Analyse

Warum es richtig ist, den Vertrag von Nationaltrainer Vladimir Petkovic zu verlängern

Vladimir Petkovic bleibt für zwei weitere Jahre Trainer der Fussball Nationalmannschaft.

Vladimir Petkovic bleibt für zwei weitere Jahre Trainer der Fussball Nationalmannschaft.

Vladimir Petkovic darf bis mindestens Ende 2021 Schweizer Nationaltrainer bleiben. Er hat sich das Vertrauen der Fussball-Schweiz verdient. Eine Analyse.

Die Einladung kommt am späten Abend. Darin steht: Am Dienstag um 14:30 wird der Schweizer Fussballverband über die «Trainerfrage des A-Nationalteams» orientieren. Die Botschaft wird keine Überraschung sein. Vladimir Petkovic darf weiter Nationaltrainer sein. Er erhält vorzeitig einen neuen Vertrag. Gültig bis Ende des Jahres 2021. Mit automatischer Verlängerung um ein Jahr, falls sich die Schweiz für die WM 2022 in Katar qualifiziert.

Die Zukunft des Nationaltrainers, es war das wichtigste Thema für die Fussball-Schweiz in diesem Frühjahr. Nati-Direktor Pierluigi Tami hat in seiner Analyse anfangs Januar ziemlich klar gesagt, dass er sich auch künftig eigentlich nur einen Nationaltrainer vorstellen könne: Petkovic. In den letzten Tagen haben nun auch die Swiss Football League und der Zentralvorstand des Schweizer Fussballverbands ihren Segen zu Tamis Plänen gegeben.

Der beste Punkteschnitt der Geschichte

Nach der WM 2014 hat Petkovic die Schweizer Nati übernommen. Als Nachfolger von Ottmar Hitzfeld stand er von Tag 1 an unter besonderer Beobachtung. Seine Bilanz in den fünfeinhalb Jahren ist gut. Der Punkteschnitt von 1,87 ist besser als jener sämtlicher seiner Vorgänger. Alle drei Qualifikationen für EM 2016, WM 2018 und EM 2020 hat die Schweiz geschafft. Dazu kam bei den beiden bisherigen grossen Turnieren die Achtelfinal-­Qualifikation. Dass diese Spiele gegen Polen (EM 2016, 5:6 nach Penaltyschiessen) und Schweden (WM 2018, 0:1) verloren gingen, ist aus sportlicher Sicht der kleine Makel im Arbeitszeugnis von Petkovic.

Noch wichtiger als die nackten Resultate ist in der Trainerfrage jedoch die sportliche Entwicklung des Teams. Und diese ist erfreulich. Das Nationalteam hat über die letzten zwei Jahre spielerische Fortschritte gemacht. Es tritt taktisch flexibel und dominant auf, gegen Mannschaften auf Augenhöhe oder schwächere sowieso. Gegen Grossmächte ist stets der Mut zu sehen, sich in Szene zu setzen anstatt nur zu verteidigen. Zudem scheint in diesem Schweizer Team etwas zu wachsen. Das Gefüge stimmt und der Trainer geniesst einen breiten Rückhalt. Das wurde rund um die letzten EM-Qualifikationsspiele sehr deutlich, als sich Führungsspieler wie Granit Xhaka oder Stephan Lichtsteiner deutlich für eine Vertragsverlängerung aussprachen.

Ja, es gab auch viele Krisen unter Petkovic

Natürlich, es gab seit Mitte des Jahres 2018 immer wieder Krisen rund um das Schweizer Nationalteam. Stichworte Doppel-Adler, Doppelbürger. Es waren Themen, bei denen auch der Nationaltrainer keine gute Figur abgab. Es gab Misstöne rund um den Rücktritt von Valon Behrami nach der WM, genau so wie um die rätselhafte Nati-Absage von Xherdan Shaqiri aus Motivationsgründen ein Jahr später. Zudem wusste Petkovic lange Zeit nie so richtig, ob er nun noch auf den Captain Lichtsteiner setzen soll oder nicht. Und als in den EM-Qualifikations-Spielen plötzlich ziemlich viele späte Gegentore dazukamen, äusserten sogar mehrere ranghohe Funktionäre Zweifel und Vorbehalte gegen Petkovic. Es waren die Momente, in denen man sich fragte, ob dieses Schweizer Gebilde mit Petkovic an der Spitze nicht doch ziemlich fragil ist.

Trotzdem gilt: Es gibt genügend Gründe für eine Vertragsverlängerung

Was dann folgte, vom Team, aber auch von Petkovic selbst, war ziemlich überzeugend. Auf dem Platz gelang die Qualifikation für die EM 2020 doch noch souverän. Und neben dem Platz signalisierte Petkovic intern mehrfach die Bereitschaft, sich selbst zu hintersinnen – und sich zu öffnen. In der Kombination waren das für sämtliche Interessensvertreter des Schweizer Fussballs genügend Gründe für eine Vertragsverlängerung.

Ja, Petkovic hat sich das Vertrauen für eine weitere Amtsperiode verdient. Es ist ihm zuzutrauen, dass er mit dieser Schweizer Mannschaft die nächsten Herausforderungen meistert. Die nächste grosse Reise steht mit der EM in ganz Europa im kommenden Juni bevor. Wales, Italien und die Türkei sind die ersten Gegner. Der Achtelfinal ist das Minimalziel. Und vielleicht gelingt es Petkovic ja tatsächlich, den ewig währenden Traum des Viertelfinals an einem grossen Turnier zu erfüllen. Man sollte jedoch nicht den Fehler machen, ihn nur daran zu messen. Dafür ist die Reserve an Schweizer Weltklasse-Fussballern schlicht zu klein.

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