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Warum die Nati nach dem 4:0 gegen Gibraltar noch mehr Seelenmassage braucht

Der Schlusspunkt dieses einseitigen Spiels: Gavranovic trifft zum 4:0.

Der Schlusspunkt dieses einseitigen Spiels: Gavranovic trifft zum 4:0.

Die Schweiz besiegt in der EM-Qualifikation Gibraltar ohne zu überzeugen 4:0 – Konkurrent Dänemark patzt. Die grosse Frage aber bleibt: Wie gelingt es, die Nebenschauplätze zu verbannen?

Der Applaus des Publikums am Ende ist warm. So, dass die eine oder andere Seele der Schweizer Nationalspieler sich erfreuen durfte. Das kann gewiss nur helfen. Denn noch immer ist der Fehltritt in Irland vom Donnerstag, dieses enttäuschende 1:1, nicht ganz verdaut.

Gegen Gibraltar steht es am Ende 4:0. Die Pflicht ist erfüllt. Mehr nicht. Aber die drei Punkte bleiben in der Schweiz. Das ist es, was primär zählt. Und weil Dänemark in Georgien zeitgleich nur 0:0 spielt, ist es für Vladimir Petkovic und sein Team plötzlich gar ein erfreulicher Abend geworden. Zumal dieses Spiel von gestern in einigen Tagen ohnehin niemanden mehr interessiert.

Der kleine Zwischenspurt vor der Pause

Die Frage vor dem Duell mit den Fussball-Amateuren aus Gibraltar war auch: Wie viel Frust steckt noch in den Schweizer Köpfen? Und wie sehr können die Spieler ihren Ärger darüber verbergen, dass es seit Tagen nur um die Abwesenden geht? Um Xherdan Shaqiri, der sich leer fühlt und dem Team auch gestern via soziale Medien Glück wünscht. Und um Stephan Lichtsteiner, der sich fit fühlt und via herkömmliche Medien wissen lässt, dass er gerne den EM-Viertelfinal spielen möchte.

Wer das Spiel zum Massstab nimmt, kommt zum Schluss: Es ist einiges hängen geblieben. Vier Positionen hat Petkovic verändert, unter anderem muss Kevin Mbabu nach seinem Fehler in Irland, der zum Ausgleich führte, auf der Bank Platz nehmen.

Der Beginn ist gleichwohl behäbig. Die Schweiz spielt ohne Tempo und Präzision. Und wenn sich dann doch einmal eine aussichtsreiche Situation ergibt, auch ohne Effizienz. Edimilson Fernandes sei an erster Stelle erwähnt. Dreimal verpasst der ehemalige Sion-Junior, der vor heimischem Publikum eine Chance erhält, das Tor fahrlässig. Er trübte damit seinen beschwingten Eindruck, den er sonst hinterliess. Einmal traf Benito noch die Latte, aber sonst? Das Warten auf das erste Tor verkam bald einmal zur Qual.

Der Jubel nach dem wichtigen 1:0, Denis Zakaria.

Der Jubel nach dem wichtigen 1:0, Denis Zakaria.

Eines ist den Schweizern immerhin anzurechnen: Sie verlieren nie die Geduld und die Konzentration. Auch wenn der überforderte Gegner aus Gibraltar dazu verleiten könnte. Die Belohnung in Form von drei Treffern folgt zwischen der 37. und 45. Minute. Zakaria und Mehmedi treffen per Kopf. Rodriguez per sattem Schuss.

Wer nun aber gar ein Schützenfest erwartet, wird in der zweiten Halbzeit enttäuscht. Die Schweizer lassen wieder nach, der Chancen werden wieder weniger. Und darum ist es nur halbwegs überraschend, dass nur noch ein Tor dazu kommt. Gavranonic schiesst es kurz vor Schluss. Ansonsten sorgt noch am ehesten Debütant Ruben Vargas für etwas Tempo. Dieser deutet sein grosses Potenzial mehrfach an.

Sommer: «Ich bin überzeugt, es muss sich nicht viel ändern»

Was bleibt also nach dieser Nati-Woche? «Wir wissen um unsere Qualitäten – darum freue ich mich auf die nächsten Spiele», sagt Torhüter Sommer. Und gibt zu: «Natürlich stören die vielen Nebenschauplätze. Ich hoffe, sie verschwinden bald. Trotzdem: Ich bin überzeugt, es muss sich im Team nicht viel ändern.»

Dass eine Seelenmassage auch vor den Partien gegen Dänemark und Irland noch nötig sein wird, zeigt das Votum von Granit Xhaka. Er sagt, sichtlich genervt von den vielen Diskussionen über Shaqiri und dessen Befindlichkeiten wegen der Captain-Binde: «Vielleicht müssen wir wieder einmal eine heftige Niederlage kassieren, damit wieder über Fussball gesprochen wird.»

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