Davis-Cup
Warum Federer und Wawrinka gegen den Abstieg kämpfen

Tennis Weshalb Roger Federer und Stan Wawrinka im Davis-Cup im Abstiegskampf spielen

Michael Wehrle, Genf
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Spass ist auch dabei: Roger Federer im Training mit dem Davis-Cup-Team.Key

Spass ist auch dabei: Roger Federer im Training mit dem Davis-Cup-Team.Key

KEYSTONE

Das Team der Namenlosen fordert die Weltstars. Mit Thiemo de Bakker, der Weltnummer 144, als Anführer, versuchen die Holländer, dem Titelverteidiger ein Bein zu stellen. Gut ein Jahr ist es her, da gewannen Roger Federer und Stan Wawrinka erstmals für die Schweiz den Davis-Cup. Nun kämpfen die Stars gegen den Abstieg aus der Weltgruppe, dem Kreis der besten 16 Nationen.

Immerhin 7500 Tennisfans wollen heute den Auftritt der Schweizer in den Genfer Palexpo-Hallen sehen. Vor einem Jahr im Halbfinal gegen Italien tobten noch 18 000 Zuschauer auf den Tribünen, feierten den Finaleinzug. Diesmal gehts halt nur um den Klassenerhalt und der Gegner lockt die Massen auch nicht gerade an. Jesse Huta Galung, die Nummer 463, ist der zweitbeste Holländer im Team – noch deutlich hinter den Schweizern Nummer drei und vier, Marco Chiudinelli und Henri Laaksonen, klassiert.

Jeder Gegner ist ein Gegner

Das alles deutet auf einen Spaziergang für die Schweizer, doch die Stars sehen das keinesfalls so. «Der Druck ist vielleicht nicht ganz so hoch wie gegen ein Spitzenteam», sagt Federer. Doch gute Tennisspieler seien das auch. Auf de Bakker, er wird morgen 27 Jahre alt, ruhten einst die Hoffnungen der Holländer, vor fünf Jahren war er die Nummer 40 der Welt. Aber diese Leistungen bestätigte er nie mehr.

«Ich konzentriere mich auf mein Spiel, meine Energie, das ist wichtig», sagt Wawrinka. Und Federer betont: «Es macht es keinen Unterschied, wie der Gegner heisst, ich bereite mich immer gleich vor, nehme ihn ernst.»

Wie ernst, das beweisen die beiden Schweizer, indem sie schon kurz nach der Auslosung ihre Teilnahme zusagten. «Für mich war es immer klar, dass ich spiele. Dass ich mir damit noch das Olympiaticket sichere, ist ein netter Nebeneffekt», sagt Wawrinka. Die Regeln für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr verlangen, dass ein Spieler im Jahr 2015 oder beim Märztermin 2016 mindestens einmal bereit war, für sein Land im Davis-Cup zu spielen.

Grundsätzlich reicht es, wenn ein Spieler sich zur Verfügung stellt. So hätte Davis-Cup-Captain Severin Lüthi als Coach von Federer auch sagen können, er verzichte auf die Nummer zwei der Welt. Allein die Bereitschaft Federers, dabei zu sein, hätte gereicht.

Solche Spielchen sind nun überflüssig. «Der wichtigste Grund für meine Zusage war das Heimspiel», sagt Federer. Bei einer extrem weiten Auslandreise, es drohten beispielsweise Indien, Usbekistan oder Kolumbien, hätte er sich die Sache durch den Kopf gehen lassen. «So ist es aber ideal, ich kann mich für Olympia qualifizieren und helfen, die Schweizer in der Weltgruppe zu halten», sagt er.

Das Problem der Planung

«Ich habe auch keine Lösung, wie wir den Davis-Cup im Kalender besser positionieren», gibt er zu. Für die Topspieler sei es wirklich nicht einfach, zu planen. Manchmal falle die Entscheidung, wohin die Reise gehe, recht kurzfristig. Dazu komme der Druck von aussen, von Fans, von Medien. «Andere Leute haben das Gefühl, sie könnten entscheiden, was für dich richtig ist», betont er.

Dabei geniesse er jeweils die Wochen im Davis-Cup: «Und der Empfang in Lausanne, nach dem Sieg über Frankreich in Lille, das war etwas vom Schönsten, was ich je erlebt habe.» Ebenso wie die Energie, die im Team frei geworden sei, als er in Lille den letzten Matchball verwandelt habe.

Natürlich steht auch bei Wawrinka der Gewinn der hässlichsten Salatschüssel der Welt ganz oben bei den schönen Erinnerungen. «Aber ich habe aus jeder Begegnung etwas mitgenommen», sagt der 30-Jährige, der vor zehn Jahren seinen ersten zählenden Match spielte, gegen Holland. Deshalb wolle er auch in den nächsten Jahren dabei sein.

«Ich kann mich hier nicht auf die Äste hinauslassen, ich habe ja noch ein paar Jährchen mehr auf dem Buckel als Stan», sagt der 34-jährige Federer. «Jetzt wollen wir mal in der Weltgruppe bleiben, dann sehen wir weiter.»