Eishockey
Was Fribourg-Gottéron einst auszeichnete, ist verloren gegangen – es fehlt der Zusammenhalt

Laut Michael Ngoy, elf Jahre lang Verteidiger bei Gottéron und nun bei Ambri, sieht es schlecht aus für den Verein aus der Romandie. Es stellt sich die, wie lange Larry Huras noch Trainer ist beim momentan NLA-Vorletzten.

Klaus Zaugg
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Trainer Larry Huras könnte Fribourg-Gottéron schon bald wieder verlassen.

Trainer Larry Huras könnte Fribourg-Gottéron schon bald wieder verlassen.

KEYSTONE/PATRICK B. KRAEMER

Welch eine Ironie der Hockeygeschichte. Am 17. September 1994 hat die Trainerkarriere von Larry Huras (61) in der Schweiz beim ZSC mit einem 6:6 gegen Fribourg-Gottéron begonnen. Gut möglich, dass sie am Samstag in Fribourg mit einer 2:5-Niederlage gegen Lugano zu Ende gegangen ist. Was gegen Gottéron begonnen hat, könnte nach 23 Jahren mit Gottéron enden.

Mit ziemlicher Sicherheit ist nicht der Trainer Gottérons Problem. Es gibt nämlich eine interessante Innenansicht. Michael Ngoy (35) verteidigte elf Jahre lang für Gottéron. Im letzten Frühjahr wechselte er zu Ambri. Seine Analyse der Gottéron-Krise ist alarmierend.

Er sagt, er stehe nach wie vor in regem, beinahe täglichem Kontakt mit seinen ehemaligen Mitspielern. Viele sind ja seine Freunde. Hockey ist natürlich das Thema. «Alle versichern mir, dass es kein Problem mit Huras gebe. Ja, einer hat mir sogar gesagt, Larry sei der beste Trainer, mit dem er je gearbeitet habe.»

Michael Ngoy (links) im Trikot seines Vereins Ambri-Piotta.

Michael Ngoy (links) im Trikot seines Vereins Ambri-Piotta.

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Was ist dann das Problem? Ngoy sagt, Gottéron habe seine Seele verloren. «Auch in guten Zeiten war unsere Stärke nicht alleine das Talent. Es war vor allem der Zusammenhalt.» So sei es bei Gottéron immer gewesen. Legendär waren die «Copains», die 1980 den Aufstieg schafften, und selbst während der «russischen Flugjahre» mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow prägten Geist und nicht Geld und Talent die Mannschaft. Das ist ein Grund, warum Fribourg für den Weltstar Bykow eine zweite Heimat geworden ist.

Ngoy sagt, dieser Zusammenhalt sei in den letzten zwei Jahren verloren gegangen. Tatsächlich haben beispielsweise Jeremié Kamerzin, Timo Helbling, Tristan Vauclair und vor allem Leitwolf Benjamin Plüss Gottéron verlassen. Nicht jeder hatte eine zentrale spielerische Bedeutung – aber jeder beeinflusste die Chemie des Teams auf seine ganz besondere Weise. Ngoy sagt: «Ich höre jetzt immer wieder, dass der Zusammenhalt verloren gegangen sei.» Gottérons alte Freunde sind nicht mehr.

Bykow als Retter?

Nun ist der kräftige Verteidiger mit Ambri auch in einem Team, dessen Trainer Hans Kossmann ein ständiges Thema ist. «Wir haben kein Problem mit dem Trainer und die Ambiance in der Kabine stimmt», sagt Ngoy. Es gebe einen grossen Unterschied zwischen den beiden Teams. «Gottéron ist auf dem Papier nach wie vor eine Mannschaft für die obere Tabellenhälfte. Aber wir stehen dort, wo wir mit unserem Potenzial hingehören.»

Was er auch hört, aber für sich behält, weil man das als Spieler nie sagt: Gottéron hat die miserabelsten Goalies der Liga und Reto Berra kehrt nicht vorzeitig aus Nordamerika zurück, um das Problem zu lösen. Auch das eine bittere Ironie der Geschichte. Im Frühjahr 1999 kosteten die Fehlgriffe von Pauli Jaks Huras in Ambri den Titel. Nun werden ihn die Fehlgriffe von Benjamin Conz in den nächsten Tagen wohl den Job kosten. Die Fans hoffen, Verwaltungsrat Bykow möge das Traineramt übernehmen und Gottéron aus der Krise erretten.