauschen», blickt der Ostschweizer Spitzenschwinger Andy Büsser auf das Comeback seines Freundes Bruno Gisler am Baselstädtischen. Ein halbes Jahr war der Solothurner nach dem positiven Dopingtest am Eidgenössischen 2013 in Burgdorf gesperrt.

Der temporäre Ausschluss war indes das geringste Übel. Der Imageschaden und die Ungewissheit, wie Publikum und Szene auf die Rückkehr reagieren, sind da wesentlich beklemmender. Er sei zuversichtlich, meint Gisler. Mal schauen, was da kommt.

Einer, der es weiss, erinnert sich: «Etwas mulmig» sei es ihm damals schon gewesen, gibt Beat Abderhalden (36) zu. Der Bruder des dreifachen Königs war 2001 als erster Spitzenschwinger im Netz der Dopingfahnder hängen geblieben.

Schwinger haben es besonders schwer

Aufgrund eines zu hohen Testosteronwerts wurde er 18 Monate gesperrt. 2003 gab er am Gonzenberg-Schwinget sein Comeback und gewann. Wenige Monate später indes beendete Abderhalden, erst 25-jährig, seine Karriere. Offizielle Begründung: Ein Kreuzbandriss, den er sich kurz zuvor zugezogen hatte. Auch der Berner und dreifache Eidgenosse Thomas Wittwer, der 2005 die Einnahme von Anabolika zugab, beendete seine Karriere kurz nach seinem eher erfolglosen Comeback.

Wäre Gisler ein Radprofi schlüge sein Dopingvergehen kaum Wellen, da weit verbreitet. Als Schwinger indes bleibt sein Fall bekannt, da eine Rarität. Trotzdem: «Negative Sprüche, Gesten oder abfällige Bemerkungen bekam ich bei meinem Comeback keine zu spüren», sagt Abderhalden. «Zumindest nicht vorne rum; wie es hinten rum aussah, kann ich nicht sagen.»

Sportlich lief es ihm auf jeden Fall gut. «Es ist vor allem ein Kopfsache», weiss Abderhalden. «Man darf nicht daran denken, was der oder die jetzt über einen denkt und wie ich mich jetzt verhalten darf oder nicht. Auch wenn das nicht immer einfach ist.» Wer nicht abschalten kann, «der sollte die Sportart wechseln».

Büsser glaubt an Gisler

Andy Büsser sagt, er traue es Bruno Gisler absolut zu, «dass er schnell wieder vorne mitmischt und sein Comeback gelingt.» Der 73-fache Kranzer aus Flawil hat mit Gisler die RS absolviert. «Er schwingt seit Jahren konstant stark. Das Eidgenössische in Burgdorf war eines seiner schlechtesten Feste der letzten Saison», so Büsser.

Insofern sei es doch eher zweifelhaft, dass das nachgewiesene Stimulans Nikethamid leistungsfördernd gewirkt habe.» Von denjenigen Schwingern, mit denen er bislang Kontakt gehabt habe, sagt Gisler, hätte er positive Rekationen erfahren.

Es bleibt einem erhalten

Grundsätzlich aber, weiss Beat Abderhalden, begleite einen so eine Doping-Geschichte als Schwinger schon hartnäckig. «Man wird immer wieder damit konfrontiert.» Schwinger vergessen nur ganz schwer - viele Stammfans können über Jahrzehnte zurück jeden Spitzengang an wichtigen Festen «en Detail» raportieren.

An der GV der Nordostschweizer Anfang dieses Jahres wurde Beat Abderhalden für den zurücktretenden Matthias Bleiker zum Technischen Leiter des NOS gewählt. Da hätte es schon Leute gegeben, so Abderhalden, «die nicht sehr toll reagiert haben».

Ganz nach dem Motto: «Nein, nicht der...» «Aber», meint der Toggenburger, «darüber muss man stehen. Schliesslich will ich nur das Beste für den Sport.» Und dazu gehöre es Werte zu erhalten, aber auch fortschrittlich zu handeln.

Insofern würde Beat Abderhalden einen Beitritt des ESV zu Swiss Olmypic begrüssen. Die Dopingkontrollen obliegten dann Antidoping Schweiz. «Dank den professionellen Strukturen von Swiss Olympic wüsste ich heute vielleicht, wie meine positive Probe zustande kam», sagt er.

Tja, auch Gisler ist sich diesbezüglich ja bis dato keiner Schuld bewusst.