Doch der Alpin-Rücktritt mit knapp 19 Jahren war quasi der entscheidende Schritt vor einem aufregenden nächsten Abenteuer im Schneesport. Im Internet stiess er auf eine Skicross-Ausschreibung, meldete sich an und blieb hängen. «Springen, gegeneinander fahren, das hat mich sofort fasziniert.»

Die einst flüchtige Bekanntschaft prägte fortan sein Leben.
Der Spartenwechsel hat sich gelohnt. Bischofberger ist in einer der spektakulärsten und zugleich härtesten Ski-Disziplinen inzwischen zu einem internationalen Leader aufgestiegen. Seit dem letzten Sommer setzt der Polymechaniker ausser Dienst vollumfänglich auf den Spitzensport: «Ein bisschen finanzielles Risiko muss sein.»

Chef-Trainer Ralph Pfäffli schätzt das Commitment Bischofbergers. Seine Art hält er generell wichtig für den Teamprozess. Er sei zum einen ein Gladiator und zugleich ein unbekümmerter Spassvogel. «Er ist keiner, der sich allzu grosse Gedanken macht.»

Von sich selbst überzeugt

Wenn andere resignieren, setzt der Appenzeller zu einem weiteren Überholmanöver an. Bischofberger ist überzeugt von seinem Stil: «Ich sehe immer eine Möglichkeit, wieder in Führung zu gehen. Das macht für mich Skicross aus.» In den Minuten seines wertvollsten Resultats blieb der Einzelkönner primär Teamplayer und bestätigte das Bild der verschworenen Equipe, die weit mehr ist als eine reine sportliche Zweckgemeinschaft.

«Der Mannschaft gebührt der grösste Dank, den Trainern Ralph, Mike, Enrico. Die Serviceleute haben ohne Ende geschuftet.» In der silbernen Stunde hat er die «unzähligen Stunden nicht vergessen, die Ralph für uns im Ratrac verbringt, um irgendwo um Mitternacht noch etwas Schnee zusammenzukratzen».

So souverän Bischofberger zuletzt auf der FIS-Tour die Konkurrenz beherrschte und sich in den Knock-out-Runden einzig vom nachmaligen Champion Brady Leman bezwingen lassen musste, so turbulent war im Phoenix Snow Park das Vorprogramm verlaufen. «Nach zwei Stürzen im Training lag ich im Bett und fragte mich: ‹Wie soll ich morgen fahren?› Ich fühlte mich ungefähr 30 Jahre älter.»

Der Funke sprang bei der Medaillenübergabe

Der Team-Arzt und die Physio hätten ihn «wieder zusammengeflickt», so Bischofberger. Der teilweise wechselnde Wind und zwei, drei schwierige Sprünge hatten ihm zu schaffen gemacht, aus der Fassung liess sich der Weltranglistenerste nicht bringen. Selbst die schweren Crashes von Terence Tchiknavorian (Schienbeinbruch), Christoph Wahrstötter (Gehirnerschütterung) und Christopher Delbosco (Beckenbruch) blendete er aus: «Ich war im Rennmodus und in einem Flow.»

Wie so viele Medaillengewinner an Olympischen Spielen bekundete aber auch Marc Bischofberger im ersten Moment Mühe, das Geschehene einzuordnen. «Ich habe immer gedacht, man fährt über die Ziellinie und dann hat man diese Medaille», sagte der Ostschweizer. Aber so sei es eben doch nicht. «Es ist im ersten Moment wirklich schwierig, dies alles einzuordnen.»

Gesprungen sei der Funke bei der Übergabe der Medaille. «Da wurde mir bewusst, ja, es ist der zweite Platz. Auf dem Podest und rund um die Zeremonie hat man etwas Zeit für sich, um zu überlegen, was überhaupt geschehen ist», so der 27-Jährige. Nun sei er sicher, dass ihm noch eine lange Nacht bevorstehe.