Von aussen betrachtet unterscheiden sich Dubai und Monte Carlo kaum. Hier der Protz, der zur Schau gestellte Reichtum im Emirat am Persischen Golf, das Roger Federer seinen Zweitwohnsitz nennt. Dort das Eldorado des Glücksspiels, wo heute die Weltsportler des Jahres gekürt werden, gewählt von einer 64-köpfigen Jury der Laureus Sports Academy, der Sportikonen wie Mark Spitz, Miguel Indurain, Nadia Comaneci oder Fabian Cancellara angehören. Und doch könnte der Kontrast zwischen diesen beiden Städten dieser Tage kaum grösser sein.

Nun ist es nicht so, dass in Monte Carlo nicht mit viel Pomp, Luxus und in erlauchter Gesellschaft gefeiert würde: Auf der Gästeliste stehen Fürst Albert von Monaco und Spaniens König Juan Carlos, der als Schirmherr amtet. Schauplatz ist der mondäne «Salle des Etoiles», der Saal der Sterne. Doch im Kern ist die Preisverleihung nur ein Werbevehikel unter dem Patronat der Laureus-Stiftung, die in 35 Ländern über 100 Projekte unterstützt, die Kinder vor Armut und Elend schützen sollen. Federer seinerseits setzt sich seit 15 Jahren mit seiner Stiftung dafür ein, dass Kinder in Afrika Bildung erfahren.

Beim für einmal schwach besetzten ATP-Turnier in Dubai hätte Federer wohl eine Antrittsgage von zwei Millionen Franken kassieren können. Trotzdem tauscht der Baselbieter Racket und Shorts gegen Frack und Fliege. Vielleicht war es ihm auch gar nicht bewusst, als er sich in der vergangenen Woche dazu entschloss, nach Monte Carlo statt nach Dubai zu reisen. Doch es ist auch ein stummes Bekenntnis zu seinem humanitären Einsatz.

Ronaldo ist nur Aussenseiter

Bei den Laureus World Sports Awards ist Federer in zwei Kategorien nominiert. In der Hauptkategorie, die er von 2004 bis 2007 gewann, und damit neben dem achtfachen Olympiasieger Usain Bolt Rekordsieger ist, heissen seine Konkurrenten Rafael Nadal, Lewis Hamilton, Mo Farah, Cristiano Ronaldo und Chris Froome. Ronaldo hat nur Aussenseiterchancen: noch nie gewann ein Fussballer. Mo Farah wurde zwar noch einmal Weltmeister über 10'000 Meter, hatte aber schon erfolgreichere Jahre. Chris Froome gewann zwar zum dritten Mal in Folge die Tour de France, sieht sich aber mit Dopingvorwürfen konfrontiert. Bleiben noch Lewis Hamilton und: Rafael Nadal.

Obschon Federer das Jahr hinter Nadal als Nummer zwei der Welt beendete, gilt Federer als Favorit, weil er seinen Erzrivalen, den er in der Weltrangliste inzwischen überholt hat, in allen vier Duellen in die Schranken gewiesen hat. Nadal kann in dieser Woche beim Turnier in Acapulco mit einem Sieg den Rückstand in der Weltrangliste auf 100 Punkte verkleinern. Bei den Laureus World Sports Awards gibt es für ihn in diesem Jahr aber wohl kein Vorbeikommen an Federer.

Federer ist zudem auch in der Kategorie für das beste Comeback nominiert. Er gewann 2017 nach einer halbjährigen Pause sieben Turniere, darunter die Australian Open und in Wimbledon. Kaum jemand hat dem Baselbieter das zugetraut, nicht einmal er selbst. Erhält Federer bei beiden geheimen Wahlen am meisten Stimmen, würde er für ein Novum sorgen: Noch nie erhielt ein Athlet im gleichen Jahr in zwei Kategorien den Preis. Sicher ist: Auch der nächste Einsatz Federers steht im Zeichen der Wohltätigkeit. Am 5. März bestreitet er das Match for Africa 5».

Mit Marcel Hug ist neben Federer ein weiterer Schweizer nominiert. Der Rollstuhl-Leichtathlet holte an den Weltmeisterschaften in London drei Mal Gold und gewann die Marathons in Berlin, Boston, Chicago, New York und Tokio. Vergeben werden Preise in neun Kategorien. Neben Federer wurde bisher nur eine weitere Schweizerin ausgezeichnet: Martina Hingis 2006 für das Comeback des Jahres.

Die weiteren Nominierten

Weltsportlerin: Katie Ledecky, Garbine Muguruza, Allyson Felix, Serena Williams, Caster Semenya, Mikaela Shiffrin.
Durchbruch: Kylian Mbappé, Caeleb Dressel, Jelena Ostapenko, Giannis Antetokounmpo, Sergio Garcia, Anthoy Joshua.
Behindertensportler: Yui Kamiji, Oksana Masters, Marcel Hug, Markus Rehm, Bibian Mentel, Jetze Plat.
Comeback des Jahres: FC Barcelona, Chapecoense, Justin Gatlin, Valentino Rossi, Roger Federer, Sally Pearson.
Mannschaft des Jahres: Real Madrid, Französische Davis-Cup-Mannschaft, Mercedes, Golden State Warriors, New England Patriots, Team New Zealand.
Bester Sportmoment: Lewis Hamilton, Billy Monger, Chapecoense, Kimi Räikkönen, Jermain Defoe, Iowa Hawkeyes.