Er ist dreifacher Weltmeister, war während fast zwei Jahren die Nummer eins der Welt. Dieser Tage spielt der 30-jährige Ägypter in Zürich-Oerlikon am GC-Cup. Es ist eines der am besten besetzten Turniere der Welt. Und er ist einer der Besten der Welt, für viele gar der Beste der Geschichte. Technisch versiert, erfolgreich, charismatisch. Sein Name: Ramy Ashour. Sein Spitzname: «The Artist». Und: «Der Roger Federer des Squashs».

Ein Vergleich, der immer wieder bemüht wird. Es gibt den Roger Federer des Tischtennis: Timo Boll. Es gibt den Roger Federer des Badminton: Lin Dan. Es gibt sogar den Roger Federer des Steinstossens: Peter Michel. Die Liste der verqueren Vergleiche lässt sich beliebig fortsetzen und ist ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Mit Sicherheit findet sich auch ein Federer des Kamelrennens, des Kürbisweitwurfes, des Klippenspringens und der Fuchsjagd.

Was völlig absurd ist. Die Vergleiche sind ein Muster ohne Wert. Vielleicht auch geboren aus der Hilflosigkeit, die Leistungen dieser Ausnahmesportler adäquat zu würdigen. Also misst man sie an ihm: Roger Federer. Ihn kennt man. Und sein Palmarès. Es löst die gewünschten Bilder des Primus Interpares, des Ersten unter Gleichen, aus. Und es weckt eine Art des Interesses, das diese Sportler sich kaum wünschen. Ein Interesse am «Federer des...». Das ist unfair.

Gleichzeitig würdigt es die Ashours, die Bolls, die Michels und Lin Dans dieser Welt herab. Ihre Gesichter mögen in unseren Breitengraden nicht Federers Bekanntheit geniessen, ihre Konti weniger prall gefüllt sein. Doch ihre Leistungen sind deswegen nicht weniger hoch einzuschätzen als die des «Roger Federer des Tennis». Was uns zur Ursprungsfrage zurückführt: Was hat Roger Federer mit Kürbisweitwurf zu tun? Die Antwort: Nichts.

Es grüsst Sie herzlichst, der Roger Federer der Tennisjournaille. Oder auch nicht.