Kolumne

Wegen anhaltendem Transferwildwest: Es ist Zeit für eine neue Statistik im Schweizer Eishockey

Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Transferwildwest im Schweizer Eishockey: Wenn Tore, Strafen, Schüsse, Checks, Pässe und Fehlpässe beim aktuellen Arbeitgeber gestrichen und dafür beim neuen gutgeschrieben würden.

Nun also auch die offizielle Bestätigung im Fall Dustin Jeffrey. Lausannes Kanadier stürmt ab nächster Saison für den SC Bern. Früher war so etwas undenkbar. Noch bis in die Mitte der 1990er-Jahre durfte nur im Monat Mai transferiert werden. Weshalb der Mai «Transferperiode» hiess. Hin und wieder gab es zwar Gerüchte über einen anstehenden Wechsel. Aber nie eine offizielle Bestätigung.

Damals gab es halt noch eine Transfer- und Lügenscham. Heute werden Vertragsunterschriften vor der Zeit offiziell bestätigt. Die Spieler können damit gut leben. Leonardo Genoni unterschrieb beispielsweise im Sommer 2018 bei Zug einen Fünfjahresvertrag, gültig ab der Saison 2019/20. Anschliessend führte er den SCB im Final gegen seinen künftigen Verein zum Titel.

So geht es nur bei uns zu und her. Aber abstellen lässt sich der Transferwildwest nicht mehr. Weil es keine Kontrollmöglichkeit gibt. Statt uns darüber billig zu empören, sollten wir in Zeiten der ausufernden Statistiken unsere ganz besondere Transferkultur konstruktiv nützen. Unsere Liga hat nämlich so als einzige die Grundlage für eine aussagekräftige Zukunftsstatistik. Für diese sogenannten Nostra­damus Statistics werden die Daten aller Spieler erfasst, die für nächste Saison bereits bei einem anderen Klub unterschrieben haben. Sodann werden ihre Tore, Strafen, Schüsse, Checks, Pässe und Fehlpässe der laufenden Saison beim aktuellen Arbeitgeber gestrichen und dafür beim neuen gutgeschrieben.

Mark Arcobello

Mark Arcobello

So erkennen wir, welche Auswirkungen einer bei seinem künftigen Klub haben wird. Das geht zum Beispiel so: Mark Arcobellos Tore und Assists werden diese Saison nicht mehr beim SCB, sondern bei Lugano verbucht. Dafür bekommt Bern alle Skorerpunkte von Dustin Jeffrey gutgeschrieben, und bei Lausanne werden sie gestrichen. Die Werte von Miro Zryd werden derweil bei Zug nicht mehr berücksichtigt und beim SCB eingetragen. Dafür über­nehmen die Zuger die Statistik von Langnaus Claudio Cadonau. Und so weiter und so fort.

Der helvetische Transfer­wildwest kann uns also ­durchaus helfen, endlich die Zukunft eines unberechen­baren Spiels wie Eishockey berechenbar zu machen.

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