FC Bayern
Warum das Boot voll ist und Xherdan Shaqiri wechseln muss

Thiago Alcantara ist womöglich ein Glücksfall für die Bayern, auf jeden Fall aber ein Albtraum für Xherdan Shaqiri und die Schweizer Nationalmannschaft. Ein Kommentar zur Situation des 21-jährigen Schweizer Mittelfeldspielers.

Sebastian Wendel
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Angeblich hat Liverpool Interesse an Xherdan Shaqiri. Keystone

Angeblich hat Liverpool Interesse an Xherdan Shaqiri. Keystone

24 Millionen Franken überweisen die Deutschen nach Barcelona für den Mittelfeldspieler, über den Bayern-Trainer Pep Guardiola sagt: «Ich brauche seine Qualitäten, er ist gut für uns.»

Was bedeutet die Verpflichtung von Guardiolas Lieblingsspieler für Shaqiri? Er ist im offensiven Mittelfeld der Bayern nur noch die Nummer 7. Egal, ob die Münchner dort künftig mit drei oder vier Spielern auflaufen: Franck Ribéry, Arjen Robben, Thomas Müller, Mario Götze, Toni Kroos und eben Alcantara – sie alle dürften in Guardiolas Gunst vor unserem Zauberzwerg stehen. «Ich will Stammspieler werden oder zumindest öfter in den wichtigen Partien eingesetzt werden», formuliert Shaqiri seine Ziele für die kommende Saison. Hier ist der Wunsch Vater des Gedankens, das Boot im Bayern-Mittelfeld ist nach dem Alcantara-Transfer übervoll – Shaqiri der Erste, der abspringen muss.

Shaqiri hat absolut recht, er muss den nächsten Schritt machen. Im Jahr nach dem Wechsel vom FC Basel zu Bayern hat er es geschafft, in der Münchner Weltauswahl den Anschluss zu finden. Kam auf beachtliche 38 Einsätze, erzielte acht Treffer. Aber auch das ist die Realität: In den K.-o.-Runden der Champions League spielte Shaqiri drei Minuten, im Cupfinal gar nur eine. Sprich: Wurde es ernst, baute Ex-Trainer Jupp Heynckes auf andere. Unter Guardiola muss Shaqiri, dessen Vertrag in München bis 2016 läuft, froh sein, wenn er in der Bundesliga gegen Augsburg auflaufen darf.

Nicht länger im Schatten von Ribéry

Was bringen ihm Einsätze gegen Abstiegskandidaten? Nichts, dafür ist Shaqiri zu gut. Mit 21 Jahren steht er in der Phase, in der Fussballer die grössten Schritte in der Entwicklung nehmen. Sein Potenzial ist riesig, Shaqiri hat das Zeug, sich dereinst nicht mehr hinter einem Ribéry verstecken zu müssen. Doch auf dem Weg dahin muss er sich jetzt regelmässig mit Spielern vom Kaliber des französischen Superstars messen. Genauso leiden, wie seine persönliche Entwicklung, würde unter einem Shaqiri auf der Tribüne die Schweizer Nationalmannschaft. Er ist der Anführer der jungen Wilden, der Mann, der auch gegen grosse Nationen den Unterschied ausmachen kann.

Was fehlende Spielpraxis bewirkt, zeigt das Beispiel Granit Xhaka: Auch ihm wird das Potenzial für eine grosse Karriere nachgesagt. Doch nach dem Wechsel zu Gladbach fand er sich dort schnell einmal auf der Ersatzbank wieder und verlor in diesem Jahr den Stammplatz bei Ottmar Hitzfeld. Für diesen wäre es verheerend, wenn im nächsten Sommer mit Xherdan Shaqiri sein wichtigster Spieler ohne Rhythmus an die WM in Brasilien reist.

Also dürfte Hitzfeld sehr daran interessiert sein, dass Shaqiri die
Türe zum Stammplatz irgendwo anders als in München aufmacht. Dass er einen Schritt zurückgeht, um vorwärtszukommen. So wie Toni Kroos, an dem sich Shaqiri ein Vorbild nehmen kann. Kroos spielte in seinem Premierenjahr bei Bayern eine ähnliche Rolle wie Shaqiri, liess sich für eineinhalb Jahre nach Leverkusen ausleihen und gehört heute in München zu den ersten Anwärtern auf einen Stammplatz. Für Shaqiri macht eine Ausleihe in Deutschland am meisten Sinn: Er kennt die Liga und muss keine neue Sprache lernen. Aber auch ein Wechsel ins Ausland (Liverpool soll Interesse haben) hilft weiter, wenn ihm sein temporärer Klub bieten kann, was er braucht: die Aussicht auf einen Stammplatz und die Champions League.

Mitarbeit: ewu