Rückkehr
Vor zwei Jahren brach er sich den Rücken – jetzt nimmt er wieder an einem Lauf teil

Ein Schicksalsschlag veränderte das Leben von Michael Wiese vor zwei Jahren von einem Moment auf den anderen. Während eines Fussballturniers in Holland, abseits des Rasens, brach sich der leidenschaftliche Hobby-Sportler vor zwei Jahren den dritten und vierten Halswirbel.

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Michael Wiese und Moritz auf der Heide nehmen zusammen beim Wings for Life World Run teil - diesmal ohne Virtual-Reality-Brille

Michael Wiese und Moritz auf der Heide nehmen zusammen beim Wings for Life World Run teil - diesmal ohne Virtual-Reality-Brille

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«Ich bin in diesen Ball reingesprungen. Als ich wach wurde und da auf dem Boden lag, merkte ich sofort, dass mit meinem Körper etwas nicht stimmte. Ich sagte nur noch: ‹Hilf mir, ich bin querschnittgelähmt›», erinnert sich Wiese an seinen Unfall.

Statt Triathlon- und «Tough Mudder»-Rennen zu bestreiten, bestand sein Leben von da an fast nur noch aus Ärzteterminen und Spitalaufenthalten. Wiese war plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen, musste alles neu lernen. Seine ganze Energie steckte er in die Therapie.

Wings for Life World Run

Am 6. Mai 2018 findet zum fünften Mal der Wings for Life World Run statt. Das Motto: «Wir laufen für alle, die nicht laufen können.» Das Konzept ist einzigartig: Es ist der erste Lauf, bei dem weltweit zeitgleich gestartet wird.

Dabei spielt die Fitness keine Rolle. Vom Anfänger bis zur Wettkämpferin und vom Rollstuhlfahrer bis zur Power-Walkerin sind alle willkommen. Hundert Prozent aller Startgelder fliessen über die Stiftung Wings for Life in Forschungsprojekte, die nur ein Ziel kennen: Eines Tages muss Querschnittslähmung heilbar sein.

Als Botschafter für den Anlass setzen sich Luca Hänni, Francine Jordi, Manuela Schär und Daniela Ryf ein. Sie alle werden am 6. Mai in Zug mit ihren Laufgruppen am Start sein. Der 10-fache Weltcup-Sieger im Degenfechten Max Heinzer übernimmt dieses Jahr die Rolle der fahrenden Ziellinie. Der Zentralschweizer steuert den Catcher Car: Wer überholt wird, muss das Rennen beenden.

Um Wiese das Renn-Erlebnis während seiner durch Crowdfunding finanzierten Reha trotzdem zu ermöglichen, wurde der Langstreckenläufer Moritz auf der Heide beim Wings for Life World Run 2017 mit einer 360-Grad-Kamera ausgestattet. Das Bild der Kamera wurde live übertragen – direkt auf die VR-Brille von Michael Wiese, der 800 Kilometer entfernt auf einem Sofa sass. So erlebte Wiese den Lauf, als wäre er selbst auf der Rennstrecke.

«Das war beeindruckend! Vor meinem Unfall habe ich keinen Sportanlass ausgelassen. Meinen Sports- und Kampfgeist übertrage ich derzeit auf meine Therapie. Den Event so hautnah mitzuerleben, ist für mich etwas ganz Besonderes und lässt sehr viele Emotionen in mir aufsteigen. Eine tolle Idee, die mich sehr berührt hat.»

Wiese beim Wings for Life World Run erneut dabei

Inspiriert von diesem Erlebnis beschloss Wiese dieses Jahres beim Wings for Life World Run erneut dabei zu sein – dieses Mal aber nicht in der virtuellen Realität, sondern in echt. Und tatsächlich: Der 44-Jährige hat in seiner Reha solche Fortschritte gemacht, dass er am 6. Mai in München dabei sein wird.

Wiese weiss zwar, dass er nicht die gesamten 30 Kilometer wird absolvieren können, aber das ist ihm egal. Er wird neben Kumpel Moritz so weit gehen, wie ihn seine Füsse tragen werden. Selbst wenn das nur ein paar Meter sein sollte.

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