Juristenfutter
Wegen des Museumsprojekts: Fifa-Strafanzeige gegen Blatter

Der Weltverband unter dem Walliser Fifa-Präsidenten Gianni Infantino beklagt die Kosten von einer halben Milliarde Franken und vermutet den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Infantinos Vorgänger Sepp Blatter, auch er aus dem Wallis, wehrt sich.

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Unter Beschuss: Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Unter Beschuss: Der frühere Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Keystone

«Wir haben getestet, getestet und getestet.» Diese in Coronazeiten vertrauten Worte hat Stefan Jost bereits am 24. Februar 2016 gebraucht. Die Eröffnung des Fifa-Museums in der Zürcher Enge war ein grosser Tag gewesen für dessen Direktor und den Weltverband. Auf 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sollten Fussballfreaks künftig auf ihre Rechnung kommen. Kinder, Fussballer und Rollstuhlfahrer hatten die diversen Attraktionen zuvor gründlich erprobt. Jost erklärte, er rechne mit 250 000 Eintritten pro Jahr, und der brasilianische Doppelweltmeister Cafu stellte den Weltmeisterpokal in die Vitrine.

Besucher im Fifa-Museum.

Besucher im Fifa-Museum.

Keystone

Knapp fünf Jahre später herrscht Tristesse. Das Museum ist wegen Covid-19 geschlossen, würde aber auch ohne das Virus nicht gerade von Besuchern gestürmt. Obwohl neue Direktoren mit neuen Ideen, wie Ausstellungen zum Frauen-Fussball und zum E-Sport, neues Publikum anlocken wollten, blieb das Museum hoch defizitär.

Was hatte Sepp Blatter mit dem Hochglanzprojekt gewollt? Sich ein Denkmal setzen? Sich die Wiederwahl zum Fifa-Präsidenten sichern? Bitter: Am Tag der Einweihung durfte ausgerechnet er nicht dabei sein. Der heute 84-Jährige war 2015 von der Fifa suspendiert worden.

Doch das Museum lässt ihn bis heute nicht los. Nachdem dieses gemäss Medienberichten pro Jahr 30 Millionen Franken Verlust eingefahren hatte, gab die neue Fifa-Führung unter Präsident Gianni Infantino 2018 einer externen Expertengruppe den Auftrag, das Projekt Fifa-Museum zu untersuchen. Diese legte den Schlussbericht im Juni dieses Jahres vor, im November erfolgten Ergänzungen.

Zu hohe Investitionen in die Renovation, zu hohe Miete

Weil die Untersuchung Beweise für den mutmasslichen Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung durch die ehemalige Fifa-Geschäftsführung ergeben hatte, reichte der Weltverband bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich Strafanzeige ein. Diese richtet sich gegen Blatter sowie weitere potenziell beschuldigte Personen. Sie zielt auf die Höhe der Projektkosten von 500 Millionen Franken: Die frühere Fifa-Administration habe 140 Millionen Franken für die Renovation eines Gebäudes investiert, das gar nicht ihr gehöre. Und sie habe mit der Besitzerin einen Mietvertrag bis 2045 zu ungünstigen Konditionen abgeschlossen, welche den Verband 360 Millionen Franken kosten würden. Damit sei eine halbe Milliarde in dieses Projekt statt in die Förderung des globalen Fussballs geflossen. «Die Summe der Interessenskonflikte auf geschäftlicher und sogar familiärer Ebene scheint hoch», sagt ein Rechtsanwalt der Fifa.

«Die Vorwürfe sind haltlos und werden vehement zurückgewiesen», teilte derweil Blatters Rechtsanwalt Lorenz Erni mit. Gut unterrichtete, Blatter nahe stehende Kreise mit Einsicht in die Mietverträge zwischen der Swiss Life und der Fifa bestätigen, dass die Jahresmiete der Fifa für das Gebäude mit Museum, 25 Wohnungen und Büroräumlichkeiten gemäss Vertragswerk 8,9 Millionen Franken betragen. Die Fifa habe vor dem Abschluss des Mietvertrags mit zwei unabhängigen Gutachten abklären lassen, ob die Miete marktgerecht sei.