Nations League

Warum die Nati an ein Käsefondue erinnert – Fragen und Antworten vor dem Spiel Deutschland-Schweiz

Im ersten Duell gegen Deutschland holte die Schweiz ein 1:1. Silvan Widmer schoss das Tor.

Im ersten Duell gegen Deutschland holte die Schweiz ein 1:1. Silvan Widmer schoss das Tor.

Heute Abend um 20.45 Uhr trifft die Schweiz in der Nations League auswärts auf Deutschland. Lesen Sie, welche Brennpunkte es zu beantworten gilt.

Auswärts gegen Deutschland, es ist die nächste grosse Herausforderung für das Schweizer Fussball Nationalteam. Um 20:45 Uhr beginnt das Nations-League-Spiel (live, SRF2 ab 20:10). Noch ist die Nati im Jahr 2020 sieglos. Bleibt das auch heute so, wäre es das erste Mal seit zehn Jahren, dass die Schweiz fünf Spiele hintereinander nicht gewinnt. Damals hiessen die Gegner zwischen Oktober 2009 und Juni 2010 Israel (0:0), Norwegen (0:1), Uruguay (1:3), Costa Rica (0:1) und Italien (1:1).

Worum geht es heute Abend noch, ausser um statistische Werte? Sechs Fragen, welche die Schweiz in diesem Klassiker gegen Deutschland beantworten muss.

Die Suche nach der Identität

Die Diskussion begleitet diese Schweizer Mannschaft schon seit Jahren. Wie gut ist sie wirklich? Und genügt sie tatsächlich den eigenen Ansprüchen? Solange das grosse Ziel, ein Viertelfinal an einer Endrunde, nicht erreicht wird, bleibt diese Debatte. Und jedes Mal, wenn sich die Schweiz mit einer Weltklasse-Mannschaft misst, beginnt das Werweissen von neuem.

So auch nach diesem 0:1 in Spanien. Es war eine ernüchternde Partie, wenn man darauf fokussierte, wie sich die Schweiz in der Offensive schlug. Eine einzige Torchance ist zu wenig – auch gegen ein Spanien. Zudem gelang es nicht, dem Gegner das eigene Spiel aufzuzwingen, so wie sich das die Schweizer eben vorgenommen hatten. In dieser Hinsicht ist heute gegen Deutschland eine Steigerung von Nöten. Das ist durchaus möglich, weil das Team von Jogi Löw derzeit nicht ganz so stark einzuschätzen ist wie Spanien.

Trotzdem stellt sich gerade gegen Weltklasse-Gegner die Frage: Wie wollen die Schweizer eigentlich spielen? Lohnt es sich, das schöne Kombinations-Spiel von zuhinterst bis nach vorne bis zum Exzess zu betreiben? Auch dann, wenn die gegnerische Klasse einen plötzlichen erdrücken könnte, nicht immer zwar, aber so sehr, dass ein Fehler zwischendurch eben plötzlich entscheidend wird?

Die «Süddeutsche Zeitung» verglich das Schweizer Spiel mit einem «Fondue-Abend, bei dem die Teilnehmer grössere Konzentration darauf verwenden, das Brot beim Rühren nicht im Caquelon zu verlieren als es dann zu essen.» Bedeutet: Die Art und Weise des Spiels wurde für die Schweizer plötzlich wichtiger als das Ziel, nämlich Tore zu schiessen. Das ist durchaus treffend formuliert. Und sollte sich an einer EM besser nicht wiederholen.

Der Chef und Steuermann des Schweizer Spiels: Granit Xhaka

Der Chef und Steuermann des Schweizer Spiels: Granit Xhaka

Gleichzeitig gilt es aber auch festzuhalten, dass die Schweizer in der Verteidigung einen grossartigen Job machen. Auch sie hielten die Spanier vom eigenen Tor fern, gerieten kaum einmal in Bedrängnis. Wenn nur dieser eine individuelle Fehler nicht gewesen wäre, der zum 0:1 und damit zur Niederlage führte.

Torhüter Sommer und seine Fehler

Womit wir bei Torhüter Yann Sommer wären. Er war jahrelang herausragend. In den wichtigsten Partien am besten. Stets der souveräne Rückhalt. Nun hat er erstmals überhaupt in seiner Nati-Karriere innert kürzester Zeit zwei ungewohnte Fehler vorzuweisen. Erst gegen die Ukraine (1:2-Niederlage). Und nun gegen Spanien. Auch von Sommer ist darum gegen Deutschland eine Reaktion gefordert.

Meist herausragend, zuletzt mit zwei entscheidenden Fehlern: Yann Sommer

Meist herausragend, zuletzt mit zwei entscheidenden Fehlern: Yann Sommer

Erinnerungen an die WM 2006

Das Spiel Deutschland-Schweiz findet in Köln statt. Es ist eine Stadt, die noch immer mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden ist. 2006 bestritt die Schweiz in Köln ihren WM-Achtelfinal gegen die Ukraine. Es war ein Grottenkick, der im Penaltyschiessen endete. Alle drei Schweizer verschossen (Streller, Cabanas, Barnetta), das Team und mit ihm das ganze Land wurde ins Tal der Tränen gestürzt. Die Schweiz war ausgeschieden, ohne ein einziges Tor kassiert zu haben. Goalie Pascal Zuberbühler sagt ins Telefon: «Hören Sie auf, mich daran zu erinnern. Ich dachte, ich hätte das überwunden. Aber das dauert wohl noch ewig.»

Nein! Die Ukraine steht im WM-Viertelfinal...

Nein! Die Ukraine steht im WM-Viertelfinal...

Die Schweiz ist ausgeschieden. Ohne ein einziges Gegentor. Die Erinnerungen an die WM 2006 und den Spielort des Achtelfinals, Köln, werden nie verblassen.

Die Schweiz ist ausgeschieden. Ohne ein einziges Gegentor. Die Erinnerungen an die WM 2006 und den Spielort des Achtelfinals, Köln, werden nie verblassen.

Löw's Lob

Der deutsche Trainer hat viel Respekt vor der Schweiz. Bei der Medienkonferenz vor dem Nachbarschafts-Duell sagte er: «Es wird einiges auf uns zukommen. Die Schweizer sind frech, setzen den Gegner unter Druck und machen einen homogenen, guten Eindruck.» Beeindruckt hat Löw vor allem die Schweizer Abwehrarbeit. «Spanien hatte kaum Chancen. Wenn man gegen so einen starken Gegner nichts zulässt, sagt das alles.» Und folgert: «Die Schweiz ist mittlerweile für jeden anderen Gegner eine grosse Hürde.»

Löw selbst ist in Deutschland ziemlich unter Druck geraten. Sein Festhalten an der Dreierkette wird zunehmend weniger verstanden. Selbst Bastian Schweinsteiger, einst auf dem Weg zum WM-Titel 2014 verlängerter Arm auf dem Platz von Löw, äusserte sich kritisch.

Respekt vor der Schweiz: Jogi Löw.

Respekt vor der Schweiz: Jogi Löw.

Abstiegskampf

Die Hälfte ist gespielt. In den verbleibenden drei Partien der Nations League geht es für die Schweiz nun darum, den Abstieg zu verhindern. Einfach wird das nicht. Am realistischen ist es, die Ukraine in der letzten Partie am 17. November in Luzern zu besiegen und noch zu überholen. Bedeutet aber auch: In den beiden Partien gegen Spanien und Deutschland darf die Ukraine maximal einen Punkt mehr holen als die Schweiz.

© CH Media

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