Olympia
30 Jahre nach «Cool Runnings»: Diese Bob-Frauen aus Jamaika sind echt cool

Kaum ein Team erhielt in Pyeongchang im Vorfeld so viel Aufmerksamkeit wie Jamaikas Bobfahrerinnen. Die Insel-Girls wissen sich als Nachfolger von «Cool Runnings» bestens zu inszenieren.

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Ein banaler Interviewraum konnte es nicht sein für das jamaikanische Bobteam. Vielmehr wurde die Weltpresse in ein perfekt herausgeputztes Haus ausserhalb des Olympiageländes geladen. Und über ein Dutzend TV-Kameras folgten dem Ruf, zu gut ist die Story von den Underdogs von der Karibikinsel.

Als letztes Team sicherten sich Pilotin Jazmine Fenlator-Victorian und Anschieberin Carrie Russell das Ticket für Pyeongchang. Sie wandeln damit in den Spuren von Dudley Stokes und seinem jamaikanischen Männerteam, das vor exakt 30 Jahren in Calgary für Furore sorgte. Die Geschichte der fröhlichen Männer mit dem Reggae im Blut wurde als «Cool Runnings» sogar verfilmt - inklusive Seitenhieb auf die verbissenen Schweizer mit ihrem komischen Dialekt.

«Viele Leute können den Bobsport nur dank dieser Männer und des Films», sagt die 32-jährige Fenlator, die mit einem amerikanischen Bob-Anschieber verheiratet ist. «Wir fühlen uns geehrt, dass wir mit ihnen verglichen werden.» Ihren Schlitten haben sie «Cool Bolt» genannt - in Anlehnung an den Film und den jamaikanischen Wundersprinter Usain Bolt.

Ein geschickter Etikettenschwindel

Der Vergleich mit den Männern aus «Cool Runnings» ist allerdings ein Etikettenschwindel. Während Stokes und Co. völlige Bob-Anfänger waren, lediglich ein halbes Jahr vor den Olympischen Spielen in Calgary mit dem Training begonnen hatten und eine Einladung des IOC brauchten, um teilnehmen zu dürfen, ist Fenlator eine gestandene Fahrerin mit beachtlichen Meriten.

Das Frauen Zweier-Bob-Team von Jamaika (v-l) Jazmine Fenlator-Victorian, Audra Segree und Carrie Russell gelten als die Nachfolger der «Cool Runnings»
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Das Frauen Zweier-Bob-Team von Jamaika (v-l) Audra Segree, Carrie Russell, Jazmine Fenlator-Victorian will Jamaika nach ganz vorne bringen.
Das Viererbob-Olympiateam Jamaica mit Pilot Dudley Stokes, rechts, Winston Watt, 2. rechts, Nelson Stoke, 2. von links, und Wayne Thomas, links, auch als «Cool Runnings» bekannt.
Dudley Stokes, Kapitän der ehemaligen jamaikanischen «Cool Runnings» lächelt sein Team an, während sie die typischen Bob-Bewegungen zeigen.
Die «Cool Runnings» während ihrer Olympia-Fahrt.
Jazmine Fenlator-Victorian und Carrie Russell: Diese Gesichter sollten wir uns merken
Zweierbob Frauen des Jamaikanischen Teams um Carrie Russell und Jazmine Fenlator-Victorian.
Werden sie an die Spitze fahren können?
«Bereits am frühen Morgen hören wir Musik und tanzen», erzählt Fenlator. Heisse Jamaika-Vibes im Eistunnel.

Das Frauen Zweier-Bob-Team von Jamaika (v-l) Jazmine Fenlator-Victorian, Audra Segree und Carrie Russell gelten als die Nachfolger der «Cool Runnings»

Ralf Rödel/Keystone

Sie ist in den USA geboren und startete bis 2016 auch für ihr Heimatland. Erst dann entschied sich die Tochter eines jamaikanischen Vaters zum Nationenwechsel. Für die USA hatte sie an den Winterspielen 2014 in Sotschi teilgenommen und den 11. Platz erreicht, ein Jahr später war sie an der WM sogar Sechste. Dennoch war die Qualifikation als Jamaikanerin einfacher und besser zu vermarkten.

Nicht umsonst besitzt Fenlator einen Master-Abschluss in Marketing. Auch Anschieberin Carrie Russell ist kein unbeschriebenes Blatt. Sie gewann an der Leichtathletik-WM 2013 mit der jamaikanischen Sprintstaffel die Goldmedaille. Im Weltcup fuhren die beiden im Dezember in Winterberg auf den 7. Platz. Selbstredend die beste Platzierung eines Bobteams aus der Karibik.

Zwei Frauen mit einer Mission

Fenlator und Russell gehen das Projekt Olympia, das nächste Woche seinen Höhepunkt finden soll, akribisch an. Sie werden von der deutschen Olympiasiegerin und dreifachen Weltmeisterin Sandra Kiriasis trainiert. Sie wollen aber auch die karibischen Vibes ins olympische Dorf bringen. «Bereits am frühen Morgen hören wir Musik und tanzen», erzählt Fenlator. Im Training und in den Wettkämpfen seien sie aber topseriös.

Den amerikanischen Hang zum Pathos haben sie völlig verinnerlicht. «Es ist uns wichtig zu zeigen, dass Frauen gefährlichen, schnellen, starken und schnellen Sport betreiben können», betont Fenlator bei jeder Gelegenheit. «Und es ist uns wichtig zu zeigen, dass Jamaika es tun kann.» Wer eine so weltbewegende Mission verfolgt, hat natürlich auch die Aufmerksamkeit all der TV-Kameras verdient.