Radsport
Vuelta so gut besetzt wie noch selten

Mit der Tour de France hat das bedeutendste Rennen des Jahres bereits stattgefunden, doch die wohl bestbesetzte Rundfahrt des Jahres beginnt am Samstag in Jerez de la Frontera. Die 69. Vuelta a España vereint ein aussergewöhnliches Starterfeld.

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Lokalmatador

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Keystone

Der Italiener Vincenzo Nibali, im Juli Gesamtsieger der Tour de France und 2010 schon einmal Gewinner der Spanien-Rundfahrt, fehlt zwar in der Meldeliste, aber ansonsten ist die Prominenz fast lückenlos vertreten. Insbesondere die Präsenz des Briten Chris Froome und des Spaniers Alberto Contador wertet die dritte grosse Landesrundfahrt des Jahres auf. Die beiden galten schon an der Tour de France als die grossen Favoriten, wurden aber dort durch Stürze aus der Entscheidung geworfen.

Froome ist zuversichtlich

"Ich habe mich gut von meinen Sturzverletzungen erholt", sagt Chris Froome. An der Tour de France hatte er als Vorjahressieger in der 5. Etappe mit Brüchen am linken Handgelenk und an der rechten Hand aufgeben müssen, doch nun fühlt sich der in Kenia geborene Brite wieder bereit. Er habe für seine Rückkehr hart gearbeitet, und er freue sich sehr auf dieses Rennen, liess der 29-Jährige verlauten. Denn er steht in einer ganz speziellen Beziehung zur Spanien-Rundfahrt. Vor drei Jahren schaffte er in der Vuelta als Gesamt-Zweiter den internationalen Durchbruch, geschlagen nur vom Spanier Juan José Cobo.

Alberto Contador äussert sich, auf seine Chancen angesprochen, weit vorsichtiger als Froome. Der 31-Jährige spricht nicht vom Gesamtsieg. Er sei froh, überhaupt starten zu können. Contador hatte sich an der Tour de France in der 10. Etappe einen Schienbeinbruch und eine Verletzung am Knie zugezogen. Erst Anfang August ist er wieder ins Training eingestiegen. Erst vor einer Woche konnte er erstmals wieder schmerzfrei einen Berg hochfahren. "Vielleicht liegt in der letzten Woche ein Etappensieg drin", hofft Contador, der Vuelta-Gesamtsieger der Jahre 2008 und 2012.

Ein Parcous für Nairo Quintana

Gegner gibt es für Froome aber noch genug andere. Beachten muss er vor allem das spanische Team von Movistar, in dessen Reihen sich mit dem Kolumbianer Nairo Quintana und dem Spanier Alejandro Valverde gleich zwei potentielle Gesamtsieger befinden. Vor allem Quintana dürfte für Froome eine Gefahr darstellen. Der Südamerikaner war letztes Jahr an der Tour de France Zweiter hinter dem Briten. In der aktuellen Saison stellte Quintana seine Qualitäten mit dem Gesamtsieg am Giro d'Italia unter Beweis. Die Tour de France bestritt er nicht.

Als Bergfahrer der Extra-Klasse wird der erst 24-jährige Quintana in Spanien einen Parcours vorfinden, der ihm wie massgeschneidert erscheinen muss. Wie in den letzten Jahren üblich wird den Spezialisten der kleinen Übersetzungen genügend Terrain zum Angriff gegeben. Bergankünfte sind schon fast die Norm. Die Sprinter dagegen erhalten nicht viele Chancen. Mehr als fünf Gelegenheiten bieten sich nicht. Immerhin sind die einzelnen Teilstücke nicht allzu lang. Die 200-km-Marke wird nur zweimal übertroffen.

Neben Quintana stehen mit dessen Landsmann Rigoberto Uran und dem Italiener Fabio Aru auch der Zweite und der Dritte des Giro d'Italia am Start. Für Uran könnte es sich als nachteilig erweisen, dass lediglich ein längeres Einzelzeitfahren auf dem Programm steht. Aru, wie Quintana erst 24 Jahre alt und bei Astana Teamkollege von Nibali, war eine der Entdeckungen im Giro.

Gemeldet hat auch der unverwüstliche Amerikaner Chris Horner, der letztes Jahr die Spanien-Rundfahrt völlig überraschend vor Nibali und Valverde gewann, danach aber zu Lampre-Merida wechselte und im neuen Trikot noch keinen einzigen Sieg einfahren konnte. Im Oktober wird der älteste Vuelta-Gewinner aller Zeiten 43 Jahre alt. Neben ihm fühlt sich selbst der 37-jährige Australier Cadel Evans, der Leader in dem vom Zürcher Andy Rihs alimentierten Team BMC, gleich etwas jugendlicher.

Vor einer Bewährungsprobe steht der 24-jährige Franzose Thibaut Pinot, der an der Tour de France als Dritter überrascht hatte. Zum Kreis der weiteren Anwärter auf eine Spitzen-Klassierung zählen zudem der Spanier Joaquim Rodriguez (2010 und 2012 Dritter der Vuelta) und der Amerikaner Andrew Talansky (im Juni Sieger im Dauphiné).

Cancellara: Vuelta als WM-Vorbereitung

Unter den 198 gemeldeten Fahrern befinden sich acht Schweizer. Fabian Cancellara will sich den letzten Schliff für die WM von Ende September holen, die ebenfalls in Spanien, in Ponferrada, stattfinden wird. Der 33-jährige Berner sollte sich zumindest bis zur 10. Etappe im Rennen halten. Dann steht das Einzelzeitfahren über 36,7 km im Programm. Letztes Jahr hatte Cancellara in Tarazona im Kampf gegen die Uhr einen Etappensieg verbuchen können. Zwei weitere Siege in Zeitfahren datieren von 2009. Damals gewann er zum Vuelta-Start in Assen (Ho), trug insgesamt fünf Tage das Leadertrikot und doppelte schliesslich in Valencia nach.

Der Zürcher Oberländer Oliver Zaugg startet als Helfer im Team von Alberto Contador, derweil bei BMC Steve Morabito und Danilo Wyss ihren Leader Evans assistieren. Die Westschweizer Equipe IAM Cycling bestreitet nach der Tour de France ihre zweite grosse Rundfahrt. Mit Marcel Aregger, Pirmin Lang, Johann Tschopp und Jonathan Fumeaux schickt sie vier Schweizer ins Rennen. (si)

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