Skicross-Saison
Sanna Lüdi denkt nicht ans Aufhören: die 34-Jährige steht nach Verletzungen wieder einmal vor dem Neuanfang

Heute startet die Skicross-Saison in Arosa. Die Schweiz hat zahlreiche ambitionierte Athleten am Start. Für die Oberaargauerin Sanna Lüdi ist es das Comeback nach einem Jahr Verletzungspause.

David Umiker
Merken
Drucken
Teilen
Trotz unzähligen Verletzungen kommt die 34-jährige Sanna Lüdi immer wieder zurück – vor allem aus Liebe zum Sport.

Trotz unzähligen Verletzungen kommt die 34-jährige Sanna Lüdi immer wieder zurück – vor allem aus Liebe zum Sport.

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Es ist unglaublich. Sanna Lüdi geht bereits in ihre 13. Saison als Skicross-Athletin. Davon konnte die 34-jährige erst eine überhaupt durchfahren. Über die Jahre wurde die Oberaargauerin wiederholt von Verletzungen aufgehalten. Ob Hirnerschütterung, Kreuzbandriss oder Schienbeinbruch: Lüdi blieb von nichts verschont. Immer wieder kämpfte sie sich zurück an die Weltspitze. Immer wieder fuhr sie stark und durfte bisher zehn Podestplätze feiern.

Der letzte Erfolg datiert vom Februar 2019. Jenem Jahr, in dem sie zum ersten Mal die ganze Saison bestreiten konnte. Ein paar Wochen zuvor wurde sie an der Weltmeisterschaft in Solitude (USA) vierte und verpasste das Podest nur knapp.

Sanna Lüdi erreichte an der WM 2019 in Solitude den vierten Rang. Ihr bisher bestes WM-Ergebnis.

Sanna Lüdi erreichte an der WM 2019 in Solitude den vierten Rang. Ihr bisher bestes WM-Ergebnis.

Bild: AP

Wieder drei Verletzungen im Jahr 2020

Das Glück hielt nicht lange an. Im Dezember letzten Jahres kam der nächste Schock: Lüdi stürzte in Val Thorens in Führung liegend.

Die Diagnose: Teilabriss am Innenband des linken Knies. Sechs Wochen wäre sie ausgefallen. Wäre? Es sollte schlimmer kommen.

Lüdi verspürte auch Schmerzen im rechten Knie. Tatsächlich ergab eine MRI-Untersuchung, dass das Aussenband in diesem Knie kaputt war. Aus einer Operation wurden zwei, aus sechs Wochen out wurden sechs Monate. Die Verletzungsmisere sollte im Jahr 2020 aber gar noch weiter gehen. Als sie im Sommer genesen in die Ferien reiste, kugelte sie sich beim Surfen die Schulter aus. Erst Ende August stand sie wieder auf Ski. Und dann Mitte Oktober: im Training ein Sprung, eine unkontrollierte Armbewegung und wieder kugelte die Schulter aus.

Die Olympischen Spiele 2022 in Peking als Ziel

Nun wartet der Saisonauftakt. Die Heimrennen in Arosa. Seit Oktober bestritt Lüdi keine Schneetrainings mehr. Der Kraftraum war ihr zu Hause. Ist sie bereit? «Zum aktuellen Zeitpunkt bin ich so gut vorbereitet, wie ich es nur sein kann», sagt Lüdi. Wie sie sich ständig immer aufrappelt und positive Energie findet, musste sie über die Jahre hinweg lernen. «Ich versuche heute Tag für Tag Positives und kleine Ziele zu finden, statt mich am grossen Ganzen zu orientieren. Ich sage mir etwa: heute will ich einen Apfelkuchen backen.»

Dass sie immer wieder den Weg zurückgefunden hat, verdankt sie aber auch ihrer Liebe zum Skicross. Lüdi sagt:

«Früher bin ich Alpin gefahren und habe es auch geliebt. Das Gefühl beim Skicross ist aber nicht vergleichbar. Das Gegeneinander auf der Strecke löst so viel Adrenalin in mir aus. Ich komme immer mit einem breiten Grinsen ins Ziel.»

In der bevorstehenden Saison und beim Rennen in Arosa gehe es für sie vor allem darum, Routine zu gewinnen. Denn ihr grosses Ziel sind die Olympischen Spiele 2022 in Peking. Da will sie triumphieren, mit 36 Jahren. «Und wenn es an Olympia gut läuft, will ich auch dann nicht ans Aufhören denken.»

Smith und Regez streben Gesamtweltcup-Sieg an

Neben Sanna Lüdi startet die Schweiz mit zahlreichen ambitionierten Fahrerinnen und Fahrern in die Saison. Zum Auftakt fehlen einzig Olympia Silbermedaillen-Gewinner von 2018 Marc Bischofberger, Arosa-Sieger von 2016 Romain Détraz und die talentierte 21-jährige Sixtine Cousin. Alle verletzt.

Fanny Smith

Fanny Smith

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Die heissen Eisen im Schweizer Team in diesem Jahr sind Fanny Smith und Ryan Regez. Vergangene Saison belegten beide den zweiten Rang im Gesamtweltcup. Während Smith schon über Jahre zu den weltbesten Frauen gehört, zeigte Regez zuletzt vermehrt sein Potenzial. Das Ziel der beiden für diese Saison ist klar: «Den Gesamtweltcup gewinnen.» Hinzu kommen Ambitionen an der WM, wenn denn eine stattfindet. Die im Februar vorgesehene Freestyle-WM in China wurde nämlich vor kurzem abgesagt. Doch die FIS soll bereits einen Ersatztermin und -ort suchen.

Ryan Regez

Ryan Regez

Bild: Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Auf das Rennen in Arosa sind beide heiss. Regez sagt: «Meine Trainingszeiten bestätigen meine gute Form. Ich bin bereit.» Und Smith ist euphorisch: «Ich bin optimal vorbereitet und strotze voller Energie.» Ihre härtesten Konkurrenten kommen wohl aus Kanada. Marielle Thompson ist die aktuelle Weltmeisterin und Kevin Drury gewann im vergangenen Jahr den Gesamtweltcup.

Weitere Schweizer mit Chancen in Arosa

Der 34-jährige Alex Fiva weiss, wie man in Arosa reüssiert. Der Bündner konnte die erste Austragung im Jahr 2014 für sich entscheiden und belegte nun zwei Mal in Folge den dritten Rang. Auch Jonas Lenherr konnte 2018 bereits einmal in Arosa gewinnen. Er wird ebenfalls am Start bereit stehen. Die weiteren Schweizer sind Joos Berry, Niki Lehikoinen, Tobias Baur, Armin Niederer, Luca Lubasch und Alex Marro bei den Männern. Bei den Frauen heissen die weiteren Schweizerinnen Talina Gantenbein, Saskja Lack, Margaux Dumont und Marie-Karoline Krista.

Arosa ist ein Nacht-Sprint-Rennen. Das heisst, dass die Athletinnen und Athleten innerhalb von 30 Sekunden über die Hügel und Schanzen ins Ziel brausen. Wenig Zeit, um bei einem Fehler reagieren zu können. Die Taktik und ein guter Start sind essenziell. Fanny Smith findet ausserdem die Austragungszeit speziell: «Es wird sich zeigen, wer mit den späten Zeiten am besten zurecht kommt.»

Die Entscheidungen finden am Dienstag- und Mittwochabend statt und können live auf SRF 2 verfolgt werden. Sehen Sie hier die Highlights des Rennens vor einem Jahr: