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Weiter im eisernen Griff der Verletzungshexe

Fällt wegen eines Zehenbruchs aus: Michel Aebischer, YB.

Fällt wegen eines Zehenbruchs aus: Michel Aebischer, YB.

Die Young Boys reisen mit allerhand Sorgen nach St. Gallen. Aber nicht ohne Hoffnung.

Es ist wie verhext. Gefühlt vergeht keine Woche ohne eine Nachricht aus dem Lager der Young Boys, dass dieser oder jener Spieler jetzt auch noch – oder schon wieder – ausfalle. In den Tagen vor dem Spitzenspiel in der Super League am Sonntag in St. Gallen mussten die Berner nun bekanntgeben, dass der zentrale Aufbauer Michel Aebischer wegen eines Zehenbruchs sechs Wochen und der Aussenbahnspieler Miralem Sulejmani wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel drei Wochen fehlen werden. In der Vorwoche war bereits die Meldung verschickt worden, Mittelfeldspieler Vincent Sierro müsse wegen einer Verletzung am Mittelfussknochen fünf Wochen aussetzen. So läuft das in dieser Spielzeit beim Schweizer Meister.

Nachdem sich dieser Mitte Dezember nach einem Seuchenhalbjahr ohnegleichen gleichwohl als Tabellenführer mit zwei Punkten Vorsprung auf Basel und deren drei auf St. Gallen in die Winterpause verabschiedet hatte, schien klar: Wer es schafft, trotz solch gravierender Probleme Leader zu sein, wird der Konkurrenz enteilen, wenn die ausgefallenen Akteure wieder fit und bei Kräften sind.

Die Magie der Rekordsaison ist weg

Aber eben, es ist anders gekommen. Die Verletzungshexe hat die Berner weiter eisern im Griff. Weil am letzten Sonntag in Lugano neben den verletzt gemeldeten Frederik Sörensen, Mohamed Ali Camara, Jordan Lotomba, Sandro Lauper und Sierro mit Jean-Pierre Nsame und Nicolas Ngamaleu zudem noch zwei wichtige Offensivkräfte fehlten, war der Substanzverlust nicht mehr zu kaschieren. «Die Magie der letztjährigen Rekordsaison ist weit weg, die Leichtigkeit sowieso», schrieb ernüchtert die «Berner Zeitung» nach der 1:2-Niederlage im Cornaredo. Auch die Miene von Gerardo Seoane sprach Bände, die Frustration stand ihm ins Gesicht geschrieben. Allerdings verkniff es sich der Erfolgstrainer wie schon im Herbst, das Verletzungspech zu beklagen.

Obwohl Gelb-Schwarz aus den letzten vier Auswärtsspielen nur einen Punkt holte und lediglich ein Tor schoss, insgesamt in sieben Partien nur fünf Mal traf, fährt auf der Fahrt nach St. Gallen auch Hoffnung mit. Darauf, dass die so arg schwächelnde Offensive mit der Rückkehr von Nsame und Ngamaleu im Kybunpark ein anderes Gesicht präsentieren und die Neuerwerbung Meschak Elia vielleicht bereits ihr Können zeigen wird. Der 22-jährige Nationalspieler aus dem Kongo war in seiner Heimat vom Verband gesperrt worden, weil er 2015 angeblich sein Alter gefälscht hatte, um für TP Mazembe auflaufen zu dürfen. Dennoch erteilte die Fifa dem schnellen und dribbelstarken Afrikaner nun die Spielerlaubnis. YB glaubt, damit den Abgang von Roger Assalé zu Leganes kompensieren zu können. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Autor

Markus Brütsch

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