Es ist wieder so weit: Mit dem «Concours de Saut International», kurz CSI, finden in Zürich und Basel die zwei höchstdotierten Hallenspringturniere der Welt statt. Rund 35 000 Zuschauer werden allein am CSI Zürich erwartet.

Die Begeisterung für den Springsport steckt aber bei weitem nicht alle an. Die Tierschutzorganisation Peta kritisiert auf ihrer Website: Regelmässig würden die Pferde zusammenbrechen oder in die Hindernisse hineinstürzen, denn sie würden bei diesem Sport «gegen ihren Willen gezwungen, über riesige Hindernisse zu springen».

Ist Springreiten Tierquälerei? Hansjakob Leuenberger, Tierarzt und Präsident der Pferdezuchtgenossenschaft Aargau, hält dagegen: «Gegenseitiges Vertrauen ist unablässig im Spitzensport und deshalb kann es nicht auf Tierquälerei beruhen.» Ein Turnierpferd wiegt rund 600 Kilogramm. Rebelliert ein Tier dieser Masse und Kraft gegen den Reiter, ist es der Mensch, der das Nachsehen hat.

Doch gibt es im Springen wie bei jedem Sport Auswüchse. Bei der Trainingsmethode Barren zum Beispiel wird dem Pferd während des Springens die Stange an die Beine geschlagen, damit es Schmerzen empfindet und die Hufe beim nächsten Sprung besser anzieht. In der Schweiz sind solche Methoden verboten.

Ein Pferd, das am CSI teilnimmt, muss positive Erfahrungen mit dem Springen verbinden. «Sonst hätte es Hindernisse beim Training andauernd verweigert, die langjährige Ausbildung zum Spitzenspringpferd nicht vollendet und den Aufstieg in die Ränke der weltweiten Elite nie geschafft», fasst Leuenberger zusammen. Auch sind die Parcours so konzipiert, dass das Pferd Ausweichmöglichkeiten hat, wenn es sich entscheidet, nicht über den Sprung zu setzen – sei das aus einem Reiterfehler, Stress, Unvermögen oder Angst.

«Ausserdem bedeutet ein überstrapaziertes Pferd auch einen Nachteil für den Besitzer. Es ist um ein Vielfaches teurer, ein neues, erfolgreiches Pferd zu kaufen, als dem alten Sorge zu tragen», fügt Hansjakob Leuenberger hinzu. Der Wallach Palloubet d’Halong zum Beispiel, ausgebildet von der Baselbieterin Janika Sprunger, wurde für 11 Millionen Euro verkauft. Es besteht also auch ein ökonomisches Interesse am Wohlergehen des Pferdes.

Peta hat aber recht, dass Pferde in freier Wildbahn nicht über Hindernisse springen. Doch das bedeutet nicht, dass sie Springen hassen. Menschen schwimmen auch nicht durch einen See, wenn sie über eine Brücke zum Ziel gelangen können. Schwimmen kann aber ein Vergnügen sein, selbst wenn dies keine natürliche menschliche Fortbewegungsart ist.