Sport-Oldies
Warum Eishockeyspieler länger auf höchstem Niveau spielen als Fussballer

Die alten Männer und das Eishockey. Mit Josh Holden, Matthias Seger und Cristobal Huet haben drei Stars in der obersten Liga bereits den 40. Geburtstag gefeiert. Weitere 18 Oldies sind 35 oder älter. Im Fussball sind in der höchsten Spielklasse gerade einmal fünf Spieler 35 oder älter und keiner ist 40.

Klaus Zaugg
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Josh Holden ist einer von drei NLA-Spielern, die 40-jährig sind.

Josh Holden ist einer von drei NLA-Spielern, die 40-jährig sind.

KEYSTONE/TI-PRESS/GABRIELE PUTZU

Diese langen Hockey-Karrieren stehen eigentlich im Widerspruch zur Entwicklung: heute müssen bis zur Meisterfeier doppelt so viele Pflichtspiele bestritten werden wie in den 1970er Jahren. Das Eishockey ist schneller und athletischer geworden und müsste eigentlich seine «Kinder fressen». Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Karrieren werden immer länger. In der Saison 1984/85 waren gerade mal 4 Spieler 35 oder älter.

Warum ist das so? Ein Grund ist die Entwicklung zum Profisport. Bis in die 1980er-Jahre hinein war es nicht möglich, mit dem Eishockey so viel Geld zu verdienen, dass es sich lohnte, auf eine berufliche Karriere zu verzichten. Spätestens ab dem 30. Geburtstag wurde der Beruf wichtiger. Heute verdient ein Spieler zwischen 20 und 35 mehr Geld als im bestmöglichen Job.

Mit jedem Jahr, mit dem er den Rücktritt hinauszögert, kann ein Star eine weitere sechsstellige Summe für die alten Tage auf die Seite legen. Leonardo Genoni dürfte nach Ablauf seines Vertrages im Frühjahr 2019 der erste Schweizer sein, der in der NLA eine Million pro Saison kassiert. Zudem werden die Spieler heute medizinisch massiv besser betreut als vor 40 Jahren.

Tempo mit Spielintelligenz kompensieren

Aber das gilt mehr oder weniger auch für den Fussball. Die grosse Frage ist deshalb: Wieso gibt es im nationalen Eishockey so viel mehr graue Panther als im Fussball? Eine Antwort kann nur einer geben, der die wichtigsten Eishockey- und Fussball-Ligen der Welt aus eigener Erfahrung kennt: Ralph Krueger. Er war Cheftrainer bei den Edmonton Oilers in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL und ist heute Präsident (und damit oberster Boss) bei Southampton im britischen Fussball-Oberhaus, der Premier League.

Er hat eine überraschende Antwort: «Fussball ist heute härter als Hockey.» Was gänzlich der volkstümlichen Vorstellung von Fussball-Bubis und rauen Hockey-Kerlen widerspricht.
Ralph Krueger sagt: «Die Belastung der Gelenke (Fuss-, Knie- und Hüftgelenke, Anm. d. Red.) ist im Fussball durch die permanente Belastung während der ganzen Spieldauer grösser als im Eishockey.

Ein Fussballspieler beginnt ab dem 27. Altersjahr abzubauen. Wenn einer erst einmal nur einen winzigen Schritt weniger schnell geworden ist, dann hat er in der Premier League keine Chance mehr. Ein Eishockeyspieler kann hingegen auch auf höchstem Niveau nachlassendes Tempo über eine lange Zeit mit Spielintelligenz kompensieren.»

Das saubere Eishockey

Der ehemalige Schweizer Eishockey-Nationaltrainer (von 1997 bis zu den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver) hat noch eine weitere überraschende Feststellung gemacht: «Das Eishockey ist sauberer geworden. Es gibt viel weniger brutale Fouls als vor 30 Jahren.»

Die Gehirnerschütterungen seien zwar wegen des höheren Tempos ein ernsthaftes Problem geworden. «Aber es spielt wohl auch eine Rolle, dass früher eine Gehirnerschütterung oft nicht als solche erkannt worden ist.» Der französische Chansonnier Maurice Chevalier dachte wohl an einen Eishockeyspieler, als er einmal sagte: «Ein Mann mit weissen Haaren ist wie ein Haus mit Schnee auf dem Dach. Das heisst noch lange nicht, dass im Herd kein Feuer brennt.»