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Aargauer Spitzenturner Lucas Fischer will trotz Epilepsie nicht aufgeben

Lucas Fischer erklärte unter Tränen seinen Verzicht auf die WM. Vor dreieinhalb Wochen erlitt er in seinem Zimmer in Magglingen einen epileptischen Anfall. Der EM-Silber-Gewinner will im nächsten Jahr wieder auf die Sportbühne zurückkehren.

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Lucas Fischer bei seiner Barren-Übung an der EM.

Lucas Fischer bei seiner Barren-Übung an der EM.

Keystone

Er lässt sich nicht unterkriegen und will wieder aufstehen: Der an Epilepsie erkrankte Aargauer Spitzensportler Lucas Fischer (23) tritt entgegen erster Vermutungen nicht vom Spitzensport zurück, wie er an einer am Freitagmorgen einberufenen Medienkonferenz in Aarau sagte.

Vor dreieinhalb Wochen passiert es: Lucas Fischer, der im April noch EM-Silber am Barren gewann, erleidet im Trainingszentrum in Magglingen einen epileptischen Anfall. Kollegen finden ihn in seinem Zimmer.

Epilepsie ist «psychisch belastend»

Es ist eine Krankheit, die der Spitzensportler bereits kennt: Es ist der siebte Anfall im Leben des Aargauer Sportlers. Im August 2010 kam die Krankheit beim Möriker auf. Den ersten Anfall erleidet er im Elternhaus. Seine Mutter findet ihn am Boden liegend.

«Der neuste epileptische Anfall hat mich mental und psychisch enorm aus der Bahn geworfen. Er kam völlig unerwartet, weil der letzte Anfall zwei Jahre zurückliegt», sagte Lucas Fischer am Freitagmorgen an der Pressekonferenz.

Lucas Fischer zeigt Emotionen an der Pressekonferenz

Lucas Fischer zeigt Emotionen an der Pressekonferenz

Keystone

Bereits auf die WM vor zwei Jahren musste Fischer verzichten. Auch damals erlitt er kurz vor den Titelkämpfen einen epileptischen Anfall. «Es ist eine sehr komplexe Krankheit. Natürlich frage ich mich: Wieso passiert es gerade jetzt – erneut vor der WM», sagt Fischer. Zweifel seien aufgekommen, «aber ich dachte nie: jetzt schmeiss ich den Bettel hin».

«Gesundheit wichtiger als Erfolg»

Seit dem epileptischen Anfall hat Lucas Fischer viele Gespräche mit der Familie, den Freunden, Trainingskollegen, Ärzten und Trainern geführt. Er habe sich aufgrund der vielen guten Gespräche entschieden, auf die Weltmeisterschaften zu verzichten, die am 30. September in Antwerpen beginnen. Besonders bitter: Fischer hätte im Barrenturnen einen Finalplatz quasi auf sicher gehabt.

Seit der EM in Moskau hat er neue Elemente eingebaut und den Schwierigkeitsgrad der Übung weiter erhöht. «Wir verlieren unser Zugpferd», bedauert Felix Stingelin, der Chef Spitzensport, «Lucas Fischers Name wurde in der internationalen Szene hoch gehandelt.» Stingelin sagt aber auch: «Die Gesundheit ist höher zu gewichten als der sportliche Erfolg.»

Knieoperation vorziehen

Fischer, der 2011 zum Aargauer Sportler des Jahres gekürt wurde, wird nun die Pause nutzen und eine Knieoperation vorziehen, die ohnehin seit längerer Zeit ansteht. Je nach Regeneration will Fischer 2014 wieder in den Turnsport eingreifen. Sein grosses Ziel sind die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Lucas Fischer am Flughafen Kloten
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Goldmedaillengewinnerin Giulia Steingruber und Silbergewinner Lucas Fischer strahlen am Flughafen Kloten in die Kameras der Journalisten
Das Publikum feiert ihre beiden Kunstturn-Talente frenetisch, als sie am Flughafen eintreffen
Am Montag sind die beiden Medaillengewinner aus Moskau zurückgekehrt

Lucas Fischer am Flughafen Kloten

Keystone

Auch für Cheftrainer Beni Fluck ist der Ausfall Fischers «ein extrem grosser Verlust». «Aber so schnell geben wir ihn nicht auf. Dazu steckt zu viel Arbeit dahinter.» Das Jahrhunderttalent sei nicht ersetzbar. «Ich freue mich auf neue, grosse Taten von Lucas, sobald sein Körper, sein Geist und seine Seele wieder in Einklang sind», sagt Fluck. (afr/sha)

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